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Sittliche Verfehlungen – wie sie im Mittelalter bestraft wurden


Auf sittliches Vergehen stand in früheren Jahrhunderten meist die Todesstrafe. Vergehen, wie die Blutschande oder widernatürliche Unzucht, stellten eine ungeheure Schandtat dar, die hart bestraft werden musste. Deshalb beließ man es in diesen Fällen nicht bei der üblichen Enthauptung mit dem Schwert, sondern verhängte grausame Strafen, wie etwa das Verbrennen oder Pfählen.

Delikte, gegen die im Rahmen der sittlichen Verfehlungen vorgegangen wurde, waren die Notzucht, die widernatürliche Unzucht, Sodomie, die Blutschande, Bigamie und Ehebruch. Nach und nach wurde das harte Vorgehen gegen sittliches Verfehlen gemildert und nicht mehr ausschließlich mit der Todesstrafe belegt.

Notzucht und Ehebruch wurden mancherorts hart bestraft

Die Notzucht – heute nennt sich dieses Delikt Vergewaltigung - war in fränkischer Zeit für den Freien noch durch Geldbuße sühnbar. Der Unfreie wurde mit dem Tod bestraft. Die Rechtsprechung zu diesem Delikt war unterschiedlich. Mancherorts wurde auf Notzucht nur erkannt, wenn das Opfer eine "ehrbare Frau" war. Das heißt, eine gutbeleumundete Ehefrau, eine Witwe oder eine Jungfrau. War sie etwa jemand aus dem "fahrenden Volk" wurde der Tatbestand Notzucht nicht anerkannt. Die übliche Todesstrafe für das Delikt Notzucht war im Mittelalter die Enthauptung durch das Schwert. Seltener kamen lebendig Begraben oder Pfählen in Frage.


Bei dem Delikt Ehebruch galt im germanischen Recht nur der von der Frau begangene als strafbar. Für den Ehemann war dieses Delikt straflos. Im germanischen Recht wurde nicht die Ehe als solche geschützt, sondern das Recht des Ehemannes. Die Frau stand unter seiner Gewalt. Deshalb stand auch die Bestrafung dem betrogenen Ehemann zu. Er durfte sie töten oder mit Schimpf und Schande aus dem Haus jagen. Mit dem zunehmenden Einfluss der Kirche, die die Ehe als schützenswerte Institution ansah und in ihren Augen Mann wie Frau einen strafbaren Ehebruch begehen konnten, änderte sich dies.

Im 14. Jahrhundert setzte sich die Gleichstellung von Mann und Frau bezüglich des Ehebruchs auch in den weltlichen Rechten durch. Die Bestrafung von Ehebrechern war in den einzelnen Rechtsbereichen sehr unterschiedlich. In manchen Gebieten wurde die Todesstrafe durch Schwert oder gar Feuer ausgesprochen, in anderen wieder nur Rutenstrafe, Pranger oder Gefängnis. Im Laufe der Zeit wurden die Strafen für Ehebruch gemildert.

Bigamie war bei den Germanen erlaubt

Bei den Germanen war die Mehrehe erlaubt, obwohl sie nur selten eingegangen wurde. Die Kirche dagegen erklärte die Einehe zur allein zulässigen Form. Als in fränkischer Zeit weltliche und kirchliche Auffassungen aufeinander trafen, entstand deshalb kein großer Gegensatz, denn die Einehe war die Regel. Abgesehen von den Oberschichten des Reiches, unter denen Doppelehen nicht unüblich waren. Die Mehrehe war so gesehen hauptsächlich ein Problem der Kirche. Noch im 13. Jahrhundert galt sie als ein Vergehen, für das ausschließlich die kirchlichen Sendgerichte zuständig waren.

Da die Mehrehe verhältnismäßig leicht eingegangen werden konnte, drohte sie besonders in den Städten zu einer sittlichen und sozialen Gefahr zu werden. Aus dem Grunde unterstellten die Städte sie der Kompetenz der weltlichen Gerichte, so dass lange Zeit beide Gerichte, weltliche und kirchliche, die Bigamie ahndeten. Die Strafe für Bigamie war die Enthauptung und das Ertränken und hielt sich bis Mitte des 18. Jahrhunderts. Danach wurde auch bei diesem Delikt die Strafe gemildert und in Rutenstrafe, Prangerstehen und Brandmarkung umgewandelt.

Widernatürliche Unzucht und Sodomie wurden als sehr verabscheuungswürdig angesehen

Geschlechtlicher Umgang zwischen Männern (Päderastie) wurde bei den Germanen durch Versenken im Moor bestraft. Sodomie, geschlechtlicher Missbrauch von Tieren durch den Menschen, war der Päderastie gleichgestellt. Beides galt im Mittelalter als Religionsverbrechen. Das von der römischen Kirche geprägte Mittelalter zählte diese beiden Vergehen zur Ketzerei und bestrafte sie als Vergehen gegen Gott. Nach dem Augsburger Stadtbuch (1276) und der CCC (Constitutio Criminalis Carolina von 1532) war Ketzerei mit dem Tod durch Verbrennen zu bestrafen.

Die Todesstrafe für widernatürliche Unzucht hielt sich bis in das 18. Jahrhundert. Doch ließ man auch hier allmählich Milde walten und strafte nur mit Pranger, Rutenstreichen und Landesverweisung. Bei Sodomie war die gemeinsame Verbrennung von Mensch und Tier üblich, da sich auch das Tier des Verbrechens schuldig gemacht hatte und nach dem Wortlaut der Bibel (3. Buch Mose, Kap. 20) auch das Tier den Tod finden sollte.

Das Strafmaß bei Blutschande war Sache der Richter

Bei der Blutschande, das heißt der geschlechtliche Verkehr unter nahen Verwandten, liegt vieles im Dunkeln. Die Aufnahme dieses Delikts in die alten Volksrechte wird erstmals unter Childebert II. im Jahre 596 erwähnt und dürfte auf den Einfluss des Christentums zurückzuführen sein. In den weltlichen Gesetzen des späten Mittelalters wurde die Blutschande nur selten erwähnt. Erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts gingen die Gerichte mit peinlichen Strafen gegen dieses Delikt vor. Die Carolina sanktionierte diese Praxis und stellte das Strafmaß in das Ermessen der Richter.

Als Todesstrafen für Blutschande kamen Enthaupten, Erhängen, Ertränken, Pfählen und Verbrennen in Frage. Wie bei den anderen Sittlichkeitsdelikten zeigten die Urteile ab dem 17. Jahrhundert auch hier eine weitgehende Milderung an. Ehrenstrafen wie Prangerstehen, Staupenschlag und Landesverweisung oder längere Freiheitsstrafen ersetzten die Todesstrafe.