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La Geria – Wein auf Lanzarote


Ein kleines zartes Pflänzchen mit einigen zierlich wirkenden Weinblättern versucht, sich in den Minikrater zu ducken, um nicht von den stetig wehenden Nordost-Passatwinden umgeblasen zu werden und zu wachsen. Fast mitleiderregend wirkt es, wie es so alleine in seinem „zoco“ sitzt, einer trichterförmigen Ausschachtung von ca. einem Meter Durchmesser.


Diese Unmengen von Trichtern, die die ganze Landschaft ringsherum bedecken, heißen auf spanisch auch „geria“, was diesem einzigartigen Weinanbaugebiet auf Lanzarote auch seinen Namen gegeben hat „La Geria“. La Geria liegt auf einer Hochebene, ist ca. 15 km lang und 2-3 km breit und umfasst ungefähr 1.900 Hektar. Das Gebiet erstreckt sich vom Monumento al Campesino bei Mozaga bis nach Uga im Süden der kanarischen Insel.

Vorbei geht es an einem Meer schwarzer Trichter, besetzt mit kleinen grünen Rebchen, die in der Sonne leuchten, und blendend weiß getünchten Häusern auf holpriger, schmaler Straße. Links und rechts derselben tut sich ein faszinierendes Gesamtkunstwerk auf, das vom New Yorker Museum of Modern Art zur „Ingenieurskunst ohne Ingenieure“ erklärt wurde. Beeindruckend, was hier der kargen Vulkanlandschaft an geometrisch angelegter Schönheit und natürlich an Weinreben bzw. guten Tropfen abgetrotzt wurde und wird. Hauptsächlich wird der bernsteinfarbene, bukettreiche Malvasía angebaut, der bereits vor 500 Jahren den Engländern gemundet haben soll und sogar von Shakespeare gelobt wurde. Dazu der schwere, süße Moscatel.

Wechselfälle der Geschichte

Durch Vulkanausbrüche im 18. Jahrhundert, die plötzliche Vorliebe der Engländer für Sherry und im 19. Jahrhundert eingeschleppte Pflanzenseuchen wie Mehltau kam der Weinanbau auf Lanzarote zunächst völlig zum Erliegen. Er erfuhr aber später durch eine ausgeklügelte Anbaumethode eine Renaissance. In neuerer Zeit hat man, um dem Geschmack der Touristen zu entsprechen, auch auf leichtere Weißweine wie z.B. Diego, sowie Rosado (Rosé) und Rotwein umgestellt. Letzter Schrei ist der Schaumwein „Malvasía Brut Nature“, der von der Bodega El Grifo hergestellt wird.

Je nach Niederschlägen sollen jährlich 1,5 bis drei Millionen Liter Wein auf der Insel produziert werden. Allerdings ist es ein offenes Geheimnis, dass dem Inselwein auch Festlandsweine bzw. Wasser zugesetzt werden. Somit wird auch mehr Inselwein verkauft als hergestellt. Die meisten Weinbauern haben sich daher zum Consejo Regular Denominación de Orígen zusammengeschlossen, um mit dem von César Manrique geschaffenen Emblem für die Echtheit des Lanzarote-Weins zu bürgen.

Bodegas locken zur Weinprobe

Links und rechts der Weinstraße locken Bodegas mit Schildern, die zur „Degustación“, zur Weinprobe, einladen, und so könnte man bei der Bodega El Grifo einen ersten Stop einlegen. In dieser ältesten, größten und kommerziell ausgelegten Weinkellerei Lanzarotes, die inzwischen in Playa Honda produziert, wird man gleich ins dazugehörige Weinmuseum gelotst. Dort kann man in feuchten, nach säuerlichem Wein riechenden Gewölben alte Weinpressen, Tanks, Abfüllanlagen und Verkorkungsmaschinen besichtigen. Abschließend bietet es sich natürlich an, ein paar Tropfen zu probieren oder einige der hier angebotenen Souvenirs zu erstehen.

Weiter geht´s zur Bodega Barreto/ El Campesino. Hinter dem Tresen mit den unendlich vielen Flaschen steht eine freundliche Dame, die alles erklärt. Es gibt Weine aus dem Eichenholzfass, Moscatel, Malvasía, Diego und Rosado.

Bei den Bodegas Antonio Suárez, einem Familienbetrieb, bedienen die netten Töchter, und Antonio höchstselbst kommt vorbei und fragt, ob die Weine munden. In der angeschlossenen Kneipe gibt es herrliche Tapas, Käse mit Paprika oder Gofio, dem kanarischen Grundnahrungsmittel aus verschiedenen Getreiden, oder Schinken mit Brot, um die Geschmacksnerven auf Trab zu halten.

Weinanbau ohne Niederschläge?

Wie aber funktioniert der Weinanbau auf einer Insel, auf der pro Jahr weniger als 200 mm Niederschlag fallen? Auch der Weinanbau hat, wie so vieles auf Lanzarote, mit den Vulkanen zu tun, besser gesagt mit dem Vulkangestein. Des Rätsels Lösung heißt Enarenado, Trockenfeldbau: Die Weinstöcke sitzen in ca. einen Meter tiefen, trichterförmigen Gruben. So sind sie einerseits vor den Winden geschützt und andererseits tief genug, um die feuchteren Lagen des Bodens zu erreichen. Das Lavagranulat speichert den des Nachts anfallenden Tau und gibt ihn tagsüber nach und nach wieder an den Boden ab. Zudem wird der Boden mit einer 20-30 cm dicken Lappilischicht bedeckt, porösem Vulkangestein, das tagsüber hervorragend vor der intensiven Sonneneinstrahlung schützt und nachts abkühlt und wiederum Feuchtigkeit speichert.

Als Schutz vor den allzu stark blasenden Winden werden die kleinen Gruben von halbrunden Mäuerchen gesäumt. So weit das Auge reicht, kann man dieses geometrische Gesamtkunstwerk bewundern. Ein Meer blauschwarzer Lava-Trichter leuchtet in der Abendsonne und bedeckt das ganze Tal wie mit einem geometrischen Geflecht. Dazwischen blitzen weiß getünchte Häuser auf, und die kleinen zartgrünen Reben ducken sich in ihren Mulden.