champagner

Champagner – klar und fein perlend muss er sein


Es waren keine günstigen Zeiten, um zu Beginn des 19. Jh. einem Luxusgetränk zu mehr Absatz zu verhelfen. Auch wenn sich 2009 das CIVC (Comité interprofessionnel du vin de Champagne) Sorgen macht, da veritable Rückgänge bei den Absatzzahlen zu verzeichnen sind, so waren die Zeiten kurz nach der Französischen Revolution und den anschließenden Napoleonischen Kriegen mit der Kontinentalsperre weitaus ungünstiger. Doch eine Grande Dame ließ es sich nicht ausreden, den Weinhandel mit diesem Luxus-Produkt auszubauen.


Der Beginn des Champagner-Hauses Clicquot

Im Jahr 1772 wurde das Haus Clicquot in Reims von dem Bankier und Stoffhändler Philipp Clicquot gegründet. Der Weinhandel war für den Gründer eher ein Nebengeschäft, bis sein Sohn François in die Firma eintrat. Dieser heiratete 1798 mit 23 Jahren die 20jährige Nicole-Barbe Ponsardin, Tochter eines wohlhabenden Bürgers. François Clicquot verstarb plötzlich im Jahr 1805. Sei es nun, um das Lebenswerk ihres verstorbenen Ehemanns fortzuführen oder um zu beweisen, dass sie sich als Frau in einer Männerdomäne durchsetzen kann, an Verkauf dachte die Witwe nicht. Zusammen mit zwei Mitarbeitern gründete sie das Haus Vve Clicquot-Ponsardin, Fourneaux & Co.. Sie fand im Laufe der Firmengeschichte immer wieder Unterstützung, so auch bei großen finanziellen Schwierigkeiten. Ihr Mitarbeiter Edouard Werlé setzte 1828 sein persönliches Vermögen ein. Als Dank wurde er von Madame testamentarisch bedacht und erbte nach ihrem Tod das Champagnerhaus.

Hauptabsatzgebiet für den feinperligen Champagner war das Zarenreich

Eines der ersten Absatzgebiete war das zaristische Russland, wo der Handelsvertreter und Mitarbeiter Bohne gute Abschlüsse tätigte und bereits eine Schiffsladung 1814, noch vor der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress, Russland erreichte. Es folgten weitere Lieferungen, später weltweit. Russland blieb jedoch für lange Zeit das Hauptabsatzgebiet.

Getreu dem Motto, dass der Prophet im eigenen Lande nichts gilt, soll das Champagnerhaus bis 1817 noch keine Flasche in Frankreich verkauft haben. Doch unabhängig davon konnte Mme Clicquot-Ponsardin am Ende ihres Lebens auf beachtliche Umsatzsteigerungen zurückblicken. Die anfänglichen 50.000 Flaschen pro Jahr hatten sich bei ihrem Tod im Jahr 1866 auf das Sechzehnfache erhöht. Ein Champagner-Name, der schnell in aller Munde war. So dichtete selbst Wilhelm Busch: „Wie lieb und luftig perlt die Blase der Witwe Klicko in dem Glase“.

Das Rüttelpult - eine innovative Idee von Mme Clicquot

Über ihr Verkaufstalent hinaus war Mme Clicquot aber auch kreativ und erfand das Vorgängermodell des heutigen Rüttelpults. Dazu zur Erinnerung: Der Champagner ist bis zum Abschluss der ersten Gärung ein stiller Wein. Erst durch den Abzug auf Flaschen und den Zusatz von Hefe und Zucker erfolgt die zweite Gärung, welche die begehrten Perlen in die Flasche bringt. Bei dieser zweiten Gärung lagert sich Hefe ab und bildet das sogenannte Depot, das gen Korken getrieben und durch Degorgieren entfernt werden muss. Bis dahin erfolgte dies, indem die Flasche auf den Kopf gestellt und einige Male geschüttelt wurde. Der Erfolg war mittelmäßig, es blieb immer ein Rest vom unerwünschten Depot in der Flasche und der Wein wies eine Trübung auf. Mme Clicquot fand heraus, dass bessere Ergebnisse erzielt werden, wenn man die Flaschen für eine geraume Zeit in ein schräg gestelltes, mit Löchern versehenes Brett hängt. So erfand sie zusammen mit ihrem Kellermeister Antoine Müller das Prinzip des Rüttelpults, in dem der Champagner beim mechanischen Vorgang 6 bis 12 Wochen, beim manuellen Verfahren 2 bis 3 Monate gerüttelt wird, bis sich der Pfropf vollständig am Korken befindet. In ein Eisbad getaucht, kann er dann leicht aus der Flasche entfernt werden.