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Der Bezug des Bischofs zur Bevölkerung in merowingischer Zeit


Die entscheidende Rolle des Geistlichen lag in der Vermittlung zwischen König und Volk. Der Herrscher jedoch hatte das letzte Wort in der Bischofswahl.

Neben seinen geistlichen Aufgaben wurde der Bischof zunehmend zum Vermittler zwischen fränkischem Herrscher und Bevölkerung herangezogen. Er nahm eine Art Sprecherrolle der Bevölkerung gegenüber dem König ein. Auch mussten Bischöfe unpopuläre Maßnahmen des Herrschers dem Volk vermitteln. Durch ihre Funktion als Zwischeninstanz konnten die Bischöfe auch oftmals eine Milderung von königlichen Maßnahmen für die merowingische Bevölkerung erreichen. Beispielsweise wurde versucht, übertriebenen Steuerforderungen des Königs Einhalt zu gebieten. Ein Nachteil ihrer Position war, dass sie oftmals bei Unruhen in der Bevölkerung zur Rechenschaft gezogen wurden.

Der Bischof als Sprachrohr der städtischen Bevölkerung

Diese Stellung des Bischofs gegenüber Herrscher und Bevölkerung macht deutlich, dass die Person des Bischofs als politischer Vermittler extreme Wichtigkeit für den König verkörperte. Somit war es bedeutend für ihn, die geeignete Vertrauensperson als Bischof zu erheben. Entsprechend nahm er Einfluss bei der Bischofswahl. Es kam ihm darauf an, sowohl eine Person seines Vertrauens als auch seiner Ergebenheit zu ernennen, denn zunehmende Bedeutung des Bischofs auch in weltlicher Hinsicht sowie dessen Aufgabenbereiche gab ihm den Anlass.

Soziale Aufgaben des Bischofs


Vor allem Pflichten sozialer Fürsorge gegenüber Armen waren die Aufgaben des Bischofs. Dazu gehörte die Verteilung von Kleidung, Speisen und Zuteilung von Geld. Ebenso kümmerte sich der Bischof um Witwen, Waisen, Kranke, Pilger, Flüchtlinge und Gefangene. Besonders bei Gefangenen setzte sich der Bischof um deren Befreiung ein. Damit diese Angelegenheiten, die zur Aufrechterhaltung des Stadtlebens beitrugen, in den richtigen Händen lag, nahm der Herrscher Einfluss auf die Bischofswahl. Dabei setzte er oft persönliche Bezugspersonen oder weltliche Herrscher ein, die bereits Erfahrung in sozialen Angelegenheiten hatten. Auch die wirtschaftliche Funktion einer Stadt oblag dem Bischof, wofür dem Bischof vom König mitunter Geldmittel zur Verfügung gestellt wurden. Dies wurde beispielsweise durch König Theudebert I. so gehandhabt. Für seine Leistungen erhielt der Bischof eine Art Gegenleistung, was sich beispielsweise in der Verleihung von Immunitätsprivilegien deutlich machte. Dabei handelte es sich um eine Art Steuerbefreiung.

Politisches Verhalten des Bischofs

Ein Bischof konnte sich durch bestimmtes politisches Verhalten eine Belohnung des Königs einholen. Dies kann am besten anhand eines Beispiels dargestellt werden. Zur Herrschaftszeit des Childeberts I. war Abt Domnolus Vorsteher des Laurentiusklosters in Paris und damit im Herrschaftsbereich Childeberts. Domnolus brach aber das Vertrauen seines Königs, indem er Spione des Chlotar I. (Bruder Childeberts) vor Childebert versteckte. Aus diesem Grund wollte sich König Chlothar bedanken, indem er Domnolus das freigewordene Bistum von Avignon anbot. Doch dieser zog es vor, den König um das Bistum Le Mans zu bitten, was ihm später zugestanden wurde. Es wird deutlich, dass Bischöfe durchaus durch politische Aktionen und opportunistische Haltung die Gunst des Königs erreichen konnten.

Der Aspekt der Taufe

Ein zwar weniger wichtiger, aber sehr interessanter Punkt ist die Taufe der Merowinger durch die Bischöfe. Bei diesem Aspekt handelt es sich weniger um die Bischofserhebung, als um die Wahl der Bischöfe, die zur Taufe herangezogen wurden.

Die Taufe hatte im Merowingerreich eine weitaus wichtigere Bedeutung als nur die sakrale. Es ging nicht nur um kirchliche Belange, sondern um den Wunsch der Königsfamilien nach Herrschafts- und Lebenssicherung. Dies erhofften sich die Merowinger nämlich aus der Spendung der Taufe. Sie wurde als göttliches und überirdisches Moment betrachtet, das das Geschlecht vor dem Aussterben schützen, die Nachkommen und die Herrschaft sichern sollte. Entscheidend dabei war allerdings auch die Wahl des Täufers, denn ein erfolgreiches und glückliches Leben führte man oft auf den Taufpriester zurück, wenn diesem eine nachwirkende Segenskraft nachgesagt wurde. Beispielsweise wurde behauptet, Chlotar habe die Macht über seine drei Teilreiche nur aufgrund der Segensmacht seines Täufers Faro von Meaux erreichen können. Die Auswahl des Taufbischofs war also von entscheidender Bedeutung für die Merowinger. So lässt Childebert II. seinen Sohn Theuderich von Bischof Veranus von Cavaillon taufen, da ihm große Wunderkräfte nachgesagt wurden.