tiermumien

Tiermumien im Alten Ägypten


Nicht nur Menschen, sondern auch Haustiere, Heilige Tiere, Speisen und Tiere für Votivgaben wurden im Alten Ägypten mumifiziert. Doch was steckt dahinter?


Das Tier im Alten Ägypten spielte seit jeher eine große Rolle, was belegt wird durch eine große Anzahl von Quellen, wie z.B. Darstellungen in Gräbern, Knochenfunde und Schriftquellen.

Doch wurde das Tier nicht nur als Nutz-, sondern auch als Haus-, bzw. Lieblingstier gehalten. Besonders bei Haustieren, war es dem Halter ein Bedürfnis, auch jenes heil in der Nachwelt zu wissen. Doch nicht nur Haustiere sondern auch heilige Tiere und Nahrungsspeisen wurden mumifiziert.

Sehr ausführlich werden Tiermumien in dem herausgegebenen Werk von Salima Ikram "Divine Creatures: Animal Mummies in Ancient Egypt" von 2004 behandelt. Die Tiermumien lassen sich einteilen in:

Haustiere

Zu den Haustieren gehören, wie auch heute, bevorzugt der Hund und die Katze aber auch Tiere wie die Gazelle und die Nilgans. Diese wurden in eigens für sie angefertigten Sarkophagen oder sogar in dem Sarkophag des Besitzers bestattet. Bei Letzterem ist davon auszugehen, dass die Tiere getötet wurden.

Ein schönes Beispiel für die mumifizierten Haustiere ist die Gazelle der Prinzessin Isitemheb. Ihr Haustier wurde bandagiert in einem gazellenförmigen Holzsarg gefunden. Ihr Gehirn war, wie bei menschlichen Mumien üblich, entnommen und die Innereien konserviert in den Bauch der Gazelle zurückgelegt worden.

Speisen in mumifizierter Form

Hierbei handelt es sich um gekochte oder zum Kochen vorbereitete Speisen, die als Nahrung im Jenseits dienen sollten und ab der Pyramidenzeit belegt sind. Auch im Grab des Kindkönigs Tutanchamun wurden ca. 40 solcher Speisen gefunden. Gewöhnlich sind Geflügel und ganze Fleischstücke anzutreffen, die in Mumienbinden eingeschlagen und in Holzsärgen gelegt wurden.

Heilige Tiere

Dies sind Tiere, die anhand gewisser Merkamale, wie Farbe und Zeichnung, als Inkarnation eines Gewissen Gottes auf Erden verehrt wurden. Starb ein solches Tier, musste sofort der Nachfolger gefunden werden, da der Gott nun in einem anderen Tier wohnte. Salima Ikram vergleicht dies mit der Übertragung des Geistes des Dalai Lama in Tibet.

Bekannte Beispiele für diese Tiere sind der Apis-Stier, der für den Gott Ptah steht, der Widder, der auf Erden Amun vertritt und das Krokodil, das als Sobek verehrt wurde. Interessant ist, dass diese Tiere in den Tempeln gehalten, gefüttert und verehrt wurden. Auch Gläubige hatten die Möglichkeit, diese Tiere zu besuchen und ihnen Opfergaben darzubringen wie zum Beispiel Kuchen.

Sowie für die Mumifizierung als auch für die Bestattung wurden keine Kosten gescheut. Ein bekannter Bestattungsort für die Stiere ist das Serapeum in Memphis.

Votivgaben

Mit der Möglichkeit des persönlichen Zugangs zum Gott wurde den Gläubigen ermöglicht, selbst Kontakt mit dem jeweiligen Gott aufzunehmen. Als Mittlerfigur kauften die Bittenden von den Priestern eine Votivgabe und gaben diese in deren Obhut. Die Votivgaben wurden gesegnet und an bestimmten Feiertagen in die zum Tempel gehörigen unterirdischen Gallerien beigesetzt. Zu diesen Gallerien zählen z. B. Tuna el-Gebel und Saqqara.

Die Votivgabe bestand aus einem dem Gott entsprechenden heiligen Tier, wie z. B. der Ibisvogel für den Gott Thot. Der Ibis wurde getötet und mumifiziert. Mit der großen Nachfrage an Votivgaben in der Spätzeit, kamen die Priester den Bestellungen nicht mehr nach. Wie Untersuchungen ergeben haben, wurden nur noch Teile von den Tieren in der Form des Tieres mumifiziert.

Wer diese mumifizierten Tiere gerne einmal von Nahem betrachten möchte, kann dies tun im Ägytpischen Museum in Kairo.