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Tapas, viel mehr als nur Appetithäppchen


In ganz Spanien werden individuelle Varianten von Tapas in Bodegas und Tapas-Bars kostenlos zu den Getränken gereicht und man verzehrt sie überwiegend im Stehen.


Sie kommen in scheinbar endlosen Variationen und sind für jeden Gaumen ein Genuss. Wörtlich übersetzt heißt Tapa „Deckel“ oder auch „Abdeckung“ und so hat ihre Geschichte vielleicht auch wirklich angefangen. Ein Stück Brot als Abdeckung des Weinglases, damit die Fliegen nicht hinein gelangen konnten. Auch wird erzählt, dass ursprünglich Oliven als Beschwerung des Brotes darauf gelegt wurden.

Heutzutage ist die Fülle an Tapas-Rezepten unüberschaubar, regional sehr unterschiedlich und es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Bodega seinen Gästen um die 30 verschiedene Tapas anbietet.

Die Entstehungslegenden der Tapas ranken sich um Muselmanen, einfache Feldarbeiter und Könige

Wer schon einmal arabische Restaurants im nahen Osten oder im östlichen Mittelmeerraum besucht hat mag sich der Theorie anschließen, dass „Tapas“, hier bekannt unter dem Namen „Mezedes“, ihre Wurzeln in diesen islamischen Staaten haben.

Auch spanische Feldarbeiter werden in den Legenden erwähnt die durch leichte Zwischenmahlzeiten, in Form von Tapas, genügend Energie bis zur nächsten Hauptmahlzeit erhielten.

Einer anderen Legende nach musste König Alfons X. von Kastilien, mit dem Beinamen „der Weise“, aufgrund einer Erkrankung kleine Häppchen und Wein zwischen den Hauptmahlzeiten zu sich nehmen und veranlasste nach seiner Gesundung, dass Wein nur noch im Zusammenhang mit kleinen Häppchen angeboten werden durfte.

Die ehemaligen Kutscher die auf den Routen in Malaga unterwegs waren, sind Teil einer weiteren Legende die sich um die Entstehung der Tapas ranken. So heißt es, dass auf den Zwischenstopps zu viel Alkohol getrunken wurde, was oft nicht nur fatale Folgen für die Postzustellung hatte. Ein königlicher Erlass verpflichtete daraufhin alle Betreiber von „Taberneros“ und „Meseneros“ zukünftig kein Glas Wein mehr ohne einen „Deckel“ oder „Tapa" zu verkaufen.

Tapas reisten mit den Spaniern um die Welt

Tapas werden heute oftmals in Europa als Snack oder kleine Zwischenmahlzeit interpretiert, während man zum Beispiel in Lateinamerika noch überwiegend die Originalbedeutung des Wortes „La Tapa“, das „Deckelchen“ eines Getränks, darunter versteht.

Viele Länder haben Tapas in ihre Kultur integriert so zum Beispiel auch Nordamerika. Die dort eher deftigen Tapas sind ein beliebtes Mittagessen, die genug Energie für den weiteren Arbeitstag geben.

Auch haben andere mediterrane Länder die Gewohnheit eines Snacks „Tentempié”, oder Appetithäppchens „Tapita” übernommen. Das mag damit zusammenhängen, dass die eigentliche Mittagsmahlzeit erst am frühen Abend eingenommen wird und die Zeit zwischen dem Frühstück und „Mittagessen“ einfach zu lang ist. Diese willkommene Unterbrechung wird auch gern genutzt um soziale Kontakte zu pflegen oder geschäftliche Dinge zu besprechen.

Tapas werden traditionell mit Wein oder Sherry serviert

Jede Region hat ihre eigenen Weine die entweder jung und preisgünstig wie der Peleón sind, oder bereits gereift in Eichenfässern, Reserve. Im Baskenland gibt es jungen Wein, den Txakoli, in Katalonien heißen lokale Weinsorten Penedés und Cava, im Nordwesten ist der Ribeiro zu Hause, in Kastilien und in Zentralspanien wird zum Beispiel junger Valdepeñas oder Rioja serviert und feiner Sherry eher im Süden des Landes. In Regionen in denen Äpfel im Überfluss wachsen wird auch Apfelwein angeboten.

Spanische Tapas, regionale Unterschiede und Vielfalt der Zutaten

Gastronomische Traditionen und persönlicher Geschmack bestimmen die Tapas in jeder Region Spaniens. Verschiedenste Olivensorten und Geschmacksrichtungen die schon allein ein Buch füllen könnten, getrocknete Nüsse, Schinken und Wurstsorten gehören auf jeden Fall dazu. Fisch und Meeresfrüchte, Käse in aller Vielfalt, Eier, Gemüsesorten und Knoblauch werden ebenfalls verwendet.

Zu den gebratenen Tapas gehören „Boquerones”, Jungfische, dann Tintenfisch, Würstchen, Kartoffeln und im Teig ausgebackenes Gemüse. Variationen die mit Saucen zubereitet werden beinhalten zum Beispiel, Tomaten, Paprika, Auberginen oder Stangenbohnen und verschiedene Fleischsorten. Beliebt sind auch noch Kartoffel-Tortillas und Fisch im Mantelteig.

In den letzten Jahren kamen internationale Einflüsse dazu und so gehören heute auch Räucherlachs, Kaviar, Schweizer- und französischer Schmelzkäse, oder verschiedenste Pasteten aus Zentraleuropa dazu.

Nun ist es eigentlich egal ob man sich um einen Tisch herum gruppiert oder wie üblich stehend die Tapas zu sich nimmt. „Tapeo“, oder die Kunst Tapas zu essen, bietet die Möglichkeit mit anderen Menschen gemeinsam fast schon ein Ritual zu zelebrieren. Eine spanische Tradition die auch in anderen Ländern der Erde immer populärer wird.