grabmaler

Die Erinnerung wachhalten: Grabmäler


Wie der Mensch mit seinen Verstorbenen umgeht, ist und war zu allen Zeiten ein Spiegel seiner Kultur. Dass Verstorbenen gedacht wird, ist uralt. Der hierfür geeignetste Ort ist seine letzte Ruhestätte. Wie diese kenntlich gemacht wird hat sich im Lauf der Jahrtausende gewandelt. Die gebräuchliche Form ist heute das Grabmal. Eine der ältesten und beeindruckensten Grabmale, wenn die Bezeichnung dafür überhaupt ausreicht, sind die ägyptischen Pyramiden. Derartige Monumente wurden nur Königen und höchsten Würdenträgern zuteil. Für höhere Beamte gab es die Mastaba (ägyptische Grabkammer). Eine Hoch-Zeit der allgemeinen Friedhofskultur geht zurück auf die Antike. Tote wurden ehrenvoll in so genannten Gräberstraßen beigesetzt. Das römische Gesetz gebot, dass keine Toten im Bereich von Wohnsiedlungen bestattet werden durften. Im Stil der Zeit waren diese Gräberstraßen mit weithin sichtbaren Tempeln und imposanten Monumenten bebaut. Zahllose kleinere, aber individuell gestaltete Grabmale erinnerten an die Toten, die entlang der Gräberstraße beigesetzt wurden. Eine der bekanntesten Gräberstraßen ist die Via Appia bei Rom.


Wie es zur Bezeichnung "Mausoleum" kam

In Kleinasien hat sich im sechsten Jahrhundert vor Christus die Form des Turmgrabes entwickelt. Dies ist eine Grabkammer auf einem hohen Steinpfeiler, versehen mit einem Relief (= über einer Fläche hervortretendes Bildwerk). Später ist dann ein hochgelegener Sarkophag von einer reliefgeschmückten steinernen Umfriedung umgeben. Aus der Vereinigung dieser beiden Grabtypen entsteht der Grabtempel auf einem hohen Sockel mit Relifschmuck. Diesem neu entstandenen Grabtyp gehörte auch das Grabmal des Königs Mausolos von Karien (+353 v.Chr.) an: das Mausoleion oder Mausoleum, das allen späteren monumentalen Grabmälern den Namen gab. Mit der Ausweitung des römischen Imperiums verbreitete sich auch die römische Friedhofskultur. Bevor man hierzulande zum Grabmal der Römer überging, waren christliche Steinsarkophage die übliche Beisetzungsart. Das Grabmal ist also nicht ursprünglich den Christen zuzurechnen. Wie bei den Römern lagen die Stätten der Beisetzungen vor den Toren der Stadt. Doch das änderte sich im Lauf der Jahrhunderte.

Die Grabmale im Mittelalter und der Neuzeit

Da in früheren Zeiten Fürbitten für die Seelen der Verstorbenen in der Kirche abgehalten wurden, kam der Brauch auf, bestimmte Personengruppen um oder unter der Kirche zu bestatten. Es handelte sich vornehmlich um Adelige, Wohlhabende, Geistliche oder verdiente Bürger der Stadt. Um die Grabstelle zu markieren, wurde eine Grabplatte in Form eines Reliefs verwendet, mit Inschrift, Bild und Wappen des Verstorbenen. Im Mittelalter wurde so die Kirche der Ort für das künstlerisch gestaltete Grabmal. Ursprünglich gab es hier nur das Märtyrergrab in der Krypta. Die Grabplatten bilden die älteste und zahlenmäßig größte Gruppe der Grabmäler. Meist sind sie aus Sandstein oder Bronze gefertigt. Bei der Tumba, die mit der Grabplatte aufkam, ist die Grabplatte nicht in den Boden eingelassen, sondern liegt über dem Grab auf einem rechteckigen Unterbau aus Stein. Im 14. Jahrhundert nimmt die Tumba ein dem damaligen Zeitgeist entsprechendes Gesicht an: Klagende Gestalten erscheinen an ihren Wänden im Relief. Gegen Ende desselben Jahrhunderts kommt ein anderer Typ des Grabmals auf: das Epitaph. Das in Italien und Frankreich verbreitete Wandgrabmal dient ab dem 15. Jahrhundert auch als weltliches Denkmal.

Mit dem ausgehenden 16. Jahrhundert wird auf Grabmälern verstärkt die Vergänglichkeit alles Irdischen betont. Als Knochenmann wird der Tod bildlich dargestellt. Er beherrscht auch das von Gegensätzlichkeit geprägte Barockzeitalter. Vanitasdarstellungen häufen sich in dieser Zeit. Im späten 18. Jahrhundert wird der Knochenmann vom sanften Engel abgelöst, der sich um die Seele des Verstorbenen kümmert. Friedhofskultur und mit ihr die Grabmäler ändern sich, passen sich dem jeweiligen Zeitgeist an. Was aber bei aller Veränderung und Zeitgeist bleibt: Grabmäler sind Ort und Stätte des Trauerns und Gedenkens des hier Ruhenden.