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Die Münchner Arbeitslosenfürsorge im Ersten Weltkrieg


Der Kriegsbeginn 1914 hatte eine stark ansteigende Arbeitslosigkeit und große soziale Not zur Folge, die den Münchner Stadtmagistrat dazu bewog, mit den "Bestimmungen über die Kriegsarbeitslosenunterstützung" vom 1. Dezember 1914 die kommunalen Leistungen für Arbeitslose neu zu regeln.


Formale Voraussetzungen für die Unterstützungsleistung

Arbeitslosenunterstützung erhielten alle Arbeiter sowie technische und kaufmännische Angestellte, die kriegsbedingt hilfsbedürftig geworden waren, sofern sie seit dem 1. Januar 1914 ihren Wohnsitz in München hatten und einer regelmäßigen entlohnungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen waren. Arbeitslose, die bereits anderweitig Leistungen wie Renten, Pensionen oder Krankengeld bezogen, waren von der kommunalen Arbeitslosenunterstützung ausgeschlossen. Gleiches galt für Jugendliche unter sechzehn Jahren und sporadisch Erwerbstätige.

Die Unterstützungsleistung beinhaltete Naturalien, Geld und einen Mietzuschuss. Für Alleinstehende betrug sie wöchentlich 1 Mark, für ein kinderloses Ehepaar 3 Mark. Zusätzlich gab es Naturalleistungen in Form von Lebensmitteln. So erhielten Alleinstehende täglich einen halben Liter Milch, ein halbes Pfund Brot sowie ab Dezember 1914 eine Essensportion in der städtischen Volksspeisung. Familien mit Kindern kamen in den Genuss zusätzlicher Naturalleistungen und erhielten eine höhere finanzielle Unterstützung.

Die tägliche Meldung beim städtischen Arbeitsamt

Um überhaupt Leistungen der ab Januar 1915 vom Reich mitfinanzierten "Kriegsarbeitslosenunterstützung" zu erhalten, mussten sich Arbeitslose beim städtischen Arbeitsamt als arbeitssuchend registrieren lassen und dort täglich vorstellig werden. Prinzipiell war der Arbeitslose verpflichtet, jede ihm vom städtischen Arbeitsamt zugewiesene Arbeit anzunehmen, die seiner aktuellen Leistungsfähigkeit entsprach und regulär entlohnt wurde. Unverheirateten Arbeitslosen konnte darüber hinaus auch Arbeit außerhalb von München zugewiesen werden.

Obwohl der Krieg im Hinblick auf Arbeitslosigkeit und soziale Not für viele Münchner Bürger und Bürgerinnen eine extreme Ausnahmesituation geschaffen hatte, bestand nach wie vor kein Rechtsanspruch auf die Gewährung einer kommunalen Arbeitslosenunterstützung. Die Arbeitslosen befanden sich damit in einer rechtlich weitgehend ungesicherten Lage und waren auf das Wohlwollen der städtischen Verwaltung angewiesen.

Die Unterstützung in der Inflationszeit

Im April 1916 erließ der Münchner Stadtmagistrat eine "Satzung zur Kriegserwerbslosenfürsorge", durch die die Unterstützungsleistungen für Arbeitslose deutlich angehoben wurden. Inzwischen machten sich immer stärker kriegsbedingte Inflationstendenzen bemerkbar, die die Lebenshaltungskosten nach oben schnellen ließen. Alleinstehende erhielten nun 4 Mark pro Woche, Ehepaare 7 Mark und Kinder 1 Mark. Dazu kamen die üblichen Mietzuschüsse. Aus Mitteln der Kriegswohlfahrtspflege wurden Sachleistungen in Form von Speisemarken für die städtischen Volksküchen sowie Milch- und Brotgutscheine gewährt. Pro Person gab es wöchentlich 3 Pfund Schwarzbrot. Neben Arbeitslosen konnten erstmals auch selbstständige notleidende Gewerbetreibende und Angehörige der freien Berufe Leistungen der kommunalen Arbeitslosenfürsorge erhalten.

Die Kosten für die Stadt München

Die Stadt München musste in der Zeit von Dezember 1914 bis April 1916 rund 123.000 Mark Barunterstützung für Arbeitslose aufwenden. Dazu kamen ca. 83.000 Mark für Brotkarten und 78.000 Mark für Milchkarten. Die Kosten für Mietzuschüsse beliefen sich für die Stadt auf mehr als 109.000 Mark.

Die Kriegserwerbslosenfürsorge wurde während des gesamten Ersten Weltkriegs beibehalten, obwohl sie nach dem Inkrafttreten des "Vaterländischen Hilfsdienstgesetzes" vom Dezember 1916 und der damit einhergehenden Unterbringung eines Großteils der männlichen Arbeitslosen weit weniger in Anspruch genommen wurde.