goldene vlies

Faszination Gold: das Goldene Vlies


Zum Kostbarsten das Menschen besitzen, gehörte schon immer das Gold. Eigentlich ist es nicht mehr als ein Metall, aber eben ein sehr edles. Und es kommt selten und nur in sehr niedriger Konzentration vor. Gold hat Künstler zu grandiosen Werken animiert, Stoff für Mythen geliefert, Alchemisten beflügelt, Frauen schön gemacht und nicht zuletz Menschen in den Tod getrieben. Das Goldene Vlies, um das es geht, ist der griechischen Mythologie zufolge das Fell des Widders Chrysomeles, der fliegen und sprechen konnte.


Die Sage vom Goldenen Vlies spielt hauptsächlich an der Nahtstelle von Europa und Asien: im Kaukasus und am östlichen Ufer des Schwarzen Meeres, in einer Region, die in der Antike Kolchis hieß und die sich weitgehend mit dem heutigen Georigen deckt. Der Goldreichtum von Kolchis wird in der altgriechischen Literatur mehrfach ausdrücklich betont. Die deutlichsten Hinweise auf das goldreiche Kolchis finden sich bei Plinius, Appian und Strabon (röm. und griech. Gelehrte der Antike), in denen ausdrücklich auf die Methode der Goldgewinnung durch Waschen von Bach- und Flussedimenten mit Hilfe von Schaffellen hingewiesen wird. Diese Berichte um die Goldgewinnung mittels Schaffellen führten vermutlich zur Sage des Goldenen Vlieses.

Die Sage vom Goldenen Vlies

In der Sage um das Goldene Vlies treten all jene Figuren auf, die sich in anderen Geschichten um Gier, Liebe und Leidenschaft auch finden: treulose Mächtige, schöne und eifersüchtige Frauen, goldgierige Helden. Was hinzukommt, ist die Gestalt des Widders Chrysomeles, der ein goldenes Fell trägt und fliegen und sprechen kann.

Die Sage: König Athamas ist seiner Frau Nephele überdrüssig. Er trennt sich von ihr und nimmt Ino, die Tochter des Kadmos als neue Frau. Diese will sich ihres Stiefsohnes entledigen, weil ihr ein eigener Sohn als Thronfolger vorschwebt. Nephele merkt , dass ihre Kinder - Tochter Helle und Thronanwärter Phrixos in Gefahr sind. Sie bittet die Götter um Hilfe. Nun tritt der legendäre Widder mit dem Goldfell in Aktion. Er nimmt die beiden auf seinen Rücken, steigt in die Luft auf und fliegt mit ihnen gen Osten. Als er die Meerenge Europa/Asien überquert, rutscht Helle von seinem Rücken und fällt ins Wasser. Phrixos aber bringt er sicher nach Kolchis, einem Land am Schwarzen Meer, das von König Aietes regiert wird, wo er gastfreundlich aufgenommen wird. Aus Dankbarkeit, dass die Götter sein Leben bewahrt haben, opfert man Chrysomeles im Tempel des Zeus. König Aietes erhält das abgezogene goldene Fell des Widders und lässt es in einem heiligen Hain aufhängen und Tag und Nacht bewachen. Es wird zum Goldenen Vlies.

Die Sage – nüchtern betrachtet

Es stellt sich die Frage: Wie erhielt der Widder sein Goldfell? Georgische und deutsche Forscher entdeckten vor einigen Jahren südwestlich der georgischen Hauptstadt Tiflis das älteste bislang bekannte Goldbergwerk der Welt. Bereits vor 5.000 Jahren wurde dort Gold abgebaut. Beleg dafür sind die zahllosen Objekte aus Gold in den Museen des Landes. Allerdings ist die Erkundung und Ausbeutung von Goldlagerstätten schwierig. Oft muss in großen Tiefen und engen Stollen gearbeitet werden, und die Gesteine enthalten einen nur sehr geringen Anteil des Edelmetalls. Eine andere Technik der Goldgewinnung ist das Goldwaschen, nur ist es eine mühsame Angelegenheit. Am besten sind die Erträge beim Goldwaschen bei Partikeln von etwa Sandkorngröße aufwärts. Winzige Goldflitter dagegen schweben einfach im Wasser und sind kaum zu fassen. 200.000 bis 300.000 Goldflitter zusammen wiegen oft nur ein einziges Gramm.

An dieser Stelle kommt das goldene Fell wieder ins Spiel: Die Bevölkerung des antiken Kolchis legte dicke Schafsfelle ins Wasser, um so den Sand aufzufangen, an dem auch der feine Goldstaub haftet. Die Sage um das Goldene Vlies endet damit, dass es von den Argonauten - die Elite altgriechischer Helden - geraubt wurde und nach Iolkos gebracht und Pelias übergeben wurde, dem Sohn Poseidons.