Hitlers Fremdenlegion

Die SS setzte sich aus unterschiedlichen ethnischen Gruppen zusammen und war nur kurze Zeit eine Organisation für „nordische“ Rassen.

Die SS (Schutzstaffel) wird bis in die Gegenwart hinein als Hitlers Elitetruppe bezeichnet. Nur auserwählte Männer sollten in ihr dienen. Sie mussten nicht nur über die nötige geistige Einstellung verfügen, sondern auch ganz bestimmte körperliche Merkmale erfüllen. Doch die starke Selektion war nur in den Anfangszeiten möglich. In den späteren Jahren bediente sich die SS auch Anwärtern, die definitiv nicht zur arischen Rasse gehörten.

Die SS und die Wehrmacht

Weil die SS von Beginn an eine aggressiv eingestimmte Gruppe war, die auf Expansion bedacht war, machte man sich in der SA (Schutzabteilung) große Sorgen um die eigene Existenz. Hitler bezog eindeutig Stellung für die SS und ließ die SA fallen. Die SA versuchte vergeblich, den steigenden Einfluss der SS zu verhindern, aber spätestens zum Kriegsbeginn 1939 war die SA keine Bedrohung mehr. Aber die SS hatte einen neuen Gegner im Reich gefunden: die Wehrmacht. Die Eliminierung der SA stellte kein Problem dar, aber die Wehrmacht verfügte über wesentlich mehr Macht und Einfluss als die SA und war ein ernstzunehmender Gegner im Machtkampf um die privilegierte Stellung.

Die Wehrmacht war die einzige Organisation, die bis dahin zur Verteidigung der Heimat zur Waffengewalt berechtigt war. Die Wehrmacht verfügte über wesentlich mehr Soldaten als die SS. Trotzdem bewertete das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) die Aufrüstung der SS als äußerst negativ. Das OKW stellte Hitler die Forderung, nur eine stark limitierte Anzahl an Rekruten für die SS zu stellen. Während des Krieges verlangte das OKW absolute Priorität für Rekruten und die SS sollte erst an zweiter Stelle kommen. Diese Forderung ist denkbar logisch, war es doch die Wehrmacht, die den Großteil der Kämpfe zu bestreiten hatte. Hitler akzeptierte den Standpunkt der Wehrmacht und so konnte die SS nur einen sehr geringen Teil Rekruten anwerben. Sie blieb hinter der Friedensstärke der Wehrmacht weit zurück.

Von der Gesamtzahl an Rekruten verlangte das Heer circa zwei Drittel. Der Rest war für die Kriegsmarine und die Luftwaffe gedacht. Die SS erhielt ihre Männer wiederum aus dem Heereskontingent. Die SS richtete zwar ein eigenes Rekrutierungsbüro ein, sie hatte aber hinzunehmen, dass sie innerhalb von Deutschland nur eine sehr kleine Zahl an Staatsbürgern rekrutieren durfte. Außerhalb der Reichsgrenzen gab es diese Beschränkungen nicht. Somit konzentrierte sich die SS auf die Anwerbung von sogenannten Volksdeutschen. Die Volksdeutschen hatten keinen deutschen Pass. Sie waren also keine Reichsdeutschen.

Die SS außerhalb von Deutschland

Zu den sogenannten Volksdeutschen zählten zum Beispiel Sudetendeutsche und die Tschechoslowakei. Durch die Eroberung europäischer Länder hatte die SS Zugriff auf weitere Bevölkerungen, die man als hinreichend „germanisch“ einstufte. So kam es, dass die SS eine große Anzahl Freiwilliger rekrutieren konnte. 1940 dienten zum Beispiel Schweizer freiwillig in der Waffen-SS mit. Durch die Annektierung „germanischer“ Länder, konnten auch Dänen, Norweger und Holländer gewonnen werden.

Hitler zögerte, die Expansion der Waffen-SS zu erlauben, weil er die Generäle der Wehrmacht nicht enttäuschen wollte. Aber er billigte die Gründung einer Division „germanischer“ Freiwilliger. So entstand die Elitedivision „Wiking“. Weiterhin kam das Regiment „Germania“ hinzu. Dieses wurde von der SS-Verfügungsdivision abgezogen. Himmler, der Reichsführer SS, förderte die Rekrutierung ausländischer Truppen und bot den Freiwilligen nach Ende ihrer Dienstzeit die deutsche Staatsbürgerschaft an.

Himmler wollte das „germanische“ Blut um sich sammeln. Darum waren die Selektionskriterien sehr streng. Nur wer über arische Merkmale verfügte, durfte sich als Freiwilliger melden. Diese Aussortierung war ein Luxus, den sich die SS nicht lange leisten konnte, denn durch die starke Selektion wurden ausgezeichnete Kämpfer zur Wehrmacht geschickt und die SS blieb mit ihren wenigen „arischen“ Leuten zurück.

Ein Beispiel dafür ist die Rekrutierung in Belgien: Die flämische Bevölkerung wurde als germanisch anerkannt. Folglich durfte sie in die SS eintreten. Die Wallonen dagegen galten nicht als ausreichend germanisch und wurden abgelehnt. Sie kamen zurück zur Wehrmacht und leisteten dort einen hervorragenden Militärdienst, den die SS hätte brauchen können. Mit andauernder Kriegszeit wurden die rassischen Selektionskriterien immer weniger. Am Ende verzichtete Himmler gänzlich auf ein Auswahlverfahren, um die zahlreichen Verluste an den Fronten ausgleichen zu können.

Merkmale der Fremdenlegion

In den besetzten Ländern kam es rasch zur Etablierung nationalsozialistischer Parteien und faschistischer Organisationen. Diese bestanden schon vor der Besetzung durch die Deutschen, konnten sich aber erst durch die neuen Herrscher etablieren. Die DNSAP in Dänemark und die NS in Norwegen standen der Ideologie des Nationalsozialismus sehr nah. Logischerweise waren viele Mitglieder dieser Parteien extreme Nationalisten und dadurch nicht unbedingt prodeutsch eingestellt. Darum waren auch nur wenige bereit, sich an den Fremdenlegionen der SS zu beteiligen.

Die Freiwilligen, die zur SS gingen, wurden nicht als richtige SS-Mitglieder anerkannt, sondern lediglich als der Organisation angeschlossene Mitglieder. Nach internationalem Recht mussten sie deutsche Uniformen tragen, waren aber durch ein Hoheitsabzeichen am Ärmel in den eigenen Landesfarben zu erkennen. Zudem erhielten sie einen Ärmelstreifen mit den Namen ihrer Einheit.

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