kirschenmichel

Alte Bauernrezepte und ihre Geschichte: Kirschenmichel


Schon früher war das geringe Nahrungsangebot ein Grund für Rezepte, das die Verwertung von Resten notwendig machte. Der Kirschenmichel ist eines davon!


Schon im späten Mittelalter war das relativ knappe Nahrungsangebot meist ein guter Grund dafür, Küchenrezepte zu erfinden, welche die Verwertung von altem oder vom Vortag übrig gebliebenem Brot möglich machte. In Bayern sind Semmelknödel sicher eines der bekanntesten davon. Ab dem 13. Jahrhundert wurde Brot auch in ärmeren Bevölkerungsschichten täglich gegessen. Die Stelle im Vaterunser "Unser täglich Brot gib uns heute…" ist bestimmt jedem geläufig. Brot war sowohl das geheiligte als auch wichtigste Grundnahrungsmittel in ganz Europa und später in Nordamerika und ist es immer noch - vor allem in der Brotnation Deutschland, dem Land, in dem die meisten Brotsorten (rund 600) gebacken werden. Dieses kostbare Lebensmittel einfach weg zu werfen ist nach wie vor ein Tabu.

Mit wenig Zutaten ein sättigendes Mittagessen

Wohl auf jedem Bauernhof und Haushalt standen also die Grundnahrungsmittel Milch, Ei, Zucker, Butter und Salz sowie Brot das ganze Jahr über zur Verfügung. So hat sich über Jahrhunderte dieses alte Rezept erhalten, welches mit diesen wenigen Zutaten auskommt und ein leckeres, einfaches und preisgünstiges Gericht ergibt, unberechtigter Weise abschätzig oft "Resteessen" genannt. Vor allem in Süddeutschland bekannt, wird der Kirschenmichel warm serviert und traditionell nach einer Suppe als Hauptgericht gegessen, da er äußerst sättigend ist. Je nach Region ist das Rezept darüber hinaus unter den Namen Kirschenauflauf, Brotkuchen, Kirschen-Brot-Auflauf, Kirschpfanne, Kirschenmännle, Kirschmichl, Keschteplotzer, Kerscheplotzer, Kirschenplotzer, Chirsiplotzer, Clafoutis, Kirschenjockel, u.a. bekannt geworden und wird heute in unzähligen Abwandlungen zubereitet.

Für das Originalrezept benötigt man folgende Zutaten:

Etwa 8 alte Brötchen oder die gleiche Menge altes Brot (es geht auch steinhartes). Wenn man Brotreste über einen längeren Zeitraum sammelt, sollte man diese bereits in kleine Stückchen zerpflückt haben und sie dann erst austrocknen lassen. Etwa 750 ml Milch (je nach Alter des Brotes auch etwas mehr), 1 Prise Salz, 70 g Zucker, 2-3 Eier, 30 g Butter, Zitronenschale, 1 kg dunkle, reife Kirschen, Puderzucker zum bestreuen. Als Abwandlung kann man je nach Saison saftige Äpfel, reife Pflaumen, Zwetschgen, süße Birnen oder Mirabellen verwenden. Im Winter kann aber auch eingemachtes Obst verwendet werden.

Die Zubereitung von Kirschenmichel:

Milch mit Zucker, Eiern und Salz gut vermengen. Altes Brot klein schneiden oder Brotreste in eine Schüssel geben, mit etwa Dreiviertel der Eiermilch übergießen und 20 Minuten ziehen lassen, dann nochmals gut durchmengen. Die abgeriebene Schale einer unbehandelten Zitrone - obwohl nicht original Mittelalter - gibt dem ganzen das feine Aroma. Eine Auflaufform mit Butter ausfetten und die Brotmasse einfüllen. Die nicht entsteinten Kirschen (der Saft bleibt in der Frucht) waschen, gleichmäßig in die Masse drücken, mit dem Rest Eiermilch übergiessen und zum Schluss mit Butterflöckchen belegen. Im vorgeheizten Ofen bei 200°C etwa 30 bis 45 Minuten auf der mittleren Schiene backen. Leicht abgekühlt mit Puderzucker bepudern und noch warm servieren.