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Haithabu – Wikingerstadt in Schleswig-Holstein


Gerade einmal zwei Kilometer von der Stadt Schleswig entfernt liegt der kleine unscheinbare Ort Haddeby. In der heutigen Schreibform ist dieser Ort kaum jemandem bekannt, als „Haithabu“ (Heideort) dagegen besitzt er den Klang eines beinahe mystischen Handelszentrums aus dem frühen Mittelalter. Hat man den großen Parkplatz verlassen, wird es immer einfacher sich in die Zeit um etwa 1000 n. Chr. hineinzufühlen.

Die Ausstellung des Wikinger Museums, die wieder aufgebauten Häuser im Zentrum Haithabus und vor allem die Landschaft um das Haddebyer Noor, ein Nebengewässer der Schleswiger Schlei, führen den Besucher in die unruhige Zeit von Dänenkönigen wie Harald Blauzahn und Knut dem Großem zurück.

Das Wikinger Museum

Das Museum, das seit 2010 seine neu konzipierte Ausstellung zeigt, ist in sieben Pavillons untergebracht, die in ihrem Bau an Bootsschuppen der Wikinger angelehnt sind. Im Inneren wird dem Besucher spannend und multimedial die Geschichte Haithabus und das Leben in dieser ersten echten Stadt nördlich der Elbe vorgeführt. Neben dreisprachigen Erklärungen (deutsch, englisch, dänisch) entdeckt man Fundstücke archäologischer Grabungen aus rund einhundert Jahren. Diese erlauben vielfältige Rückschlüsse auf das Leben in Haithabu, das in seiner Blütezeit von etwa 1.000 Menschen bewohnt war. Etwa 300 Jahre, bis zur Zerstörung der Stadt durch Truppen des norwegischen Königs Hardrade 1050, war Haithabu ein zentraler Handelsplatz, Ort handwerklicher Produktion und beherbergte innerhalb seiner Wälle Friesen, Dänen, Schweden, Norweger, Sachsen, Franken und Slawen. Wieso entstand diese Stadt, die im Jahr 804, also zur Herrschaftszeit Karls des Großen, erstmalig urkundlich erwähnt wurde, nun genau an dieser Stelle? Heute scheint Haithabu eher abgelegen und schwer erreichbar zu sein.


Handelsknoten des frühen Mittelalters

Im frühen Mittelalter begann sich der Handel zwischen Ost- und Nordseeländern stark zu beleben. Im Austausch gegen Rohstoffe wie Holz, Felle, Eisen und Bernstein gelangten Handwerksprodukte wie z.B. Fibeln, Gürtelschnallen, Mühlsteine und Keramik in den Nordosten Europas. Per Schiff mussten diese Waren Kap Skagen nördlich von Dänemark passieren und waren auf dieser Strecke gefährlichen Strömungen und Überfällen besonders ausgesetzt. Eine zweite Möglichkeit war es, einen Teil der Strecke auf dem Landweg zurückzulegen. Hierfür war die Gegend an der Schlei, die 40 Kilometer ins Land hineinreicht und ausreichend Schutz vor Überfällen bot, die beste Gelegenheit. Nur über die relativ kurze Strecke von 16 Kilometern mussten die Handelswaren mühsam über Land transportiert werden, bevor sie an Teene und Schelde wieder auf Schiffe verladen werden konnten.

Politik und Alltag in Haithabu

Unter dem Schutz der dänischen Könige, die die Stadt zeitweise zum Königsitz und Sammelpunkt ihres Heeres machten, blühten in Haithabu, das in fränkischen und sächsischen Quellen Sliesthorp bzw. Sliaswich (Schleiesiedlung) genannt wird, Handel und Handwerk. Hier kam es nicht nur zur Vermischung von Völkern und Sprachen, sondern auch von Religion und Kunst. Obwohl Haithabu bereits 948 Bischofssitz wurde, lebten heidnische Bräuche unter den Bewohnern noch lange fort. Mit einer in Haithabu gefundenen Gussform konnten so nicht nur christliche Kreuze, sondern auch Thorshämmer hergestellt werden. Unter dem Einfluss Westeuropas veränderte sich auch die skandinavische Kunst und hinterließ in Haithabu Objekte großer Kunstfertigkeit, die meist auf verschlungenen Tierformen basierten. Ein besonderer Teil der Ausstellung ist die Schiffshalle mit der Rekonstruktion eines 1979 im Hafen von Haithabu entdeckten Langschiffs. Der Raum ist so ausgerichtet, dass es aussieht als könne man das fertig gestellte Schiff direkt im Noor wassern.

Wasser, Erde, Himmel

Unter bewölktem Himmel und durch keine Spur der Moderne gestört liegt der Halbkreis von Haithabu am Haddebyer Noor ruhig da. Heute ist es an dieser Stelle bedeutend stiller als vor etwa 1.000 Jahren. Der größte Teil des ehemaligen Stadtgebiets bilden Wiesen und Hecken. Nicht ohne Grund hielt man das Gelände bis ins 19. Jahrhundert nur für ein Militärlager der Dänen. In der Nähe des Hafens stehen seit 2005/08 wieder Häuser des alten Haithabu, die zu besichtigen sind. Rekonstruiert wurden auf Grundlage archäologischer Forschungen Gebäude des 9. und 10. Jahrhunderts (u.a. Versammlungshaus, Herberge und Haus eines Fischers). Auf einer knapp 10 m breiten und 41 m langen Landebrücke kann man ein paar Schritte auf das Noor hinaus machen.

Bis heute ist nur ein Bruchteil der Fläche Haithabus intensiv archäologisch untersucht worden, es sind also noch einige spannende Entdeckungen zu erwarten!