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Das personelle Umfeld des Stauferkaisers Heinrich VI.


Wurde das zwiespältige Bild, welches die Geschichte von Heinrich VI. zeichnet, durch sein Umfeld bestimmt?

Da der Kaiser während seiner Abwesenheit in Deutschland die Verwaltungsaufgaben für den entsprechenden Landesteil an Dritte delegierte, ist das Umfeld eines Herrschers im Hinblick auf mögliche politische Einflussnahme durch die betreffenden Personen von historischem Interesse. Heinrich VI. Ist aufgrund seiner zwiespältigen Betrachtungsweise durch Dritte von besonderem Interesse für die Forschung.

Das Umfeld des Kaisers im Allgemeinen

Insgesamt können über 500 Personen im Umkreis des Kaisers namhaft gemacht werden. In circa 70 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um Personen, die nicht öfter als ein- oder zweimal in der Nähe des Kaisers nachweisbar sind. Sie tauchen in den Zeugenlisten auf und verschwinden wieder. Etwa 20 Prozent der Zeugen sind öfter als ein- oder zweimal beim Kaiser nachweisbar, ohne dass man von einem kontinuierlichen, über Jahre andauernden engen Kontakt zur Reichsspitze sprechen könnte. Nur bei etwa 10 Prozent der Personen, die aus den Zeugenlisten namentlich bekannt sind, lässt sich eine länger dauernde, intensivere Beziehung zu Heinrich VI. feststellen. Innerhalb des engeren Kreises um Heinrich gab es noch einmal eine handvoll Personen, welche um ein Vielfaches häufiger als Zeugen am Hof zu finden sind als alle anderen.

Kuno von Münzberg


Kuno von Münzberg gehörte zu Heinrichs Reichsministerialen. Kuno starb 1207. Er ist am häufigsten in den Urkunden von Heinrich VI. als Zeuge benannt, vielfach begleitete er den Kaiser bei wichtigen Anlässen, z.B. bei Hoftagen in Worms. Ferner war er im März 1192 beim Kaiser in Hagenau. Am 29. Dezember 1191 beteilligte Kuno von Münzberg sich in Hagenau an der Fällung eines Rechtsspruchs. Er war zudem beim Hoftag 1193 in Regensburg zugegen. Weitere Vertraute Heinrichs waren Robert von Durne, Hinrich von Kaiserslautern, Markward von Annweiler, Heinrich von Kalden, Bischof Konrad von Hildesheim, Burggraf Friedrich I. von Nürnberg, Otto von Burgund (Bruder Heinrich VI.) und Philipp von Schwaben, der ebenfalls ein Bruder von Heinrich war.

Heinrich von Worms

Bereits wenige Wochen nach der Eheschließung Heinrichs VI. mit Konstanze von Sizilien und kurz nach dessen Krönung zum König von Italien, 1186 in Mailand, fertigte der spätere Bischof Heinrich von Worms eine Urkunde des jungen Königs aus. Bischof Heinrich hielt sich meistens im Umkreis des späteren Kaisers Heinrich VI. auf. Anfang 1192 wurde Heinrich durch kaiserlichen Einfluss zum Bischof von Worms gewählt. Im Mai 1192 begrüßte der neue Bischof den Kaiser erstmals zu einem großen Hoftag in Worms. Von hier aus gab der Bischof Heinrich VI. das Geleit über Gelnhausen nach Würzburg und bis nach Wimpfen. Bereits im August 1192 fand erneut ein Hoftag in Worms statt. Im Oktober/November 1192 folgte Heinrich dem Kaiser nach Thüringen. Bischof Heinrich von Worms galt als enger Berater des Kaisers. Der Bischof beriet Heinrich VI. auch bezüglich des geplanten Kreuzzugs auf dem Hoftag im Dezember 1195 in Worms. Bischof Heinrich zog auch mit dem Kaiser nach Italien. Am 5. Juni 1191 taucht Bischof Heinrich in einem Herrscherdiplom vor Neapel auf. Heinrich war in Italien zugegen, als Konstanze 1191 gefangen genommen wurde. Zu Zeiten Barbarossas unterstand die Wormser Dombauschule dem Vorgänger Bischof Heinrichs, nämlich Konrad I. Auch dieser Bischof gehörte zum engeren Beraterkreis des jeweiligen Kaisers.

Konrad, Pfalzgraf bei Rhein

Konrad war der einzige Vertreter der Barbarossa-Generation, der die Regierungszeit Heinrichs VI. zu großen Teilen noch miterlebte und vor allem auch mitgestaltete. Schon beim ersten Hoftag des Königs nach dem Aufbruch Friedrichs I., 1189 in Würzburg, war Konrad anwesend. Am 01. Februar 1190 bezeugte er eine königliche Verfügung in Wimpfen. Im Juli 1191 begleitete er Heinrich VI. auf seinem Weg über Frankfurt und Kaiserslautern bis nach Wimpfen. Konrad war bei vielen wichtigen Beratungen des Kaisers beteiligt. Im März 1193 nahm er an den Verhandlungen mit Richard Löwenherz auf dem Speyer Hoftag teil. Auch nahm er mit Heinrich VI. im Juni 1193 an dem Wormser Hoftag teil. Konrad galt dem Kaiser als treuer Verbündeter und wohl auch wichtiger Ratgeber.

Markward von Annweiler

Markward von Annweiler, Reichstruchseß galt als sehr enger Berater des Kaisers. Dies kommt u.a. darin zum Ausdruck, dass Heinrich VI. Markward von Annweiler zum Vollstrecker seines Testaments bestimmt hat. Er begegnet in Urkunden als „dapifer regis“, ein Amt, welches er bereits seit der Schwertleite des Kaisers innehatte. Markward von Annweiler galt bereits Barbarossa als enger Vertrauter und war auch auf dessen letzten Kreuzzug zugegen. In Urkunden des selbstständig regierenden Kaisers, Heinrichs VI. taucht der Reichstruchseß erstmals Anfang 1192 in Hagenau auf. Im weiteren begegnet er bis zum Tode des Kaisers oft in Urkunden als Zeuge.