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Stephan der Heilige von Ungarn – legendärer König bis heute


Dankenswerter Weise sind die Tage des Mittelalters vorbei. In jener Zeit aber wurde das Leben vom Kampf gegen Hunger und Krankheit, von Krieg und Frieden geprägt. Besonders zutreffend ist dies für Ungarn. Hier beginnt die Etablierung eines Herrscherhauses, das Abschaffen des Stammeswesens und die Christianisierung erst um das Jahr 1000 nach Christus. Radikal aber dauerhaft, wurden durch den ersten König Stephan I. (~975 bis 1038 n. Chr.) die Reformen durchgeführt. Kurz nach seinem Tod wurde er Heilig gesprochen und als solcher verehrt. Auch noch heutzutage wird seine abgetrennte rechte Hand am 20. August im Rahmen der Stephans-Feierlichkeiten in einer Prozession in Budapest gezeigt.

Aus Stephan I. wird Stephan der Heilige

Nach der einfachen Landnahmetheorie kamen die Magyaren gegen 896 nach Christus in das Karpatenbecken und ließen sich dort nieder. Vom genauen Glauben der damaligen Ungarn, an der Schwelle zwischen Nomadentum und Sesshaftigkeit, ist nur wenig bekannt. Glaubt man den Aufzeichnungen, so war es István I. (Stephan I.), der die Frage der dauerhaften Etablierung in Europa mit dem Christentum verband. Aus diesem Grund erfolgten die ersten strengen Reformen im Namen der Kirche: Die Anordnung zu Massentaufen und die Entlassung von allen christianisierten Sklaven. Der Widerstand unter dem ungarischen Hochadel, der sich aus der Führungsschicht der sieben Stämme zusammensetzte, war groß. István war ein direkter Nachfolger von Großfürst Árpád, der die Magyaren in das Karpatenbecken geführt hatte. Stephans Widersacher Koppány war hingegen der Anführer eines anderen Stammes. Der Konflikt kann also durchaus nicht nur als Kampf zwischen Heidentum und Christentum, zwischen Sesshaftigkeit und Nomadentum sondern auch als Stammeskrieg angesehen werden. Schließlich gelang es Stephan I., Koppány zu besiegen. Nach Aufsuchen des Papstes gewährte Silvester II. die Krönung Istváns zum ersten apostolischen König des neu geschaffenen ungarischen Königreiches (Krönung 1000 n. Chr.). Im Jahr 1038 starb Stephan I. für damalige Zeiten im hohen Alter von etwa 63 Jahren. Er wurde 1083 Heilig gesprochen.

Die „Heilige Rechte Hand“ Stephans


Um die Person des ersten Königs ranken sich unzählige Mythen und Legenden. Eine besagt, dass nach der Beerdigung in Székesfehérvár (dt. Stuhlweißenburg; traditioneller Bestattungsort der ungarischen Könige), der Sarkophag anlässlich seiner Heiligsprechung im Jahr 1083 geöffnet worden war. Der Leichnam sei unverwest vorgefunden worden. Das Fehlen von Verwesungszeichen war bei mittelalterlichen verstorbenen Würdenträgern ein sicheres Zeichen für einen Heiligen. Der rechte Arm, der eigentlich nur die rechte Faust ist, wurde in Folge abgetrennt und fortan als Heiligen-Reliquie verehrt. Die Bezeichnung „Die Heilige Rechte Hand“ (ung. ~ „Szent Jobb“) impliziert aber noch mehr: István wurde zum Schutzheiligen Ungarns und seine Hand zum beschützenden Symbol der ungarischen Nation. So wurde sie, genauso wie unter anderem die Stephanskrone, im zweiten Weltkrieg durch die Siegermächte vor der Sowjetunion in Sicherheit gebracht und den Ungarn später zurückgegeben. Heute wird die Reliquie von der Kronwache geschützt und an einem geheimen Ort aufbewahrt. Am Jahrestag des Heiligen Stephan am 20. August wird der kleine goldene Schrein mit dem symbolträchtigen Artefakt im Zuge einer Prozession öffentlich herumgeführt. Dies ist aber lediglich eine Kopie des nationalen Heiligtums.

Die Notwendigkeit der Reformen aus heutiger Sicht

Stephan I. setzte sich als erster König von Ungarn Zeit seines Lebens für die katholische Kirche ein. Während seine direkten Vorfahren Heiden gewesen waren, ließ er sich im Erwachsenenalter taufen und nahm den christlichen Vornamen István an. Seine Reformen waren zur Unterstützung und Etablierung der katholischen Kirche in seinem Königreich ausgerichtet. Das Einrichten von Kirchenbezirken, der Kirchen- und Klosterbau, die Bestellung von Priestern, der dauerhafte Kontakt zum Papst etc. sollte einerseits die Christianisierung vorantreiben. Andererseits war Stephan der Überzeugung, dass verbunden mit der Sesshaftigkeit nur die Annahme des Christentums einen dauerhaften Fortbestand des ungarischen Königreiches bringen werde. Zumindest in diesem Punkt sollte der weise König Recht behalten.