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Inquisitionsprozesse, peinliche Befragung, Folter, Tortur


Die Einführung der Folter in das kanonische Recht ging nicht ohne Widerstände vor sich. Es scheint aber, dass sich die Folter zum Teil im Zusammenhang mit der Entwicklung der Inquisition im 13. Jahrhundert durchgesetzt hatte. Mit der Bulle Ad extirpanda vom 15. Mai 1252 – eine Dekretale, die sich mit der Bekämpfung von Ketzern befasst – autorisierte Papst Innozenz IV. den Gebrauch der Folter im Ketzerprozess.

Diese Anordnung Papst Innozenz' IV. wurde in den nachfolgenden Jahren mehrmals bestätigt: unter anderem durch den Papstnachfolger Alexander IV. im Jahr 1259; durch Clemens V. im Jahr 1311. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Folter auch in gewöhnlichen Strafprozessen angewandt. Ganz massiv wurde die Folter nochmals in der Frühen Neuzeit angewandt, als man schon an der Schwelle eines humanistischeren Zeitalters stand.

Die Folter galt nicht nur den Häretikern

Der Gebrauch der Folter galt nicht allein der Beseitigung der Häresie. Gefoltert wurde zu Ende des 14. Jahrhunderts bei folgenden Delikten: Mord, Brandstiftung, Vergewaltigung, Straßenräuberei, Verrat (Hinterhalt), Ketzerei und "Bougrerie" (ein Ausdruck, der die dreifache Bedeutung von Häresie, Bestialität und Sodomie zusammenfasst). Dennoch wurde die Folter am häufigsten bei Ketzerprozessen eingesetzt. Nicolaus Eymerich, der ein Handbuch – das Directorium inquisitorum – über die Vorgehensweise bei Ketzerprozessen in Umlauf brachte, bemerkte darin: "Bischof und Inquisitor können foltern gemäß den Dekretalien von Clemens V.". Hinsichtlich des Rechtes zum Foltern gibt es "keine genauen Regeln", sondern nur sehr weit gefasste Hypothesen: die Folter ist zulässig, wenn der Angeklagte zögernde, widersprüchliche oder unentschiedene Antworten gibt, wenn Zeugenaussagen ihm Ketzerei anlasten. (Eine einzige Zeugenaussage war dabei schon ausreichend).


Bischof und Inquisitor entschieden über die Anwendung der Folter

Wenn der Beschuldigte nicht zum Geständnis bereit war, konnten Bischof und Inquisitor über die Anwendung der Folter entscheiden. Das Urteil über die Anwendung der Folter erging folgendermaßen: "Wir, der Inquisitor ..., den Prozess bedenkend, den mir gegen dich führen, und erwägend, dass du unstet in deinen Antworten bist, aber genügend Indizien gegen dich vorliegen, um dich der Tortur zu unterziehen, damit endlich die Wahrheit aus deinem Mund hervorgeht und du die Ohren deiner Richter nicht weiter beleidigst, erklären, beschließen und befinden, dass du an jenem Tage, zu jener Stunde der Folter unterworfen wirst."

Verstehen kann man den Gebrauch der "peinlichen Befragung", was ja Folter bedeutete, im späten Mittelalter allenfalls aus dem Glauben an die Möglichkeit einer göttlichen Intervention, zugunsten der Unschuldigen und zum Nachteil der Schuldigen.

Ablauf der Folterung

Nicolaus Eymerich hat die Folterung in seinem Handbuch detailliert beschrieben. Während die notwendigen Werkzeuge bereitgelegt werden und man den Angeklagten zu entkleiden beginnt, drängen ihn der Bischof und der Inquisitor, ein freiwilliges Geständnis abzulegen. Die Henker treten in Aktion, indem sie dem Angeklagten die Folterwerkzeuge zeigen und ihre Wirkung erklären. Während der inzwischen vollständigen Entkleidung gehen die Ermahnungen weiter. Dann beginnt die eigentliche Prozedur: das allmähliche Fortschreiten von Frage zu Frage und die ebenso allmähliche Steigerung der zugefügten körperlichen Schmerzen. Die Qualen erreichen bald ein entsetzliches Ausmaß, denn verboten ist nur, was den Angeklagten physisch verstümmeln würde oder in Lebensgefahr brächte.

Es gab vier Hauptarten der Folterung: die Auspeitschung, die als die harmloseste Form galt; der Bock, auf dem der Verdächtige gebunden wurde; den Wippgalgen, der darin bestand, dass man das Opfer an einem Strick festband und entweder ins Wasser oder bis ein paar fußbreit über den Boden fallen ließ, und schließlich den Einsatz glühender Kohlen. Daraus ist ersichtlich, dass im Verlauf eines Ketzerprozesses so gut wie alle Mittel der Druckausübung, der Einschüchterung und der Knebelung erlaubt waren.

Das Urteil nach der Folter

Dem Ketzerprozess haftete etwas Totalitäres an: Entweder wurde der Angeklagte für schuldig befunden und hatte dann ein extrem hartes Urteil zu erwarten, oder er wurde (in wenigen Fällen) für unschuldig erklärt und freigelassen. Es zeugt von der Simplizität des mittelalterlichen Strafverfahrens, das in der Frage der Schuld einerseits keine Abstufungen machte und andererseits den theokratischen Anspruch erhob: "Es gibt kein Heil außerhalb der Kirche".

Sehr schnell wurden Todesurteile ausgesprochen, und es bedurfte nicht viel, sie auszusprechen. Das späte Mittelalter war im Ausdenken von Strafen, wie der Verurteilte zu Tode kommen sollte - man kann ruhig sagen: pervers. Neben den häufigsten Hinrichtungsarten, Hängen und Enthaupten, wurde gerädert, gevierteilt und geschunden. Bei Kindesmord oder Diebstahl wurde der verurteilte Täter lebend begraben. Schauerlich war auch die Bestrafung für Falschmünzer, sie steckte man in einen Kessel siedenden Wassers, wo sie zu Tode kamen. Oft wurde gar siedendes Öl genommen. Den Vatermördern drohte das "Säcken". Der Verurteilte wurde in einen Sack eingenäht, zusammen mit einem Hund, Affen oder einer Schlange, um so weiteren Qualen ausgesetzt zu sein.

Bei denen, die einst Recht sprachen und letztendlich solche scheußliche Strafen mit erfanden, handelt es sich um äußerst wendige und durchtriebene Rechtsgelehrte. Sie verstanden sich gut darauf, auch den abgebrühtesten Delinquenten und den wortgewaltigsten Ketzer zu Fall zu bringen. Bedenkenlos griffen sie im Namen von Recht und Sitte zu äußersten Mitteln, und jeder nur erdenkbare Trick war erlaubt, um den Schuldigen zur Reue zu zwingen. Das Recht, im Namen der Kirche zu jener Zeit ausgesprochen, hatte immer recht.