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Bei Iranern zu Gast sein und Tee trinken


Der Iran produziert zwischen 55.000 und 60.000 Tonnen schwarzen Tees. Das Anbaugebiet befindet sich nahe der Stadt Lahijan im Norden des Landes am Kaspischen Meer. Diese Menge reicht zur Eigenversorgung nicht aus. Es muss aus Indien und anderen Ländern hinzugekauft werden. Denn das warme, durststillende Getränk wird zu allen Gelegenheiten getrunken. Und da Gastfreundschaft eine große Rolle spielt, wie generell überall im Orient, wird jedem Besucher auch stets ein Glas Tee angeboten.


Wie man sich als Gast verhalten sollte

Nun wäre es allerdings unhöflich, die Frage, ob man gern ein Glas Tee trinken wolle, sofort und voller Begeisterung zu bejahen. Man fällt eben nicht mit der Tür ins Haus, lehnt erst einmal ab und lässt sich mehrmals bitten, und zwar genau drei Mal. Dieses Spiel gehört zum Höflichkeitsritual. Das mutet Westeuropäern vielleicht etwas seltsam an. Der tiefere Grund liegt aber darin, dass man die Gastgeber nicht in Verlegenheit bringen sollte. Befindet man sich auf Reisen und möglicherweise auf dem Lande im Iran, könnte es sein, dass gerade kein Zucker oder nichts Süßes im Hause ist, zumal wenn der Besuch unverhofft erscheint. Und zu bedenken ist auch, dass es zuweilen Versorgungsengpässe gibt. Das kleine Frage-Antwort-Spiel lässt den Gastgebern Zeit, schnell noch etwas zu kaufen oder bei Nachbarn zu borgen.

Wie der Tee im Iran zubereitet wird

Wie auch in Russland wird der Tee traditionell in einem Samowar zubereitet. Das erfordert etwas Zeit und der Besuch muss Geduld mitbringen. Auf dem Sprung mal eben eine Tasse Tee trinken, ist nur in den Teehäusern der größeren Städte möglich, wo die Samoware ständig in Betrieb sind. Ein Samowar, – wird er gar noch mit Holz und nicht elektrisch betrieben –, muss erst einmal geheizt werden. In einer kleinen Kanne wird dann ein sehr starker Tee zubereitet. Im Bauch des Samowars, der übrigens bei den persischen Ausführungen etwas schlanker und höher als bei den russischen ausfällt, befindet sich das heiße Wasser, das aus einem kleinen Hahn in das Glas gegeben wird, in das man zuvor etwas von dem Teeextrakt gefüllt hat. Danach wird die Kanne für ein zweites oder drittes Glas wieder auf den Samowar gestellt und warm gehalten.

Wie Iraner den Tee servieren

Der Tee wird in ein Glas gegossen, das auf einem Teller steht. Da das Getränk sehr heiß aus der Kanne kommt, ist es durchaus üblich, etwas Tee auf den Unterteller zu gießen und den ersten Schluck auf diese Weise leicht abgekühlt zu trinken. Zum Tee wird auch immer etwas Süßes angeboten. Würfelzucker steht auch auf jeden Fall auf dem Tisch. Man legt ein Stück Zucker auf die Zunge, lässt einen Schluck Tee darüber gleiten und lutscht dann den Zucker wie einen Bonbon. Für unseren Geschmack eine sehr süße Angelegenheit.

Kommt der Gast nicht unverhofft, werden ihm auch noch weitere Süßigkeiten serviert. Das können Datteln und Pistazien sein oder Gebäck (Shirini). Auch das gehört zur Gastfreundschaft, etwas zum Knabbern zu reichen. Das Genießen des Tees ist ein geselliger Akt und es wäre sehr unhöflich, nach dem ersten Glas zu gehen, zumal die Zubereitung schließlich einen gewissen Aufwand erfordert hat.

Tee und Konversation gehören zusammen

Noch während der Tee zubereitet wird, beginnt bereits die Konversation. Für den Europäer ist es wichtig zu wissen, dass auch hier Höflichkeiten ausgetauscht werden. Man spricht nicht etwa gleich über das Wetter oder bringt sofort ein Problem zur Sprache. Zuerst einmal wird sich nach dem Befinden erkundigt. Dieses sogenannte Ta’arof kann ein kleines Weilchen dauern, denn man fragt nicht nur, wie es den Gastgebern selbst geht, sondern der gesamten Familie. Dabei bitte nicht die älteren Familienmitglieder vergessen. Sie genießen in der Regel größere Achtung als bei uns und die Höflichkeit gebietet es, Interesse an ihrem gesundheitlichen Wohlergehen zu zeigen.

Wenn auch der Tee und die Teehäuser im Iran eine große Rolle spielen, so gibt es natürlich ebenfalls Cafés. Sie sind eher dem europäischen Geschmack angepasst. Belebt und gut besucht sind beide und betriebsamer als im Kreise der Familie geht es allemal zu. Sie sind Orte der Kommunikation und Geselligkeit. Früher, als es noch zahlreiche Menschen im Iran gab, die nicht lesen und schreiben konnten, dienten die Teehäuser auch dem Austausch von Neuigkeiten und der Unterhaltung, wenn nämlich ein Geschichtenerzähler vorbeikam und beispielsweise aus dem Shahname rezitierte.