hieroglyphen

Das Alte Ägypten: die Hieroglyphen


Das Wort Hieroglyphe entstammt aus dem Griechischen und bedeutet "heilige Einritzung". Heute wird hauptsächlich die altägyptische Schriftkultur mit ihren besonders bekannten Bildern und Symbolen damit verbunden. Es wird vermutet, dass die ägyptische Bezeichnung "mdw-ntr", was soviel heißt wie "Gottesworte", in der damaligen Zeit für diese Schreibart benutzt wurde.


Die Geschichte

Altägyptische Hieroglyphen treten erstmals vermehrt ab 3500 v. Chr. auf, also vor der protodynastischen Zeit (ca. 3200-3000 v. Chr.) in der Frühzeit. Zu finden sind diese Einkerbungen oder Aufschriften auf diversen Gefäßen zur Kennzeichnung von deren Inhalt. Diese Entwicklung lässt erkennen, dass sich die ägyptische Kultur auch durch Handelsbeziehungen zu entfalten begann, und dass eine allmähliche pristine Staatenbildung bevorstand. Diese wurde scheinbar um 2980 v. Chr. von König Menes durch die ägyptische Reichseinigung von Ober- mit Unterägypten erzielt. Längere Inschriften treten ab ca. 2600 v. Chr. in der dritten Dynastie auf. Beschrieben wurden vor allem:

- Papyrus ("Papier" gewonnen aus einer Staude)
- Ostraka (Keramikscherben)
- Gebrauchs- und Handelsgegenstände
- Gebäude (Weih- und Gedenkinschriften religiöser Art).

Die Hieroglyphenarten

Je nach Verwendung oder (künstlerischer) Ausgestaltung werden Hieroglyphen verschiedenartig unterteilt. Die klassische Hieroglyphe im allbekannten Sinn stellt eine Art "Druckbuchstabe" dar. Die hieratischen und demotischen Stile stellen die "Schreibschrift". Die Kursivhieroglyphen stehen in der Mitte von Druck- und Schreibschrift. In späterer Zeit (ab 332 v. Chr. nach der Eroberung Ägyptens durch Alexander den Großen und der damit verbundenen Verbreitung des Hellenismus im ägyptischen Raum) tritt mit einigen Jahrhunderten Verspätung das schriftliche Koptisch hinzu: eine altägyptische Sprache in griechischen Buchstaben.

Ursprünglich gab es 700-1000 verschiedene Zeichen. Ab ptolemäischer Zeit, d.h. nach der Übernahme des Alexanderreiches durch die Diadochen, wurden sie auf 5000 erweitert.

Das Lesen und die Aussprache der Hieroglyphen

Die Richtung, in der Hieroglyphenzeichen gelesen werden, ist variabel. Manche werden gewohnt von links nach rechts, andere wiederum von rechts nach links oder von oben nach unten gelesen. Die Leserichtung von unten nach oben ist jedoch nicht gängig. Wird in der Abfolge der Symbole ein Bild von einem Menschen verwendet, so liest man "ins Gesicht". Der Umstand, dass es in antiken Schriften keine Satzzeichen, ja sogar keine Wortzwischenräume ("scriptio/scriptura continua") gab, vereinfacht die Angelegenheit auch nicht. Wie in der hebräischen Sprache, so gibt es auch im Altägyptischen keine Vokale. Daher werden in der modernen Linguistik, um die Sprache "sprechbarer" zu gestalten, bestimmte Konsonantenzeichen in Vokale umgewandelt oder Selbstlaute dazwischengesetzt (so z.B. bei Tutenchamun oder Tutanchamun).

Die Hieroglyphengruppen

Die Unterteilung der bekannten Hieroglyphen erfolgt in:

- Ideogramme (=Logogramme bzw. Semogramme): ein Bild steht für ein Wort,
- Phonogramme (Lautzeichen): 24 Einkonsonantenzeichen (ein Symbol steht für einen Konsonanten), Mehrkonsonantenzeichen (ein Symbol steht für eine Konsonantenfolge)
- Determinativa: Diese Zeichen werden meist nicht gelesen, sondern zeigen wie eine Überschrift das Thema des Geschriebenen auf.

Altägyptische Schreiber waren sehr geschätzt, denn sie waren meist gebildet und schmückten die Gräber der Pharaonen (die Pyramiden oder die Grabanlagen im Tal der Könige) mit Weihinschriften aus. Dabei achteten sie besonders auf die künstlerische Ausgestaltung und die ästhetische Wirkung der Hieroglyphen durch deren Anordnung in kleinen Quadranten. Die Namen der Pharaonen wurden dabei mit einer Schlaufe umkreist. Die Soldaten von Napoleon, welche am Ende des 18. Jahrhunderts in Ägypten mit der Hieroglyphenschrift nichts anzufangen wussten, nannten jene umkreisten Zeichen "les cartouches " ("Pulverfässchen").