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Montepulciano: Ein Geheimtipp für Freunde italienischer Weine


Um es vorweg zu sagen: Die Rebsorte Montepulciano hat nichts mit der gleichnamigen Stadt in der Toskana zu tun.


Montepulciano ist nicht gleich Montepulciano

Zwar spielt auch dort der Wein - neben dem Tourismus - eine große Rolle. Wer das malerische Städtchen besucht, wird gleich auf die zahlreichen Weinhandlungen stoßen, die das einheimische Produkt anpreisen, den Vino Nobile di Montepulciano. Dieser Wein spielt preislich durchaus in den höheren Rängen mit. Ist er exzellent, wie etwa der Asinone von Poliziano, ist er sein Geld wert. Ist er nicht ganz so gut, so ist er immer noch nicht ganz billig und manchmal einfach überteuert.

Eine Rebe, die die Sonne liebt

Die (Haupt-)Rebsorte des Vino Nobile ist Sangiovese, die Traube, aus der die so genannten "Supertoskaner“, der Chianti oder der Brunello gekeltert werden. Die Rebsorte Montepulciano reift spät und braucht mehr Sonne, als zumindest die nördliche Toskana zu bieten hat. Sie wächst in den Marken, Umbrien, Apulien und als Hauptsorte in den Abruzzen.

Montepulciano im Verschnitt

In Umbrien und Apulien spielen andere Traubensorten die erste Geige. In den Marken, dem nördlichsten Anbaugebiet, verbirgt sich Montepulciano hinter zwei Appellationen (DOC), dem Rosso Conero und dem Rosso Piceno.

Beides sind Verschnitte zwischen Montepulciano und Sangiovese. Der Rosso Conero muss mindestens 85% Montepulciano enthalten, die restlichen 15% können, müssen aber nicht, mit Sangiovese gemischt werden. Es gibt also auch unter den Weinen der DOC Rosso Conero Exemplare, die zu 100% aus der Montepulciano-Rebe erzeugt werden.

Beim Rosso Piceno ist die Gewichtung genau entgegengesetzt: 60 bis 70% müssen aus Sangiovese bestehen, der Anteil von Montepulciano darf 40% nicht überschreiten.

Da die Marken die Hinwendung zu moderner Weinbereitung und höherer Qualität früher beschritten haben als die Abruzzen, galten und gelten teilweise heute noch die beiden Rotweine aus dieser Region als die besseren Vertreter und liegen preislich in der Regel auch etwas höher.

Montepulciano d’Abruzzo

In den Abruzzen haben die einheimischen Winzer immer an ihre Traube geglaubt. Es ist noch nicht lange her, da glaubten sie an die Quantitäten, welche die wuchskräftige Rebe produzieren konnte. Heute glaubt eine zunehmende Zahl von Produzenten an die Qualität des Montepulciano.

Schlägt man im Gambero Rosso, der "Bibel" des italienischen Weins, in der Ausgabe 1991/92 nach, so findet sich ein vernichtendes Urteil über die Region: "In Wirklichkeit ist es doch so, daß die Abruzzen einen Ruf als Weinregion haben, in der die Minderwertigkeit des Produkts nur noch von seiner Massenhaftigkeit übertroffen wird." So nimmt es auch nicht Wunder, dass der genannte Weinführer lediglich 12 Produzenten aus einer Zahl von 75.000 erwähnenswert findet.

Qualität ist möglich

Es verwundert allerdings, dass schon damals ein Weingut aus dem geschmähten Anbaugebiet nicht nur Ordentliches zustande bringt, sondern sogar die begehrte Höchstprämie, die tre bicchieri des Gambero Rosso einkassiert. Der ausgezeichnete Winzer heißt Edoardo Valentini und hat nicht nur vor nahezu 20 Jahren einen Glückstreffer gelandet, sondern bestätigt seine Ausnahmestellung seitdem Jahr für Jahr. Seine Weine, die weder im Niedrigpreissektor angesiedelt noch in Deutschland leicht erhältlich sind, sind sicher nicht der im Titel versprochene "Geheimtipp". Aber Valentini hat vorgemacht, wozu die Rebe in der Lage ist.

Eine neue Generation von Winzern weist den Weg

Sorgfältige Selektion im Weinberg, Verringerung der Erträge, Wahl der besten Klone und Anbau auf wirklich geeigneten Parzellen, ist der Schlüssel zu Qualität. Die Abruzzen bieten eigentlich ideale Voraussetzungen für ihre einheimische Rebsorte: Heiße Tage, damit die späte Sorte auch ausreifen kann, und kalte Nächte durch die möglichen Höhenlagen und die Fallwinde aus den Abruzzen.

Man bekommt tatsächlich beim Discounter um die Ecke immer noch einen Montepulciano d’Abruzzo für 1,89 Euro. Dies ist eine hervorragende Wahl, falls man Kalkablagerungen im Sanitärbereich zu beseitigen hat. Ein solches Getränk ist aber genau so wenig der versprochene "Geheimtipp" wie die Weine von Valentini.

Eine ganze Reihe von Winzern in den Abruzzen hat gelernt, dass es sich auszahlt auf Qualität statt auf Massenware zu setzen. Die Ausgabe 2009 des Gambero Rosso trägt dem Rechnung: Zehnmal werden die drei Pokale an einen Montepulciano d’Abruzzo vergeben und eine ansehnliche Zahl findet sich in der Verfolgergruppe.

Hervorragende Weine zu Spottpreisen

Der Weinliebhaber profitiert immer noch vom schlechten Image der Region. Den guten Erzeugern fällt es schwer, die Preise zu erzielen, die ihre Weine eigentlich wert wären. Für unter 10 Euro bekommt man in Deutschland einen Montepulciano, der mehr als beachtlich ist.

Man wird einen Tropfen, der wegen seines Genuss-Qualitäts-Verhältnisses zum "Hauswein" avanciert, eher selten im Supermarkt entdecken. Der Weinsee in den Abruzzen ist immer noch groß genug zum Ertrinken. Deshalb sollte man sich selbst kundig machen oder dem Händler seines Vertrauens folgen.

Wenn nachfolgend einige Erzeuger genannt werden, so ist die Auswahl subjektiv und unvollständig. Es gibt unter den aufstrebenden Winzern, die an der Qualität des Montepulciano d’Abruzzo arbeiten, manche Entdeckung zu machen.