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Düte – der rauschende Flusslauf


Ortsnamen erzählen Geschichte. Die in ihnen enthaltenen Bezeichnungen geben uns Auskunft über die Beschaffenheit der Landschaft unserer Heimat zum Zeitpunkt der Namengebung, verweisen auf menschliches Siedeln, Kultivieren und Wirtschaften und verraten uns etwas über die verkehrsgeographischen oder sozialen und rechtlichen Gegebenheiten vergangener Zeiten. Oft haben diese Namen auch alte, heute nicht mehr gebräuchliche Personennamen konserviert.

Den ältesten Belegen auf der Spur

Weil die Wörter, mit denen die Ortsnamen gebildet wurden, häufig einer wesentlich älteren Sprachstufe angehören und uns heute fremd erscheinen, ist die Deutung von Ortsnamen nicht immer einfach. Hinzu kommt, dass sie sich im Laufe der Zeit durch sprachliche Prozesse wandeln können und somit ihre ursprüngliche Bedeutung in ihrer heutigen Form nicht mehr erkennbar ist. Deshalb ist die Suche nach den ältesten Belegen eines Ortsnamens unabdingbare Voraussetzung, wenn man seiner Bedeutung auf die Spur kommen möchte. Die Ergebnisse der Deutung von Ortsnamen sagen aber auch etwas über das Benennungsmotiv aus, warum ein Ort seinen Namen trägt. Mit anderen Worten: Die Deutung eines Namens legt oftmals offen, was für unsere Vorfahren einst wichtig war.


Bedeutung von Wasser

Besondere Bedeutung hatte das Wasser, das sowohl zur Trinkwasserversorgung von Mensch und Vieh notwendig war als auch zur Bewässerung der Felder oder zum Antrieb von Mühlen genutzt wurde. Auch für das Gebiet der Gemeinde Westerkappeln ist auffällig, dass hier viele Bauerschaftsnamen auf die Bezeichnungen von Wasserläufen zurückgehen. So verhält es sich auch bei den Namen Düte und Lada, die ursprünglich fließende Gewässer bezeichneten und dann auf die an diesen Wasserläufen liegenden Siedlungen übergingen. Im Falle Dütes trägt der namengebende Fluss, der entlang der Ostgrenze der Bauerschaft verläuft, bis heute den gleichen Namen. Die Düte entspringt am Hohnsberg in Bad Iburg und mündet nach einer Strecke von ca. 35 km zwischen Wersen und Halen in die Hase. Der Name der Bauerschaft Düte erscheint erstmals 1272 als „villa [Siedlung] Dhute“. Zur Deutung des Namens bietet sich ein Anschluss an das altsäschische Verb „diutian“ – in der Bedeutung „rauschen“ – an. Somit ist der Gewässername „Düte“ als „der rauschende Flusslauf“ zu deuten.

Bedeutung des Namens "Lada"

Auch hinter dem Namen Lada verbirgt sich ursprünglich die Bezeichnung für ein Gewässer. 1279 heißt die Siedlung „Letha“ (mit -th als stimmhaftem Reibelaut, wie im englischen Artikel „the“, der später zu -d wird). Als Deutungsanschluss bietet sich hier altsächsisch „ledian“ (mit langem e) in der Bedeutung „leiten“ an. Das lange -e im 1279 belegten „Letha“ ist aus germanisch -ai entstanden (vgl. die Entwicklung von germanisch „*laid-eja“ zu altsächsisch „ledian“, heute „leiten“) und wird oftmals zu einem langen -a gesenkt, d.h. dass eine Angleichung der Zungenhöhe bei der Bildung des Vokals im Mund an die tiefere Zungenstellung der nachfolgenden Konsonanten oder Vokale erfolgte. So entstand die heutige Form „Lada“. Als Bedeutung des Namens ist also eine einfache Bezeichnung „Wasserlauf, Wasserleitung“ anzusetzen. Vielleicht war „Letha“ der ursprüngliche Name des durch Lada fließenden Hischebachs, dessen Name jünger sein und sich übrigens von mittelniederdeutsch „heesche“ – „heiser“ bzw. „schwer atmend“ – ableiten dürfte, im Gegensatz zur Düte also sein leiseres Fließgeräusch für die Benennung den Ausschlag gab.