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Aufregender Weißwein aus Südtirol: Das Anbaugebiet Alto Adige ist der Liebling der Weinführer


Italien ist ein Rotweinland. Da kann es gar keinen Zweifel geben. 75 % der gigantischen Produktion entfallen auf rote Sorten. Auch was den Bekanntheitsgrad angeht, haben die Roten die Nase vorn. Namen wie Frascati, Orvieto oder Soave sind dem Weinliebhaber zwar vertraut, aber sie verblassen doch gegenüber den Prestigeweinen Barolo, Chianti oder Brunello.


Weinland Südtirol

Frei nach Asterix könnte man also formulieren: "Ganz Italien ist von Rotweinproduzenten besetzt… Ganz Italien? Nein! Eine kleine Region im Norden leistet unbeugsam Widerstand."

Die kleine Region heißt Alto Adige oder auf Deutsch Südtirol. Mengenmäßig wird in Venetien und Sizilien zwar mehr Weißwein gekeltert, aber wenn es um Spitzenqualitäten geht, ist die norditalienische Region der Konkurrenz ein gutes Stück voraus.

Die Vielfalt des Weinlands Italiens

Vom "italienischen Wein" zu sprechen verbietet sich. Zu unterschiedlich sind die geografischen Voraussetzungen in den einzelnen Anbaugebieten, zu zahlreich die verarbeiteten Rebsorten - über 400 sind in den DOC-Richtlinien zugelassen - und zu individualistisch die Winzer.

Winzergenossenschaften

Aber in Südtirol ist alles doch noch ein wenig anders als auf der restlichen Halbinsel. Dies beginnt schon mit der Organisation. Dominieren im übrigen Italien eindeutig die Einzelbetriebe, vom kleinen Winzer bis zur "Weinfabrik", so sind es im Alto Adige die Kooperativen. Vielleicht findet man hier die leistungsfähigsten Winzergenossenschaften der ganzen Welt.

Der primus inter pares ist sicherlich die Genossenschaft San Michele in Appiano. Wegen der Zweisprachigkeit Südtirols findet sich auf den Etiketten auch die deutsche Bezeichnung St. Michael-Eppan. Seit Jahren räumt der Kellermeister Hans Terzer die Höchstprämien des Gambero Rosso ab, des namhaftesten Weinführers für italienische Weine.

Herausragendes haben aber auch die Kooperativen in Bozen (Bolzano), Kaltern (Caldaro), Klausen (Chiusa, firmiert unter dem Namen Genossenschaft Eisacktal), Nals (Nalles), Terlan (Terlano) oder Tramin (Termeno) zu bieten.

Weingüter

Natürlich fehlt es in Südtirol auch nicht an Winzerpersönlichkeiten, die ihre Trauben lieber unter eigenem Namen vinifizieren. Alois Lageder ist einer von ihnen und wohl der Bekannteste. Publizität hat ihm beschert, dass er seinen Barrique-Keller mit Bachs Brandenburgischen Konzerten beschallen lässt und sich davon einen Qualitätsgewinn verspricht.

Es wird allerdings nicht allein an dieser innovativen Technik der Weinbereitung liegen, dass seine Produkte exzellent sind. Allerdings sucht man seinen Namen im Gambero Rosso vergebens: Der Querdenker hat sich schon vor Jahren mit der Redaktion der "Weinbibel" überworfen und verzichtet auf dieses Marketinginstrument. Absatzprobleme hat er dennoch nicht.

Neben diesem Pionier des Qualitätsweinbaus in Südtirol gibt es eine immer größer werdende Zahl von Weinmachern, die höchstes Renommee besitzen: Köfererhof, Kuenhof, Schreckbichl, Stiftskellerei Neustift (Abbazia di Novacella), Stroblhof, Tiefenbrunner und viele andere.

Riesling und Co.

Die Kellertechnik eines Winzers kann noch so gut sein, fehlt es am erstklassigen Traubengut, kann er keinen Spitzenwein herstellen. Schaut man auf die verarbeiteten Rebsorten, aus denen in Südtirol Weißwein gemacht wird, fallen weitere Unterschiede zum Rest Italiens auf.

Während dort flächendeckend Trebbiano die Weißweinproduktion dominiert, eine Rebsorte, die wahrlich nicht zu den großen der Welt zählt, trifft man im Alto Adige auf andere weiße Trauben. Neben den internationalen Champions wie Chardonnay und Sauvignon Blanc, die überall auf der Welt für Qualität sorgen sollen, finden sich Gewürztraminer, Sylvaner, Riesling, Kerner, Veltliner, Müller-Thurgau, Welschriesling, Goldmuskateller, Grauburgunder (Pinot grigio) und Weißburgunder (Pinot bianco).

Die Liste zeigt, dass der Südtiroler Weinbau historisch eng mit Österreich und Deutschland verbunden ist. Wie dort werden die Weine in Südtirol vorwiegend sortenrein ausgebaut. Überwiegen im übrigen Italien verschnittene Weine, was natürlich an sich kein Makel ist, ist die Zahl der Cuvées im Alto Adige sehr gering.

Das Terroir

Neben den Fertigkeiten des Weinmachers und der Wahl der Rebsorte bestimmt das "Terroir", das Zusammenspiel von Klima, Boden und Lage, die Qualität eines Weins. Südtirol bietet hervorragende Lagen, die den Wein zu Qualität "quälen" können. Denn etwas Qual für die Rebe, karge Böden, geringe Erträge, Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, wie für den Winzer, Handarbeit in steilen Hanglagen, muss schon sein.

Selbst eine Allerweltstraube wie Müller-Thurgau, die in Deutschland möglichst viel Wein in die Stahltanks schwemmen soll, liefert im Eisacktal auf 800 Höhenmetern angepflanzt einen Wein von beachtlichem Charakter.

Weine für Kenner

Dass man diese Weine nicht für vier Euro an der Tankstelle bekommt, versteht sich von selbst. Die Produktion ist gering: am gesamten Weinsee Italiens ist Südtirol lediglich mit einem Prozent beteiligt. Dafür ist der Aufwand, den die guten Weinmacher betreiben, umso größer.

In den Weinregalen durchschnittlicher Supermärkte wird man kaum fündig werden. Ein Gang zum Fachhändler oder eine Bestellung im Versandhandel lohnt aber allemal. Selbst wenn man blind ins Regal greift, wird man von einem Südtiroler "Weißen" selten enttäuscht werden.

Es wäre ungerecht gegen die vielen ungenannten hervorragenden Winzer, weitere Erzeuger als die bereits erwähnten zu empfehlen. Nicht nur einzelne Adressen, sondern eine ganze Region verdienen das Vertrauen anspruchsvoller Genießer.