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Aufstieg und Untergang der Tempelritter


Die Tempelritter und ihr Wirken gelten bis heute als eines der geheimnisvollsten Kapitel der mittelalterlichen Geschichte. Immer wieder gibt es Gerüchte um kostbare Schätze, geheime Lehren und satanische Praktiken. Aber was davon entspricht der Wahrheit? Und wer waren diese Templer eigentlich? Verschworen sie sich in geheimwissenschaftlichen Sekten? Beteten sie einen Satansgötzen an? Oder waren sie sie etwa die Hüter des sagenumwobenen "Heiligen Grals"?

Der Orden wurde im Jahr 1119 gegründet. Der vermutliche Anlass war ein äußerst blutiger Überfall auf Pilger zwischen Jerusalem und dem Jordan. Daraufhin stellte Hugo von Payns mit einigen Rittern eine Miliz auf, um die Christen im Heiligen Land zu beschützen. Als Hauptquartier wählte er die El-Aqsah-Moschee ("Salomonischer Tempel"). Dort gründete er den "Sacer ordo militae templi Hierosalemitani", den "Heiligen Orden der Ritter des Tempels zu Jerusalem". Der Ordensschwur bestand aus drei mönchischen Gelübden: Keuschheit, Gehorsam und Armut. Als vierten Eid legten sich die Brüder auf, "alles zu tun, was in ihrer Macht stand, um die Straßen zu schützen und die Pilger gegen Überfälle der Moslems zu verteidigen". Die äußerlichen Erkennungszeichen waren fortan der weiße Mantel, das rote Tatzenkreuz und die schwarz-weiße Flagge.

Im Abendland wurde Kritik an der Gewinnsucht der Tempelritter laut


Zwei Jahrhunderte leistete der Orden den europäischen Monarchen gute Dienste im Kampf gegen die arabischen Todfeinde im Orient und beim Schutz der Jerusalempilger. Gleichzeitig wuchs er aber auch zu einer reichen und mächtigen Organisation heran. Neid keimte auf. Und Begehrlichkeiten. Mit dem Verlust des Heiligen Landes und dem vergeblichen Versuch, einen Ordensstaat auf Zypern zu gründen, waren die Templer mit zwei wichtigen Vorhaben gescheitert. Der etwa um 1292 gewählte Großmeister Jacques de Moley versuchte noch einen weiteren Kreuzzug zu organisieren, um die Insel Ruad zu erobern. Aber auch dieser Plan schlug fehl. Gleichzeitig wurde im Abendland Kritik an der Gewinnsucht und am Geschäftsgebaren der Templer laut.

Philipp der Schöne von Frankreich, der es auf den Reichtum des Ordens abgesehen hatte, schmiedete ein Komplott mit Papst Clemens V., um die Templer auszuschalten. Nach einem Vorwand brauchte er nicht lange zu suchen. Ein Verräter stellte die Behauptung auf, der Orden würde satanische Götzen anbeten und hinter den Klostermauern sexuelle Ausschweifungen praktizieren. 1307 wurden die französischen Templer einschließlich des Großmeisters festgenommen und eingekerkert.

Jaques de Moley wurde zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt

In einem Aufsehen erregenden Prozess klagte man die Templer der Ketzerei an und zwang sie durch Folter zu Geständnissen. Die Ordensbrüder erwartete - je nach Urteil - die Versöhnung mit der Kirche, der Kerker oder der Scheiterhaufen. Erste Hinrichtungen fanden bereits ab 1310 statt. Jacques de Moley wurde ebenfalls gefoltert. Zunächst gestand er die ihm und dem Orden zur Last gelegten Verbrechen, widerrief sein Geständnis jedoch später wieder. Nach siebenjähriger Kerkerhaft wurde er zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt und am 18. März 1314 in Paris hingerichtet. Nach dem Abschluss des Verfahrens löste der Papst den gesamten Orden auf. Das Erbe, ein gewaltiges Vermögen an Immobilien, wurde größtenteils den Johannitern zugesprochen. Doch von dem erhofften "Schatz der Templer" fehlte jede Spur. Ob die Templer wirklich schuldig waren, darüber streiten die Geschichtsforscher bis heute.