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Merowinger und Karolinger


Von den Merowingern zu den Karolingern: Das Frühe Mittelalter war eine Epoche des Umbruches, das Frankenreich mit allen Wirren stellte die dritte Großmacht Europas dar.

Das frühe Mittelalter stellt eine Epoche dar, die einerseits in Tradition und Fortführung der Spätantike steht, andererseits durch die Integration und Auseinandersetzung mit der germanischen Kultur- und Geisteswelt eine neue Grundlage bildet. In der Folgezeit entwickelte sich Mitteleuropa, so, wie wir es heute sehen.

Von den Merowingern zu den Karolingern

Zum Verständnis des frühen Mittelalters in Deutschland sind Entstehung und Wachstum des Fränkischen Reiches ausschlaggebend.


Zu Beginn steht das Frankenreich unter der Herrschaft des Merowinger Chlodwig (482 bis 511), dessen Söhne und Enkel in der Folgezeit ihre Position ausbauten, bis hin zur Vorherrschaft in Mitteleuropa.

Die weiteste Ausdehnung erreichte das Reich unter dem Karolinger Karl dem Großen (768 bis 811). Als Kaiser verstand sich Karl der Große zugleich als Erbe des Weströmischen Reiches.

Nach seinem Sohn Ludwig I. erfolgte im Jahre 843 aus erbrechtlichen Gründen die Dreiteilung des Fränkischen Reiches: Es entstand das West- und Ostfränkische Reich sowie das Zwischenreich Lotharingien. Letzteres wurde bereits 870 zwischen den anderen beiden aufgeteilt.

Die nachfolgenden karolingischen Könige der Teilreiche fühlten sich jedoch weiterhin einem einzigen Frankenreich verpflichtet und versuchten stetig wieder, die ursprüngliche Einigkeit herbeizuführen. Erst nach der Absetzung von Karl III. im Jahre 887 nahmen die beiden Reichsteile im Osten und Westen ihre eigene Entwicklung auf.

Die herrschenden Mächte

Das Territorium des heutigen Deutschlands zählte vollständig zum Fränkischen Reich. Östlich der Elbe siedelten Slawen und im nördlichen Schleswig-Holstein Wikinger. Blickt man weiter über die Grenzen des Frankenreiches hinaus, bestand zu dieser Zeit im Osten und Südosten das Oströmische Reich mit der Hauptstadt, der tonangebenden Metropole Byzanz; das islamische Kalifat hatte sich seit dem 7. Jahrhundert von Arabien über Nordafrika und die Iberische Halbinsel bis an die Grenzen des Fränkischen Reiches ausgebreitet. Neben diesen beiden Großmächten am Mittelmeer behauptete sich in Mitteleuropa das Fränkische Reich als dritte Großmacht.

Überlieferungen und Quellen

Über die rein historischen Daten und zeitlichen Abfolgen der Geschehnisse unterrichten uns schriftliche Quellen. So erfahren wir beispielsweise von dem Geschichtsschreiber und Bischof Gregor von Tours vieles über die Ereignisse im merowingischen Königshaus. Dort folgen Bündnisse und Intrigen in wechselnden Konstellationen aufeinander, wie sie aufregender keinem noch so routinierten und professionellen Drehbuchautor hätten einfallen können.

Die schriftlichen Zeugnisse jedoch vermitteln ein sehr subjektives Bild der Geschehnisse, je nachdem, welcher Herrscher oder Kirchenfürst gerade herausgestrichen werden sollte.

In solchen Zusammenhängen bleibt meist das Alltägliche unbeachtet und unbedacht: An diesem Punkt setzt die Archäologie ein und versucht, ein Bild der Lebensbereiche zu rekonstruieren, die in den Schriftquellen keinerlei Erwähnung fanden.

Relativierung der Zeit

Im Vergleich zu vorgeschichtlichen Epochen mutet eine Zeitspanne von etwa 400 Jahren, die das Frühe Mittelalter umspannt, relativ kurz an.

Blicken wir beispielsweise von heute aus vierhundert Jahre zurück, so gelangen wir in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges und es wird deutlich, wie viele Ereignisse, Umwälzungen und Neuerungen innerhalb einer solchen scheinbar kurzen Zeit geschehen können.

Das Erbe der Römer

Das Römische Reich hatte sich nunmit als ordnende Kraft aufgelöst und hinterließ westlich des Rheines und südlich der Donau trotz unzähliger Wirren und kriegerischer Auseinandersetzungen eine Landschaft mit römisch geprägten Städten wie Trier oder Augsburg und einer nach wie vor ansässigen romanischen Bevölkerung.

Dort gab es weltliche und kirchliche Verwaltungen, es wurden Handel und Wirtschaft gepflegt und das Geldsystem weitergeführt. Kirchen und Klöster tradierten und förderten die aus der Antike übernommenen Schriftquellen sowie die damit verbundene Gelehrsamkeit.