mikroalgen

AFA - Mikroalgen in der Ernährung


Dienen die aus Algen hergestellten Tabletten und Pulver tatsächlich einer sinnvollen Ergänzung unserer Nahrung? Ist die täglich über solche Mittel zugeführte Menge an Proteinen, Vitaminen und anderen Nährstoffen ausreichend oder möglicherweise überdosiert? Ein Beispiel für eine als Nahrungsergänzungsmittel verwendete Alge ist die AFA-Alge.


AFA (Aphanizomenon flos-aquae)

Bei den so genannten AFA-Algen (Aphanizomenon flos-aquae), volkstümlich auch als blaue oder blaugrüne Uralgen bezeichnet, handelt es sich im botanischen Sinne nicht um Algen, sondern um Cyanobakterien. Diese „Algen“ machten in den letzten Jahren sowohl positive als auch negative Schlagzeilen. Einerseits werden sie als wertvolles Nahrungsergänzungsmittel und Wundermittel gegen eine Vielzahl von Krankheiten gepriesen, andererseits als Hauptbestandteil von sommerlichen Algenblüten und Toxinbildner gefürchtet.

AFA-Algen sind nicht nur im Süßwasser anzutreffen, wo sie die Gewässer belasten. Die Werbung behauptet, sie würden nur in einem kristallklaren Gebirgssee, im amerikanischen Bundesstaat Oregon wachsen, aber es gibt sie auch in Deutschland. In den letzten beiden Jahrzehnten haben die Ausdehnung und die Frequenz von Cyanobakterienblüten in der Ostsee zugenommen. So mussten im Sommer 2001 Teile der deutschen Ostseestrände aufgrund hoher Blaualgenkonzentrationen gesperrt werden. Die Gründe hierfür sind zurzeit noch nicht bekannt.

Inhaltsstoffe von AFA und ihre Wirkung

Kommerziell geerntet und vermarktet werden wild wachsende AFA-Algen aus dem Upper Klamath See im amerikanischen Bundesstaat Oregon. In den Handel kommen sie entweder als Pulver oder zu Tabletten gepresst. Sie enthalten eine auffallend konzentrierte Ansammlung von Nährstoffen (Proteine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine). Eine Verbesserung der Protein- beziehungsweise der Nährstoffversorgung ist aber wegen der geringen Zufuhr (Empfehlung 3 x 1 Tablette á 500 mg/Tag) nicht anzunehmen und eine ernährungsphysiologisch sinnvolle Ergänzung der Nahrung fraglich.

Vor allem im Internet wird diesem Nahrungsergänzungsmittel die Wirkung nachgesagt, vor verschiedenen Virusinfektionen zu schützen, bei psychischen Erkrankungen zu helfen und bei neurologischen Störungen wie dem Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) bei Kindern oder Demenzerkrankungen eine Alternative zur ärztlichen Therapie darzustellen. In Deutschland ist kein Cyanobakterien-haltiges Präparat als Arzneimittel zur Behandlung von Krankheiten zugelassen. Da keiner dieser medizinischen Aspekte als wissenschaftlich belegt gilt, liegt ein Verstoß gegen das Verbot der irreführenden Werbung vor. Für eine Arzneimittelzulassung sind ausführliche Nachweise der Herstellungsqualität, der Wirksamkeit in dem beantragten Anwendungsgebiet und auch der Unbedenklichkeit erforderlich. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie das ehemalige Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) warnten 2002, dass Nahrungsergänzungsmittel aus AFA-Algen keine medizinische Therapie ersetzen können.

Gesundheitsrisiko Blaualge

Den fraglichen positiven Effekten stehen mögliche Gesundheitsrisiken durch Blaualgentoxine gegenüber. Microcystine – potente Lebergifte und Tumor fördernde Substanzen – wurden bei der AFA-Alge aus dem Klamath Lake selbst nie gefunden. In der Erntesaison 1996 trat im Klamath See massenhaft die Gattung Microcystis Aeruginosa auf, die dieses Toxin entwickelt und während der Ernteperiode unabsichtlich AFA-Produkte verunreinigte. Eine Analyse von AFA-Algen-Produkten aus den Jahren 1996 und 1997 wies Microcystin-Gehalte weit über den von der Weltgesundheitsorganisation WHO festgelegten Höchstmengen von > 1µg/g (durchschnittlich 2 – 10 µg/g) aus.

Als täglich tolerierbare Aufnahmemenge für einen 60 kg schweren Erwachsenen wurden bei einem täglichen Verzehr von zwei Gramm AFA-Algen mit einem Microcystin-LR-Gehalt von 10 µg/g festgelegt. Aus diesen hohen Werten, die jedoch in den nachfolgenden Jahren nicht beobachtet wurden, leiteten die Forscher auch die vom BgVV übernommene Empfehlung ab, dass Kinder AFA-Algen gar nicht und Erwachsene nicht über einen längeren Zeitraum einnehmen sollten.

