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Velpe – das sumpfige Gewässer


Ortsnamen spiegeln ein Stück vergangener Kultur. Die in ihnen enthaltenen Bezeichnungen, mit denen ein Ort im Zuge seiner Benennung näher bestimmt wurde, geben uns Auskunft über die Beschaffenheit der Landschaft der näheren Umgebung zum Zeitpunkt der Namengebung, verweisen auf menschliches Siedeln, Kultivieren und Wirtschaften und verraten uns etwas über die verkehrsgeographischen oder sozialen und rechtlichen Gegebenheiten einer vergangenen Zeit. Oft haben diese Namen auch alte, heute nicht mehr gebräuchliche Personennamen konserviert, die sich sonst nicht erhalten hätten.

Warum ist die Ermittlung der ältesten Belege wichtig?

Weil die Wörter, mit denen die Ortsnamen gebildet wurden, häufig einer wesentlich älteren Sprachstufe angehören und uns heute fremd erscheinen, ist die Deutung von Ortsnamen nicht immer einfach. Hinzu kommt, dass sie sich im Laufe der Zeit durch sprachliche Prozesse wandeln können und somit ihre ursprüngliche Bedeutung in ihrer heutigen Form nicht mehr erkennbar ist. Deshalb ist die Suche nach den ältesten Belegen eines Ortsnamens unabdingbare Voraussetzung, wenn man seiner Bedeutung auf die Spur kommen möchte. Die Ergebnisse der Deutung von Ortsnamen sagen aber auch etwas über das Benennungsmotiv aus, warum ein Ort seinen Namen trägt. Mit anderen Worten: Die Deutung eines Namens legt oftmals offen, was für unsere Vorfahren einst wichtig war.


Bedeutung des Wassers

Besondere Bedeutung hatte das Wasser, das sowohl zur Trinkwasserversorgung von Mensch und Vieh notwendig war als auch zur Bewässerung der Felder oder zum Antrieb von Mühlen genutzt wurde. Auch für das Gebiet der Gemeinde Westerkappeln ist auffällig, dass hier viele Bauerschaftsnamen auf die Bezeichnungen von Wasserläufen zurückgehen. Augenfällige Beispiele sind die Namen Oster- und Westerbeck, die den östlich bzw. westlich gelegenen Bach (altsächsisch „beki“, mittelniederdeutsch „beeke“) bezeichnen. Der Name ging also jeweils vom Wasserlauf auf die dort entstandene Siedlung über. Ein ähnlicher Fall liegt im Namen Velpe vor. Er erscheint 1299 erstmals in dem herkunftsanzeigenden Personennamen „Gevehardus de [von] Vellepe“. Dieser älteste Beleg offenbart die Bildungsweise des Namens: Vel(l)-epe. Der Name ist mit dem Grundwort -epe/apa zusammengesetzt, das eine germanisches Bezeichnung für „Wasser“ ist (vgl. auch die Ortsnamen Epe bei Bramsche und Gronau). Dieses Grundwort ist in alten Gewässernamen feststellbar, die in einem zweiten Schritt auf Siedlungen übertragen werden konnten.

Welche Art von Gewässer?

Doch um welche Art Gewässer handelte es sich? Was bedeutet das Bestimmungswort „vel“ bzw. „fel“? Als selbständiges Wort ist es nicht bezeugt, doch findet man es im althochdeutschen Wort „Fel-wa“ für den Weidenbaum wieder und erhält somit zugleich einen Hinweis auf seine Bedeutung. Die Baumbezeichnung „Felwa“ ist urverwandt mit dem lateinischen Wort „palus“, das Sumpf bedeutet (durch die erste bzw. germanische Lautverschiebung wurde -p zu -f, vgl. lateinisch „pater“ > deutsch „Vater“). Gestützt wird diese Erkenntnis dadurch, dass die Weide ein feuchte Standorte bevorzugender Baum, also ein „Sumpfbaum“ ist. Der Gewässername Velpe, der sekundär auf die Siedlung übergegangen ist, bezeichnet also nichts anderes als das sumpfige Gewässer bzw. den sumpfigen Bach.