telgte-die-vielzahl-junger-eichen

Telgte – die Vielzahl junger Eichen


Ortsnamen spiegeln Geschichte. Mit den Wörtern, die sich in ihnen erhalten haben, geben sie Auskunft über vielfach vergangene Topographie, verweisen auf menschliches Siedeln, Kultivieren und Wirtschaften und verraten uns etwas über die verkehrsgeographischen oder sozialen und rechtlichen Gegebenheiten vergangener Zeiten. Oft enthalten diese Namen auch alte, heute nicht mehr gebräuchliche Personennamen, von denen wir ansonsten keine Kunde mehr hätten.

Auf der Spur nach den ältesten Belegen

Weil die Wörter, mit denen die Ortsnamen gebildet wurden, häufig einer wesentlich älteren Sprachstufe angehören und uns heute fremd erscheinen, ist die Deutung von Ortsnamen nicht immer einfach. Hinzu kommt, dass sie sich im Laufe der Zeit durch sprachliche Prozesse wandeln können und somit ihre ursprüngliche Bedeutung in ihrer heutigen Form nicht mehr erkennbar ist. Deshalb ist die Suche nach den ältesten Belegen eines Ortsnamens unabdingbare Voraussetzung, wenn man seiner Bedeutung auf die Spur kommen möchte. Die Ergebnisse der Deutung von Ortsnamen sagen aber auch etwas über das Benennungsmotiv aus, warum ein Ort seinen Namen trägt. Mit anderen Worten: Die Deutung eines Namens legt oftmals offen, was für unsere Vorfahren einst wichtig war.


Vom Flur- zum Siedlungsnamen

Häufig begegnen uns Flurnamen, die dann zu Siedlungsnamen wurden. Zu einem solchen ist auch der Name Telgte zu zählen. Im Westerkappelner Urkataster aus dem Jahr 1827 erscheinen die Formen „(im) Telgter Klee“, der „Telgter Klei“, „Telgter Mark“. Besonders die letzte Bezeichnung legt nahe, dass es sich bei dem Namen „Telgte“ um einen Siedlungsnamen gehandelt haben muss; kommt die Bezeichnung „Mark“ doch öfter in Verbindung mit der Siedlung vor, zu der sie gehört (z.B. Hohner Mark, Liener Mark etc.).

Telgte

Der Name Telgte erscheint erstmals 1299 in der Form „Telgeth“ und dürfte zu diesem Zeitpunkt noch einen eigenen Siedlungsbezirk benannt haben. Das Gebiet, das dieser damals bezeichnete, gehört heute zur Bauerschaft Seeste. Bei Telgte handelt es sich um einen geographischen Namen, der in Westfalen häufiger anzutreffen ist (vgl. Telgte bei Münster). Diese Namen sind alle gleich gebildet und zwar durch Ableitung mit einem sogenannten ithi-Suffix. Unter einem Suffix (auch Nachsilbe oder Endung genannt) versteht man ein unselbständiges Wortbildungselement, das an den Stamm von Wörtern angehängt wird, um neue Wörter zu bilden. So wird z.B. aus dem Adjektiv „gesund“ durch Anhängen des Suffixes -heit das Substantiv „Gesundheit“. Die sogenannten ithi-Suffixe, die uns heute in Orts- und Flurnamen zumeist in den Namenendungen -ede, -de, -te (z.B. Remsede, ursprünglich „Hramasithi“, oder Birgte, ursprünglich „Bergithi“) begegnen, bezeichnen das Vorhandensein von etwas an dem benannten Ort. Im Falle Telgtes ist das Suffix an das Wort „Telge“ in der Bedeutung „junge Eiche“ angehängt. Der Ortsname Telgte bezeichnet also nichts anderes als die Örtlichkeit, an der junge Eichen wachsen.