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Die ersten beiden Kreuzzüge


Mitte des 11. Jahrhunderts geriet das gelobte Land vollends in muslimische Hand. Mit Kreuzzügen wollte die Kirche es wieder zurück erobern.

In vielen Filmen werden die Kreuzzüge glorifiziert dargestellt, ohne jedoch den historischen Hintergrund zu beleuchten oder die Geschichte der Kreuzzüge genauer darzustellen. Die Kreuzzüge waren eine bedeutende Epoche in der christlichen Kultur des Abendlandes sowie Palästinas und Jerusalems. Wie kam es zu den Kreuzzügen?

Auslöser der Kreuzzüge

Türkische Seldschuken hatten sich Mitte des 11. Jahrhunderts zu Herren des Kalifats, Herrscher über die islamische Gesamtgemeinde seit Mohammeds Tod, gemacht. Sie erobertern Kleinasien und Palästina. Dies versetzte die Christen in ganz Europa in Unruhe, weil damit Moslems über die heiligen christlichen Stätten, insbesondere Jerusalem, herrschten. Auf dem Konzil von Clermont berichtete Papst Urban II. an die Konzilteilnehmer über die Missstände im heiligen Land und rief zur Befreiung des gelobten Landes auf. Nun setzte eine Bewegung ein, die es so noch nicht gegeben hatte. Wanderprediger, Adlige, Kardinäle und alle Teilnehmer des Konzils verbreiteten die Forderung des Papstes.


Der Kreuzzug der Bauern (1096)

Der Aufruf Papst Urbans II. verbreitete sich sehr schnell in ganz Europa. Alle Gesellschaftsschichten wurden zur Teilnahme an Kreuzzügen aufgerufen. Wanderprediger wie Peter von Amiens waren es, die von Dorf zu Dorf zogen und die einfachen Bauern zum Kampf aufriefen. Diese waren Leibeigene der Adligen und hatten vielfach nichts zu verlieren. Sie verkauften ihre ganze Habe und schlossen sich den Kreuzzügen an. Die Anführer dieses ersten Kreuzzuges waren die beiden Wanderprediger Peter von Amiens und Walter der Arme. Beide zogen mit ihren Armeen Richtung Ungarn und Konstantinopel. Auf dem langen Weg dorthin schlossen sich auch viele Diebe und Räuber an.

So kam es, dass sie zunehmend plündernd und mordend durch die Gegend zogen. Hauptsächlich die ungeliebten Juden waren die Leidtragenden dieser Ausschreitungen. Vielerorts wehrten sich die Adligen und so kam es immer wieder zu Kämpfen. Der Kaiser Alexios von Konstantinopel wollte diese gewalttätige Bauernhorden rasch loswerden und setzte sie mit seinen Schiffen über den Bosperus, damit sie Konstaniopel in Ruhe ließen. Dort kam es zu Kämpfen mit den Türken. In der Schlacht von Nikaia (heute: Iznik) wurden die Kreuzzügler vernichtend geschlagen. Die Türken schonten die Eindringlinge nicht, sondern jagten sie gnadenlos. Kaiser Alexios erbarmte sich der Überlebenden und holte diese nach Konstantinopel zurück. Somit endete der erste Kreuzzug der Bauern mit Blut und Grausamkeit.

Der erste Kreuzzug der Ritter (1097 - 1099)

Die Heere der fränkischen und normannischen Prinzen bildeten den ersten Kreuzzug der Ritter. Im Gegensatz zu dem Bauernkreuzzug erreichte diese Armee von ca. 80.000 Mann Konstantinopel geordnet und ohne Plünderungen. Der Oströmische König Alexios versorgte die Armee mit Lebensmitteln und setzt sie über nach Kleinasien. Dort erzielten sie erste Erfolge gegen die Muslime und setzten ihren Weg fort. Den ersten größeren Erfolg erzielten sie bei der Eroberung der Stadt Edessa. Edessa wurde der er erste Kreuzfahrerstaat, dann folgte Antiochia. Hier kam es zum Streit zwischen den Anführer der Kreuzritter, und Bohemund von Tarent gründete in Antiochia den zweiten Kreuzfahrerstaat. Das Heer der Kreuzritter war nun erheblich dezimiert. Die reduzierte Kreuzritterarmee marschierte weiter und erreichte schließlich Jerusalem. Nach langer Belagerung und unter heftigen Verlusten konnten sie schließlich Jerusalem einnehmen. Blind vor Wut zogen die Kreuzritter in Rotten durch Jerusalem und ermordeten alle Muslime und Juden, auch Frauen und Kinder wurden nicht verschont. Fortan durften nur Christen in Jerusalem leben.

Die Kreuzfahrerstaaten

Der Erfolg der Kreuzritter wurde durch die Uneinigkeit der Muslims erheblich erleichtert. Die Gesamtheit der Muslime zerfiel in verschiedene Konfessionen, Sunniten, Schiiten und andere, die sich gegenseitig bekämpften. Die Kreuzritter begannen nun ihre Position durch weitere Eroberungen auszubauen. In den folgenden 12 Jahren besetzten sie Judäa, Samaria, Galiläa und einen Großteil jenseits des Jordans. Das christliche Königreich von Jerusalem erstreckte sich nun von Beirut im Norden bis nach Akaba am Roten Meer. Die Kreuzfahrerstaaten entlang der Mittelmeerküste bestanden aus dem Königreich Jerusalem, der Grafschaft Tripolis, dem Fürstentum Antiochia und der Grafschaft Edessa.

Nach der Eroberung durch die Ritter zogen Künstler, Händler und Handwerker in die Städte und die Kreuzritter versuchten die christliche Kultur von Europa zu etablieren. Letztendlich misslang dieses Vorhaben; die jüdische und muslimische Kultur war der christlichen Kultur in weiten Teilen überlegen, insbesondere der Medizin, der Philosophie und der Bildung. Die Kreuzritter passten sich auch zunehmend den Gebräuchen der dortigen Bevölkerung an, da diese sich als vorteilhaft erwies.

Gegen Mitte des 12. Jahrhunderts wurden die muslimischen Armeen wieder stärker und die Blüte der Kreuzfahrerstaaten kam zum erliegen.