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Die skandinavische Wikingerzeit


Denkt man heute an den Wikinger, kommt einem zuerst das Bild eines plündernden Seeräubers in den Sinn. Tatsächlich leitet sich das deutsche Wort „Wikinger“ vom altnordischen „víkingr“ ab, was etwa „Seekrieger auf weiter Fahrt“ bedeutet. Woher nun allerdings dieses Wort stammt, ist noch weitgehend uneinheitlich geklärt, es gibt verschiedene Theorien, von denen folgende am plausibelsten erscheint: „Víkingr“ geht auf „víka“ zurück, was heute im Deutschen „Woche“ bedeutet, im skandinavischen allerdings auch eine räumliche Bedeutung hat. „Víka“ ist eine Strecke, die eine Rudermannschaft ohne Wechsel rudern kann. Ein „víkingr“ scheint so ein Schichtruderer der Wikingerschiffe zu sein.

Seeräuber waren schon seit der Bronzezeit bekannt und dienten den Wikingern als grobes Vorbild. Für den Beginn der Wikingerzeit gab es mehrere Gründe:

Überbevölkerung, die zu Lebensmittelknappheit, zu Unzufriedenheit und zur Auswanderung beziehungsweise zur Selbstbeschaffung der Nahrung oder des Geldes führte

Freiheitsliebe und Abenteuerlust

das skandinavische Erbrecht (Primogenitur: Der Älteste erbt, den Jüngeren bleibt Arbeiten oder Plündern)

allgemeine Handelszunahme und Prestige: Je mehr gehandelt wurde, desto höher konnte die Beute ausfallen. Außerdem musste ein junger skandinavischer Mann einmal um die Welt gefahren sein.

Der offizielle Beginn der Wikingerzeit wird heute auf das Jahr 793 datiert, als im Juni der Überfall auf das Kloster Lindisfarne auf der gleichnamigen Insel vor der Nordostküste Englands stattfand. Die folgenden Jahre verliefen zunächst ruhig, erst ab etwa 820 nahmen die Plünderungsfahrten stark zu.

Höhepunkte der Wikingerzeit


Nachdem die Wikinger die ersten Jahre an Küsten, Ufern und auf Inseln geplündert haben und regelmäßig zum Wintern in ihre skandinavische Heimat zurückgekehrt sind, begannen sie ab etwa 840, eigene Siedlungen in Irland (erster Wikingerhafen in Dublin) und einige Jahre später auch in England (Danelag, Wikingergebiet im Nordosten Englands) zu gründen, in denen sie schließlich auch überwinterten.

Durch die Überfälle der Wikinger sank das Vertrauen zu skandinavischen Händlern, die Handelsverhältnisse endeten jedoch nie gänzlich.

In der Hochzeit der Wikinger zogen einige bis nach Frankreich (Normannen: Wikinger, die sich etwa um 911 in der Normandie niederließen, dort sesshaft wurden und sich anpassten), andere sogar bis ins heutige Russland (Waräger/Rus: Wikinger, die im heutigen Russland Siedlungen gründeten).

Ab 870 begann die Landnahme und Besiedelung Islands, die bis 930 andauerte. Etwa 400 Familien sind bis heute als erste Siedler Islands in der sogenannten Landnámabók überliefert. Um 1000 herum galten Danelag, Irland und die Normandie als die drei großen Wikingerreiche im Westen.

Der Untergang der Wikingerherrschaft

Nach und nach stabilisierten sich die Herrschaften in Europa, sie wollten die Wikinger zurückdrängen, was erst den Engländern und einige Zeit später auch den Normannen gelang: In der Schlacht von Hastings 1066 siegten die Normannen über die Engländer, das Jahr wird als offizielles und endgültiges Ende der Wikingerzeit angesehen.

Besonders ausschlaggebend für den Untergang der Wikinger waren zudem die starken politischen, sozialen und vor allem religiösen Veränderungen in Skandinavien: Neben der Reichseinigung Norwegens, Dänemarks und später auch Schwedens wurde ganz Skandinavien allmählich christianisiert, was für eine starke Gemeinschaft und feste Reiche sorgte.

Die Christianisierung Skandinaviens

Die Christianisierung in Dänemark, Norwegen, Island und Schweden lief ganz unterschiedlich ab. Während es in Schweden besonders große Probleme und viel Widerstand gab, wurde in Island die Annahme des Christentums einfach per Thingbeschluss (Thing: Versammlung, auf einem Thing wurden Gesetze beschlossen und verkündet, Abstimmungen durchgeführt und Gerichtsverfahren abgehalten) festgesetzt.

In Dänemark wurde das Christentum als erstes angenommen, die ersten Könige ließen sich taufen und im Jahre 865 ließ sich der König Harald Blauzahn taufen und verkündete über die Jellingsteine (Runen) die Christianisierung.

In Norwegen fanden ab 940 die ersten Versuche der Christianisierung statt. Nach den zwei Bekehrerkönigen Hákon der Gute, der von seinem Volk noch zu heidnischen Opfern gezwungen wurde, und Óláf Tryggvason, der eine rigorose Christianisierungspolitik verfolgte und ebenfalls scheiterte, gelang es erst dem dritten Bekehrerkönig Ólaf Haraldsson 1030, das Christentum durchzusetzen.

Island hingegen beschloss, wie bereits erwähnt, um 1000 herum auf einem Allthing (Vollversammlung) die Annahme des Christentums. Um weiter mit England handeln zu können, mussten die Isländer christlich sein, außerdem bedeutete Island die Religion verhältnismäßig wenig.

In Schweden jedoch gab es die größten Probleme. Im zehnten Jahrhundert war Schweden noch großteils heidnisch, die Einwohner leisteten großen Widerstand und die ersten christlichen Geistlichen waren zudem von ausländischer Herkunft, was das Vertrauen in die neue Religion nicht stärkte. Wann genau das Christentum endlich die Hauptreligion war, ist nicht bekannt.

Der Wandel vom Heidentum zum Christentum dauerte in Skandinavien generell sehr lange. Noch im 16. Jahrhundert lebten in Lappland Heiden, die sich nicht so einfach bekehren ließen.