Produkte mit AFA-Algen

Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG Schweiz) untersuchte den Microcystin-Gehalt von bewilligten und zur Bewilligung angemeldeten Produkten. Die Resultate zeigen, dass in allen AFA-Algen-Produkten Microcystine nachgewiesen werden können. Ungefähr die Hälfte der Produkte wiesen deutlich mehr Microcystin als maximal zulässig auf. Es handelt sich dabei ausschließlich um Erzeugnisse, die zur Bewilligung angemeldet wurden und so nicht bewilligt werden können.

Ein großes Fragezeichen steht hinter den direkt vertriebenen Algenprodukten, da die Überwachung durch staatliche Untersuchungsbehörden nicht lückenlos möglich ist. Durch Einsatz effektiver Filterverfahren, die M. Aeruginosa wirkungsvoll entfernen, und Inanspruchnahme unabhängiger Labors kontrollieren seit Jahren namhafte AFA-Anbieter auf mögliche Rückstände von Microcystine. Die deutsche Vertriebsgesellschaft Sanacell erwirkte per Gerichtsbeschluss ein Verbot der Behauptung, dass ihre AFA-Algen toxisch sind und garantiert deren Reinheit und Sicherheit.

Veröffentlichungen über Algentoxine haben dazu geführt, dass eine Furcht vor möglicher Algentoxin-Kontamination verschiedener Produkte entstanden ist, die auch als Nahrungsergänzungsmittel mit einer gesundheitsfördernden Absicht konsumiert werden. Dazu ist folgendes zu bedenken: Algentoxine sind entweder in intakten Algenzellen vorhanden oder aber nach Zerstörung der Zellen im Wasser. In wasserfreien oder -armen Produkten kommt allenfalls eine Kontamination durch Algenzellen in Frage.

Kosten versus Nutzen bei Nahrungsergänzungsmitteln aus der AFA-Alge

AFA-Algen-Tabletten oder -pulver werden überwiegend über das Internet vertrieben, sind aber teilweise auch in Naturkostläden und Reformhäusern erhältlich. Pro hundert Tabletten muss man stolze 25 bis 50 Euro hinlegen. Da täglich drei Tabletten á 0,5 Gramm empfohlen werden, ist mit 0,75 bis 1,50 Euro pro Tag zu rechnen.

Alternativen für die Nährstoffzufuhr

Entsprechend den Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung enthalten die zur täglichen Einnahme empfohlenen 3 Tabletten beziehungsweise 1,5 bis 3 g Pulver etwa 6-8 % des täglichen Bedarfs an Betakarotin, 6-9 % des Tagesbedarfs an Vitamin B1, sogar bis zu 300% des Tagesbedarfs von Vitamin B12, 5-10 % des täglichen Jodbedarfs und zudem rund 26% der täglich empfohlenen Menge an Nickel.

Damit stellt die Zufuhr von AFA-Algen nur für wenige Nährstoffe – wie zum Beispiel Vitamin B12 – eine sinnvolle Alternative dar. Die von der DGE empfohlene tägliche Zufuhr von 2-4 mg Betakarotin können bereits mit 50g Möhren oder auch 70g Honigmelone aufgenommen werden. Mit 100g Schweinefilet nimmt man bereits die empfohlenen 1,0-1,3 mg Vitamin B1 zu sich. In 10g Leber oder 30g Hering sind schon die täglich benötigten 0,003 mg Vitamin B12 enthalten. Darüber hinaus enthalten beispielsweise Erbsen und Getreidekeime ebenso geeignete Mengen der entsprechenden Nährstoffe.

Algen als Nährstoffquelle

Sowohl die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) als auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind der Meinung, dass Nahrungsergänzungsmittel für gesunde, sich normal ernährende Personen nicht notwendig sind. Eine einseitige, unausgewogene Ernährungsweise mit Nahrungsergänzungspräparaten auszugleichen, wäre Selbstbetrug, denn viele Lebensmittel enthalten vielfältig die für den Menschen lebensnotwendigen und gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe. Diese können durch Nahrungsergänzungsmittel niemals in den richtigen Mengen aufgenommen werden. Eine abwechslungsreiche Ernährung ist daher sinnvoll.

Als natürliche Nährstoffquelle zum Beispiel bei einer eingeschränkten Lebensmittel-Auswahl durch eine vorliegende Allergie oder Unverträglichkeit stellen Algen jedoch eine möglicherweise empfehlenswerte Alternative dar. Allerdings sind hier die reinen Algen vorzuziehen. Im Gegensatz zu den isolierten, synthetischen Präparaten enthalten diese als natürliches Mittel auch sekundäre Pflanzenstoffe, welche für ihre weitreichenden gesundheitlichen Vorteile bekannt sind.

Neben AFA-Algen werden auch Spirulina- und Chlorella-Algen zur Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln verwendet. Sie sind zwar reich an Nährstoffen, können aber auch Jod und Arsen im Körper anreichern und sich daher negativ auf die Gesundheit auswirken..