kartoffel

Der Siegeszug der braunen Knolle - die Kartoffel erobert Europa


Nur langsam wurde die neue Knolle aus den Anden in Europa angenommen. In Deutschland machte sich sogar der preußische König stark für den Kartoffelanbau.


In Europa und in vielen Teilen der Welt ist die Kartoffel Grundnahrungsmittel, jedes Kind kennt sie. Viele Länder und Regionen haben eigene Kartoffel-Kreationen hervorgebracht, deren Rezepturen von Generation zu Generation weitergereicht wurden.

Lange Tradition - aber was war vorher?

Die Kartoffeln kamen erst im 16. Jahrhundert aus dem neu entdeckten amerikanischen Kontinent nach Europa. Bis dahin war Getreidebrei ein weit verbreiteter Magenfüller - das hört sich jetzt weniger lecker an. Wahrscheinlich auf mehreren Wegen, zuerst über Spanien und Italien, dann auch über England, kam die Kartoffel nach Europa und nach Deutschland.

Das Wissen um die Qualitäten und der Anbau der braunen Knolle verbreitete sich nur langsam in Europa. Das hatte ganz praktische und naheliegende Gründe: Ungekocht waren die Kartoffeln ungenießbar, gekocht meistens auch, weil nicht zur richtigen Zeit geerntet - leider gab es noch keine Gebrauchsanweisung. Dann stand die seit Jahrhunderten praktizierte Dreifelderwirtschaft dem Anbau der Kartoffel entgegen. Und einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Grund beschreibt eine deutsche Redensart so: "Was der Bauer nicht kennt, das frißt er nicht".

Ausgerechnet ein Preuße als Wegbereiter der Klöße?

In Bayern hört man es wahrscheinlich nicht so gerne, hat man dort doch die etwas unfeine Bezeichnung Saupraißn (Sau-Preußen) für die wenig geschätzten Mitbürger aus dem Norden. Aber möglicherweise war es ausgerechnet der Preußenkönig Friedrich der II. (der Große, auch der "Alte Fritz" genannt), der mit seinem "Kartoffel-Erlass" 1756 den fränkischen, aber auch thüringischen und bayrischen Klößen den Weg ebnete. Er ordnete nämlich an: "Wo nur ein leerer Platz zu finden ist, soll die Kartoffel angebaut werden."

Eine kluge Finte des Alten Fritz

Nicht nur per Erlaß wollte der weitblickende preußische König seine Untertanen für die Kartoffel gewinnen, sondern auch mit List: Er ließ Kartoffeläcker anlegen und von Soldaten strengstens bewachen!

Dies blieb den Bauern nicht verborgen und machte mächtig Eindruck - so eine kostbare Frucht!?

Der erwünschte Effekt ließ nicht lange auf sich warten: Die Bauern besorgten sich jetzt auf ehrliche oder weniger ehrliche Weise Kartoffeln - im letzteren Fall begünstigt durch die Soldaten, die bei Kartoffelklau absichtlich woanders hinschauten.

Die Kartoffel verbreitet sich mit regional unterschiedlichen Bezeichnungen

Endlich von den Bauern und der Bevölkerung akzeptiert, verbreitete sich der Kartoffelanbau rasch und half auch dabei, Hungersnöte wie in früheren Jahren zu lindern oder zu vermeiden. Je nach Region bildeten sich nicht nur verschiedene Zubereitungsarten aus, sondern auch unterschiedliche Namen für die Kartoffel wie Arpen, Bramburi, Erdapfel, Ärpfel, Grundbirne oder Grumbeere, Potacken oder Bodaggn.

Europa testet die Verwendbarkeit der Patatas, Potatoes, Tartuffeln und Kartoffeln

In Spanien, wo die ersten Kartoffeln aus der neuen Welt angelandet wurden, nannte man die neuen Knollen Patatas. Ähnlich die Engländer, die den Namen Potatoes vergaben. In Italien erinnerte die unterirdisch wachsende Kartoffel an die Trüffeln, weswegen ihr hier auch der Name Tartufolo verliehen wurde. Und unter diesem Namen kamen sie auch nach Deutschland, wo sie zunächst Tartuffeln oder Tartoffeln hießen, und schließlich Kartoffeln.

Daß die neue Knolle äußerst vielseitig ist, hat man nach und nach herausgefunden und eine Menge von Verwendungsmöglichkeiten und Zubereitungsarten gefunden, oft mit kleinen regionalen Abwandlungen. Die folgende Aufstellung ist weit davon entfernt, vollständig zu sein:

- Salzkartoffeln
- Pellkartoffeln
- Ofenkartoffeln
- Bratkartoffeln
- Kartoffelsalat
- Klöße und Knödel
- Kroketten
- Kartoffel-Chips
- Kartoffelbrei / -Püree
- Kartoffel-Gratin
- Kartoffelsuppe
- Kartoffelpuffer
- Gnocchi aus Italien
- Schupfnudeln aus Süddeutschland und Österreich
- Buabaspitzle aus Schwaben
- Kroppkakor aus Schweden
- Potetkaker aus Norwegen
- Rösti aus der Schweiz
- Pommes frites aus Belgien

Renaissance alter Kartoffelsorten

Von den alten Sorten, deren älteste vielleicht noch direkt aus den südamerikanischen Andenregionen kamen, sind etliche fast ausgestorben, verdrängt von den Ertrags-optimierten Sorten. Es hat jedoch wieder eine Rückbesinnung auf die alten Sorten begonnen. Die Erhaltung der genetischen Vielfalt ist eine Motivation hierfür, kulinarische Abwechslung eine andere.