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Kleine Einführung in Spanischen Wein: Lange unterschätzt, heute Weltklasse: spanische Rotweine


In den letzten zehn Jahren hat sich Spanien zu einem der besten Wein-Erzeugerländer entwickelt. Das liegt auch daran, dass man sich französisches Winzer-Knowhow ins Land holte und nach dem Ende der Franco-Diktatur mehr Wert auf Qualität legte. In der Zeit davor geriet spanischer Wein als Massenwein in Verruf.


In Europa hat Spanien die größte Rebfläche, steht aber in der Produktion hinter Italien und Frankreich erst an dritter Stelle. Zum großen Teil ist das heiße, regenarme Wetter daran schuld, das die Böden austrocknet. Die besten und ergiebigsten Weinanbau-Gebiete liegen daher im nördlichen Teil Spaniens, das ein ausgewogeneres Klima besitzt. Berühmt sind vor allem Rioja, Navarra und das kleine aber feine Gebiet des Ribera del Duero, dessen Weine schon lange kein Geheimtipp mehr sind, sondern unter Kennern zur Zeit besonders in Mode. In letzter Zeit holen aber in Mittelspanien die La Mancha und Valdepeñas auf. Der Süden ist mehr bekannt für seine süßen schweren Dessertweine und den Sherry in einem bestimmten Gebiet Andalusiens.

Bezeichnungen und Qualitätsstufen von Crianza bis Gran Reserva

Schon Spaniens normale Tafelweine ohne große Gütesiegel und Bezeichnungen können zu einem einfachen Mahl gut munden, da es in Spanien nie nötig ist, zum Beispiel Zucker zuzusetzen. Man merkt dies an dem normalerweise schon höheren Alkoholgehalt von meist um die 12 Prozent. Viele Winzer scheuen auch die Zusatzkosten, um ihren Wein offiziell testen zu lassen. Die nächste Stufe ist der

Crianza. Um diese Bezeichnung auf dem Etikett zu verdienen, muss der Wein ein Jahr im Fass gelagert gewesen und danach sechs Monate in der Flasche gereift sein.

Bei einem Reserva sind es mindestens eineinhalb Jahre im Fass und mindestens ein Jahr in der Flasche.Ein Alkoholgehalt von 13,5 Prozent sind dabei keine Seltenheit.

Ein Gran Reserva verbrachte mehr als zwei Jahre im Eichen-Fass und mehr als 18 Monate in der Flasche. Spanische Gran Reservas können es heute durchaus mit den Bordeaux-Weinen aufnehmen.

Um ehrlich zu sein: Spanische Weine kann man allgemein aber nicht so lange lagern wie französische: Ein Crianza kann schon nach sechs Jahren zum Essig mutieren, einen Reserva kann man gerne mal sieben bis acht Jahre im Keller aufbewahren, einen Gran Reserva entsprechend länger, aber mehr als 15 Jahre sind kaum bekannt.

Typische spanische Rebsorten

Die häufigste und bekannteste Traube für Rotwein ist der Tempranillo, der aber allgemein als nicht lange lagerungsfähig gilt. Er hat einen erdigen, manchmal sehr rauen Geschmack. Gerne verschneidet man ihn deshalb in Spanien mit anderen Trauben, zum Beispiel der Garnacha. Letzere wird auch gerne zur Gewinnung von Rosé-Weinen genommen. Cabernet Sauvignon ist ebenfalls sehr beliebt und Merlot, vorzugsweise auch kombiniert mit Tempranillo. In letzter Zeit werden auch sehr alte Traubensorten wieder entdeckt wie Shirah oder Bobal, die man schon zu Zeiten der Araber anbaute. Denn die Mauren in Spanien schätzten trotz Alkololverbots des Islam auch schon einen guten Tropfen, so wie die Römer und Phönizier vor Ihnen. Letztere, so wird vermutet, brachten die Weinstöcke als erstes nach Spanien.