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Der Kreuzzug Barbarossas – Strapazen einer Reise im Mittelalter


Wer sich im Mittelalter auf Reisen begab – freiwillig oder unfreiwillig, allein oder in Gruppen, aus privaten, wirtschaftlichen, kirchlich-religiösen oder politisch-militärischen Gründen -, hatte mit einer beschwerlichen und gefahrvollen Unternehmung zu rechnen, die ihn tage-, wenn nicht sogar wochen- oder monatelang von seinem Heimatort fortführen würde.

Die Mehrheit der Reisenden war zu Fuß unterwegs. Aber auch wer über ein Reittier verfügte, war in seiner Reisegeschwindigkeit von der Belastbarkeit des Tieres abhängig. Unwegsames Gelände, klimatische Veränderungen sowie Gefahren, die von Menschen und wilden Tieren ausgehen konnten, kamen hinzu.

Kürzere Reisen auf bekannten Wegen – etwa zu einem benachbarten Markt – waren überschaubar. Anders sah es bei Fernreisen von Kaufleuten, Forschungsreisenden, Pilgern oder Kreuzfahrern aus. Welchen Strapazen ein Kreuzfahrerheer ausgesetzt war, das sich der Rückeroberung Jerusalems verpflichtet hatte, erfahren wir eindrucksvoll aus dem Bericht eines Teilnehmers an dem von Kaiser Friedrich Barbarossa geführten Kreuzzug, der sich Ansbert nennt.

Aufbruch des Heeres

Nachdem neben der Hafenstadt Akkon 1187 auch Jerusalem in die Hände des Sultans Saladin gefallen war, rief Papst Gregor VIII. zum Kreuzzug auf. Doch erst nach einer intensiven Vorbereitungszeit von mehr als anderthalb Jahren brach das Heer Barbarossas am 10. Mai 1189 von Regensburg aus zu einem politisch-militärischen Großunternehmen auf.

Aus Kostengründen war der Landweg gewählt worden, der das Heer von seinem Ausgangspunkt Regensburg entlang der Donau durch Ungarn und das byzantinische Reich bis zum Hellespont und auf asiatischer Seite durch das anatolische Hochland nach Tripolis, Akkon und schließlich Jerusalem führen sollte – eine Strecke von etwa 2.700 km Luftlinie!


Die Größe des Heeres ist nur zu schätzen. Realistischerweise kann man von etwa 12.000 – 15.000 Kreuzfahrern ausgehen, von denen Ansbert namentlich etliche Bischöfe, Markgrafen, Grafen und andere Freie nennt, die zusammen mit dem Kaiser und seinem Sohn Friedrich, dem Herzog von Schwaben, das Kreuz genommen hatten.

Finanziell war das Heer gut ausgerüstet, da jeder Kreuzfahrer verpflichtet war, für seine Kosten während des Zuges selbst auszukommen, was allerdings nicht verhindern konnte, dass sich nach und nach ärmere Teilnehmer dem Kreuzheer anschlossen, die nicht nur für die Versorgungslage, sondern auch im Falle kriegerischer Auseinandersetzungen eine zusätzliche Belastung darstellten.

Durch Ungarn und das Byzantinische Reich

Der erste Teil der Reise durch Ungarn verlief unproblematisch. Ansbert berichtet, dass der König von Ungarn, Bela III., „den Herrn Kaiser und das ganze Heer mit festlicher Freude“ empfing. Diese Annehmlichkeiten waren allerdings nicht von Dauer. Sobald das Heer sich mit dem Kaiser, der mit einigen Fürsten per Schiff donauabwärts gefahren war, auf byzantinischem Boden wieder vereinigt hatte, änderte sich die Situation für das Kreuzfahrerheer grundlegend. Der Weg führte nun durch den zu Recht gefürchteten „Bulgarenwald“.

Zwei Monate lang war das Heer weitgehend unbehelligt gewandert. Von nun an gehörten Überfälle aus dem Hinterhalt, nächtliche Angriffe auf das Lager und Straßenblockaden zu den täglichen Erfahrungen, denen sich die Kreuzfahrer ausgesetzt sahen.

Ansbert macht vornehmlich den oströmischen Kaiser für alles Ungemach, das ihnen widerfuhr, verantwortlich. Empört berichtet er, dass „täglich unsere Futterknechte scharenweise abgeschlachtet wurden, immer wieder Räubertrupps aus den griechischen Verbänden ausbrachen, unsere Pferde stahlen und die Wagen plünderten“. Entsprechend erbittert und rücksichtslos verhielten sich die Kreuzfahrer bei der Beschaffung von Versorgungsgütern gegenüber der Bevölkerung. Selbst Ansbert räumt Gier und Missbrauch in den eigenen Reihen ein.

