Griechenlands Nationalfeiertag

Am 28. Oktober geht es an der Ägäis hoch her. Griechenland feiert Nationalfeiertag, mit Militärparaden und Ochi-Rufen, dem griechischen Wort für Nein.

Griechenland mag zwar ein beliebtes Reiseziel sein, besonders positiv ist seine Reflexion in den europäischen Medien zurzeit aber nicht. Schuld sind die allgegenwärtige Eurokrise und Griechenlands nahender Bankrott, der die gesamte Europäische Währungsunion in Schwierigkeiten bringt. Höchste Zeit also, sich auch einmal anderen Facetten eines der geschichtsträchtigsten Länder Europas zuzuwenden und in eine Epoche zu reisen, in der die Griechen ebenfalls schlecht auf die Deutschen zu sprechen waren, allerdings aus komplett anderen Gründen.

Der Nein-Tag

Griechenlands Nationalfeiertag heißt nicht etwa deswegen Nein-Tag, weil die Griechen Miesepeter und Pessimisten wären, die darüber hinaus noch nicht einmal sparen können, sondern weil damit an ein historisches Ereignis erinnert werden soll. Konkret geht es um Mussolinis Ultimatum an Griechenland am 28. Oktober 1940, als Italien den griechischen Diktator Ioannis Metaxas dazu zwingen wollte, den Achsenmächten (Deutschland, Italien und Japan) Tür und Tor zu öffnen und sie nicht näher definierte „strategisch wichtige Punkte“ auf Staatsgebiet besetzen zu lassen. Eine Ablehnung sollte mit Krieg beantwortet werden.

Der italienische Botschafter überbrachte die Nachricht um 3 Uhr morgens. Metaxas soll dieses Ultimatum jedoch lediglich eines einzigen Wortes für würdig befunden haben: Nein. Bereits um 5:30 Uhr marschierten daraufhin italienische Truppen in Nordgriechenland ein, was eine große Protestwelle unter der griechischen Bevölkerung hervorrief. Tausende versammelten sich tagsüber auf den Straßen und skandierten ebenfalls „Ochi, ochi“, also Nein, nein.

Der Griechisch-Italienische Krieg

Noch wenige Monate zuvor, am 15. August 1940, hatte Metaxas bei einer Provokation der Italiener beide Augen zugedrückt, da er sein Land im Zweiten Weltkrieg unbedingt neutral halten wollte. Die Torpedierung eines griechischen Schiffes durch Italien im Hafen von Tinos ließ er ungestraft, obwohl Tinos auch damals schon zu griechischem Hoheitsgebiet zählte. Durch die Ablehnung des Ultimatums trat Griechenland dann aber doch noch dem Krieg bei. Zuerst konnte es mit seiner kleinen Armee auch tatsächlich Erfolge einfahren und die italienischen Truppen bis nach Südalbanien zurückdrängen. Dann aber griff Deutschland ein und vollendete seinen Balkanfeldzug mit der Eroberung Kretas im Mai 1941.

Die Auswirkungen auf Hitlers Russlandfeldzug

Griechenland war besiegt. Und doch hat Metaxas Nein verheerende Auswirkungen auf die deutschen Kriegsziele gehabt. Denn durch die eingeschobene Invasion Griechenlands musste Hitler seine Angriffspläne auf Russland um wenige Monate verschieben. Doch diese Zeitspanne reichte aus, um den letztendlichen Start des „Unternehmens Barbarossa“ auf den 22. Juni zu legen, wodurch bis zum Beginn des russischen Winters nicht mehr genügend Zeit blieb, um das Land vollständig zu erobern. Bereits im Dezember 1941, bei der Schlacht um Moskau, war abzusehen, dass Russlands Winter, die schier unermessliche Weite des Landes und die entschlossene Gegenwehr der russischen Truppen den Deutschen überlegen waren.

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