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Der Werdegang eines Ritters im Mittelalter


Wenn wir an einen Ritter denken, sehen wir meist einen mittelalterlichen Ritter hoch zu Ross in voller Rüstung und mit Schwert oder Lanze bewaffnet vor uns. Doch bereits das Römische Reich kannte erste Ritter. Diese wurden als „Eques“ bezeichnet, was, wie auch das auf die Bezeichnung Ritter hinführende mitteldeutsche Wort „riddare“, soviel wie Reiter bedeutet. Ab dem 8. Jahrhundert entstanden dann die eigentlichen Ritter des Mittelalters, wie wir sie kennen.

Voraussetzungen für den Ritterstand

Obwohl es sich beim Ritter um eine Art Berufsstand handelt, hatte keineswegs jeder Bürger des Mittelalters die Möglichkeit diesen Lehrgang auf sich zu nehmen und anschliessend den Ritterschlag zu erhalten. So findet sich in den im Jahre 1186 n. Chr. verfassten Bestimmungen des Kaisers Friedrich I. den Vermerk, dass die Söhne von Geistlichen und Bauern davon ausgeschlossen waren, die Ritterwürde zu erhalten. Doch nicht nur dies war wohl der Grund, weshalb ein Ritter meist aus der höheren Bevölkerungsschicht stammte. Der Werdegang eines Ritters und vor allem das anschliessende Sein als Ritter war durch den Unterhalt von Pferd, Rüstung, Verpflegung und den in diesem Stand beinahe unumgänglichen Bediensteten, eine äusserst kostspielige Angelegenheit. Nur wer die nötigen finanziellen Mittel mitbrachte, konnte als Knappe die Lehre zum künftigen Ritter beginnen. So entstammten diese meist dem niederen Adel. Wer sich den Ritterstand nicht leisten konnte, blieb noch die Möglichkeit sich als Edelknappe zu beweisen.

Im späteren Mittelalter galt meist gar die Abstammung von adligen und ritterlichen Vorfahren als Vorraussetzung für die eigene Aufnahme in den Ritterstand. Ab dem 13. Jahrhundert wurde die Ritterwürde vom Vater auf den Sohn vererbt.


Vom Edelknaben zum Knappen - Die Ausbildung und Erziehung zum Ritter

Der eigentliche Werdegang zum Ritter dauerte viele Jahre. Die Romantik des 19. Jahrhunderts teilte ihn in Etappen von je sieben Jahren ein, die zwar im Kern den Tatsachen entsprechen, aber nie so fest gefügt waren: Bevor der werdende Ritter seine eigentliche Ausbildung als solches beginnen konnte, wurde er bereits im Elternhaus in den christlichen Werten unterrichtet. Im Alter von sieben Jahren verliess er dieses aber um in Obhut eines Adligen oder Ritters zunächst als Edelknabe (Bube oder Page) zu dienen. Hierbei genoss er eine höhere Bildung, lernte sich nach der höfischen Sitte zu benehmen, Musik, Gesang und Saitenspiel. Sowie die biblische

Geschichte und Sagen und Begebenheiten der Vorzeit.

In der Regel im vierzehnten Lebensjahr begann die Knappenzeit oder Knappschaft bei einem erfahrenen Ritter. Dieser unterrichtete den Jüngling im Schwimmen, Faustkampf, Ringen, dem Umgang mit Bogen und Armbrust, der Jagt und natürlich dem Kampf zu Pferd. Doch wurde beim Lehrgang zum Ritter nicht nur auf Körperbeherrschung und Mut geachtet, sondern auch weiterhin galt es dem Knappen ein hohes Ideal an Benehmen und Wissen zu vermitteln. Ein Ritter hatte nicht nur gut zu kämpfen und reiten, sondern sich auch im Tanz und dem Gespräch mit einer Dame vornehm benehmen zu können.

Die Erhebung in den Ritterstand durch Schwertleite oder Ritterschlag

Im frühen Mittelalter wurde der Knappe mit etwa 21 Jahren ohne grosse Feierlichkeiten in den Kreis der Ritter aufgenommen. Ab dem 12. Jahrhundert ist die zeremonielle Schwertleite belegt, welche ihren Ursprung in der Germanischen Tradition hat. Als Teil dieser nahm der Knappe am Vorabend ein Bad um sich von seinen Sünden rein zu waschen und hielt dann Nachtwache in der Kappelle. Bei der eigentlichen Schwertleite wurde ihm die Ritterrüstung angelegt und meist von einem mächtigen Würdenträger das geweihte Schwert übergeben. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts kam zunehmend der Ritterschlag auf. Dieser erfolgte Anfangs als Promotion am Rande des Schlachtfeldes, wenn sich ein Kämpfer durch überragende Tapferkeit hervorgetan hatte. Im Laufe des 14. Jahrhunderts löste der einfachere Ritterschlag die Schwertleite ab. Fortan war der junge Ritter dazu verpflichtet den christlichen Glauben, die Kirche, die Schwachen und die Armen zu schützen und zu verteidigen.