graf von zinzendorf

Graf von Zinzendorf: nicht Militärmann, sondern Ökumeniker


Graf Zinzendorf wollte Theologie studieren, fühlte sich der geistigen und geistlichen Welt verbunden, was aber in einer Familie von Militärs und Regierungsbeamten kaum denkbar war. Zinzendorf fügte sich den Wunsch der Familie, studierte Rechtswissenschaft und wurde für elf Jahre Hof- und Justizrat in Dresden. Doch es war nicht das, wozu er sich berufen fühlte. Schon als Student hatte Zinzendorf sich Gedanken zur Versöhnung von Pietismus und orthodoxen Lutheranern gemacht, die er später ausweitete zu einem Programm der Versöhnung aller Konfessionen. Er sah darin einen Gedanken Gottes: Unterschiede sollten erhalten bleiben, aber das Zusammenwirken auf der Grundlage der Heiligen Schrift Brudercharakter bekommen. Eng mit dem Namen von Zinzendorf verbunden ist die Herrnhuter Brüdergemeine, die er mitbegründete, und die so genannten Herrnhuter Losungen. Schließlich verfasste der Graf an die 2.000 Kirchenlieder. Eines der bekanntesten ist "Jesu, geh voran ...“, oder das Tischgebet "Komm Herr Jesu sei Du unser Gast ...“


Die Biografie des jungen von Zinzendorf

Nikolaus Ludwig Reichsgraf von Zinzendorf und Pottendorf wurde am 26. Mai 1700 in Dresden geboren. Seine Familie verließ um ihres evangelischen Glaubens willen Österreich. Sein Vater, Georg Ludwig Reichsgraf von Zinzendorf und Pottendorf, starb im Jahr seiner Geburt. Fortan lebte Zinzendorf in Großhennersdorf in der Oberlausitz bei seiner Großmutter, Henriette Katharina von Gersdorff, die stark vom Pietismus des Philipp Jakob Spener geprägt war. Spener war auch sein Taufpate. Von 1710 bis 1715 besuchte Zinzendorf das Pädagogium der Franckeschen Stiftungen in Halle, wo er ebenfalls vom Pietismus geprägt wurde. Von 1716 bis 1719 studierte er in Wittenberg Rechtswissenschaft. Anschließend ging er auf Bildungsreise in die Niederlande und Frankreich, was ihn die Augen öffnete für eine übergreifende Einheit der Christen.

Die wahre Berufung von Zinzendorfs

Nachdem Nikolaus Ludwig von Zinzendorf von seiner Bildungsreise zurück war, stand er von 1721 bis 1732 in Diensten August des Starken in Dresden. 1722 heiratete er Erdmuthe Dorothea Gräfin Reuß-Ebersdorf und erwarb im selben Jahr von seiner Großmutter das Rittergut Mittelberthelsdorf in der Oberlausitz. Auf diesem Gut bot er im Herbst 1722 Religionsflüchtlingen aus der Böhmischen Brüderkirche Zuflucht und nannte die Siedlung Herrnhut – unter der Hut des Herrn. Weitere Flüchtlinge aus Mähren kamen hinzu, später auch sächsische Lutheraner, die mit den Katholiken in Konflikt geraten waren. Im August 1727 kam es zur Gründung der Herrnhuter Brüdergemeine. Von 1731 an wurden dann die so genannten Herrnhuter Losungen herausgegeben. Dies sind durch Losverfahren ermittelte Bibelverse als Leitgedanken für jeden Tag. Die Losungen werden bis heute jährlich neu herausgegeben.

Reichsgraf von Zinzendorf widmet sich ganz der Mission

Bei den Feierlichkeiten zur Krönung des neuen Königs lernte Zinzendorf 1731in Kopenhagen einen westindischen Sklaven kennen. Dessen Berichte von St. Thomas motivierten die Gemeinde zur Missionsarbeit. Im Jahr darauf wurden die ersten Missionare auf die Karibikinsel ausgesandt, wo sie die Missionsstation Neu-Herrnhut gründeten. 1735 begann die Missionsarbeit in Nordamerika unter Indianern in Georgia und in Suriname; 1737 unter den Hottentotten in Südafrika sowie an der Goldküste; 1754 in Jamaika.

Bei der Missionsarbeit orientierte sich Zinzendorf am biblischen Vorbild des Kämmerers aus Äthiopien (Apostelgeschichte 8, 26-39) und des römischen Hauptmanns Cornelius. Bei beiden habe der Heilige Geist schon vor der Begegnung mit ihren Täufern gewirkt. Entsprechend sollten sich Missionare an jene halten, bei denen sie Empfänglichkeit für die Botschaft des Evangeliums erspüren. Zinzendorf hat mehr als 2.000 Lieder verfasst. Singen war für ihn eine emotionale und Gemeinschaft stiftende Übung. Das Evangelische Gesangbuch enthält heute noch von ihm getextete Lieder. Bei seinem Tod im Jahr 1760 waren Mitglieder der Herrnhuter Brüdergemeine an 28 Orten weltweit missionarisch tätig.