Auf asiatischem Gebiet

Mit einem bereits dezimierten Heer gelangte der Kaiser Ende November nach Adrianopel. Aber erst im März 1190 standen die für die Überfahrt erforderlichen Schiffe zur Verfügung, so dass das Heer den Hellespont überqueren konnte.

Verglichen mit dem, was das Heer Barbarossa auf asiatischer Seite in den nächsten Wochen und Monaten zu erleiden hatte, waren alle bisherigen Widrigkeiten als eher harmlos anzusehen. Die Kreuzfahrer bewegten sich jetzt in einem Raum, dessen klimatische Bedingungen ihnen fremd waren. Hitze und Dürre machten ihnen zu schaffen. In manchen Gegenden gab es – wie Ansbert berichtet – „kein Gras, keinen Halm, kein Blatt, so dass sehr viele Tiere eingingen“. Zudem marschierten diejenigen, die über eine Rüstung verfügten, „in diesen zwanzig Tagen ununterbrochen in voller Rüstung“.

Die in ihrer Rüstung kämpfenden Ritter hatten es nunmehr mit einer Kampftechnik zu tun, die ihnen nicht vertraut war. Statt in geschlossenen Formationen zu kämpfen, griffen turkmenische Reiternomaden das Heer immer wieder schnell und überraschend aus dem Hinterhalt an. Ansbert empört sich über die „Heimtücke der Türken“, berichtet aber auch ohne Gewissensbisse, dass „mehrere Türken mit ihren Frauen und Kindern grausam niedergemetzelt wurden“.

Nahrung beschafft sich das Heer bedenkenlos, wann und wo immer sich Gelegenheit dazu ergibt. Dennoch war der Hunger „grausamer als jeder Feind und wütete im Heer so sehr, dass… das Fleisch von Pferden und Maultieren als Delikatesse galt“.

Erschöpfung, Krankheiten und Tod des Kaisers

Nach einer offenen Feldschlacht Mitte Mai 1190, in der das Kreuzheer überlegen war und – wie Ansbert in maßloser Übertreibung schreibt – 30.000 Türken in die Flucht geschlagen wurden, hatten die meisten Ritter ihre Pferde verloren. Nur noch etwa 600 Berittene wurden gezählt.

Der Durst, den Menschen und Tiere litten, war nahezu unerträglich geworden, als der schwierige Marschweg über das Taurusgebirge bevorstand, der das Heer wieder auf christlichen Boden führen sollte. Während aber das Heer, so Ansbert, „auf beschwerlichem Weg und über Felsklippen … dazu noch in der Glut der Sommersonne“ sich durchzukämpfen versuchte, entschied sich der Kaiser, über den Saleph zu schwimmen.

Am 10. Juni 1190, nach einem 13-monatigen Marsch unter unvorstellbaren Strapazen, ertrank Kaiser Friedrich Barbarossa in einem kleinen Gebirgsfluss. Die Erschütterung unter den Kreuzfahrern über den Tod ihres Kaisers war so groß, dass wohl auch an Umkehr gedacht wurde. Dennoch wurde beschlossen, den Weg unter Führung des kaiserlichen Sohnes, Friedrich, fortzusetzen. Doch er erkrankte an Malaria und musste vorerst zurückbleiben.

Das Ende der Kreuzfahrt

Auch das Heer war inzwischen so geschwächt, dass es in Antiochia einer Ruhrepidemie zum Opfer fiel. „Wer das große Sterben miterlebte“, so Ansbert, hätte glauben können, „damals wäre die irdische Welt an ihrem Ende angelangt“.

Nicht die irdische Welt, wohl aber der Kreuzzug war an seinem Ende angelangt. Erst im August konnte Friedrich wieder von Antiochia aufbrechen. Inzwischen zählte das einst stattliche Heer nur noch etwas 1000 Mann. Noch 400 km waren bis Akkon zu bewältigen. Auch auf diesem Weg werden die Kreuzfahrer immer wieder von den Truppen Saladins angegriffen.

Als drei Schiffe der Flotte, die die Kreuzfahrer gewählt hatten, um weiteren Überfällen zu entgehen, in einen Sturm gerieten und sanken, war der Kreuzzug endgültig gescheitert. Nur wenige Kreuzritter kehrten in ihre Heimat zurück.