spirulina

Algen-Präparate-Test – Blaualgen und Grünalgen sehen gelb und rot


Sieht das Darmhirn des Deutschen rot, stürzen sich vom Hunger drangsalierte Deutsche gerne mal auf in Rotalgen eingewickelte Fischstücke mit dem japanischen Namen Sushi: In den Küstenregionen von Japan und China baut man die Rotalgen-Gattung Porphyra in Meeresfarmen an und verarbeitet sie zu Nori-Blättern für das Sushi. Sieht die Diät bei Kalorien rot, stürzen sich viele Deutsche auf schlankmachende Light-Produkte wie Light-Joghurt, diese enthalten als Binde- und Geliermittel oft Carrageen aus der Rotalge Chondrus cruspus. Stiftung Warentest sah dagegen grün und blau und stürzte sich auf Tabletten und Kapseln aus Blau- und Grünalgen; Sie finden den bestürzenden Vergleichstest in der Februar-Ausgabe 2011 von "test" seit dem 28. Januar 2011 im Zeitschriftenhandel – sieben Algen-Tabletten sahen gelb und erhielten die Test-Bewertung "mit Einschränkung geeignet" oder "wenig geeignet", drei Afa-Algenpräparate aus Blaualgen sahen rot: Test-Bewertung "vom Verzehr abzuraten".


Stiftung Warentest überprüfte die blauen Wunderwirkungen der Arzneimittelindustrie

Es ist nicht alles aus Goldalgen, was glänzt, auch die werbewirksamen Wunderwirkungen von Algenpräparaten glänzen vor strotzendem Wortreichtum: Bei der Blaualgen-Art Aphanizomenon flos-aquae (Afa) wird im Internet das Blaue vom Himmel versprochen, so sei die Afa-Alge zum Beispiel "das vitalstoffreichste Lebensmittel der Welt", welches für "mentale Klarheit, Energie und Konzentration" sorge, und natürlich noch gegen Demenz, Depressionen und Krebs hilft. Sucht man nach wissenschaftlichen Studien, die den Wortreichtum der Werbung belegen, fehlen offenbar die Worte – hier hat die forschende und werbende Pharmaindustrie offensichtlich mal wieder blau gemacht. Stiftung Warentest war nicht blauäugig und beurteilte die Angaben zur Gesundheitsförderung anhand der aktuellen wissenschaftlichen Literatur und den Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) für Nahrungsergänzungsmittel – zusätzlich analysierte Stiftung Warentest noch Algentoxine, Arsen und Schwermetalle.

Chlorella-Algenpräparate sind "mit Einschränkung geeignet" oder "wenig geeignet"

Die grünen Kugelalgen der Gattung Chlorella sind im Sommer in aller Munde, Chlorella kommt als Grünalge (Chlorophyceae) in allen Süßgewässern wie Seen und Teichen vor: Bevor man den armen Badegästen immer wieder das Wasser der Talsperre wegschlürft, kann man es mal mit den exemplarisch ausgewählten Chlorella-Algenpräparaten "Bluegreen Chlorella" und "greenvalley Chlorella" ausprobieren. Die versprochene Gesundheitsförderung ist allerdings fraglich, die Algenpräparate liefern bei den empfohlenen Verzehrsmengen nur geringe Nährstoffmengen: Mit der empfohlenen Höchstdosis der zehn getesteten Nahrungsergänzungsmittel nimmt man zum Beispiel täglich nur etwa 1,1 bis 5,4 Gramm Protein auf – ein 70 Kilogramm schwerer Mann benötigt aber täglich etwa 56 Gramm. Die Aufnahmemenge von Kohlenhydraten und Fetten fällt mit den Algenpräparaten noch geringer aus. Stiftung Warentest bewertete deshalb "greenvalley Chlorella" als "mit Einschränkung geeignet" und "Bluegreen Chlorella" als "wenig geeignet".

Spirulina-Algenpräparate sind zur Nahrungsergänzung "wenig geeignet"

Die spiralig fädigen Korkenzieheralgen der Gattung Spirulina sind dagegen im Sommer hoffentlich nicht in aller Munde, Spirulina-Arten gehören zu den Cyanobakterien und kommen in Deutschland im Faulschlamm, Mistlachen sowie verjauchten und verschmutzten Süßgewässern vor – im afrikanischen Tschadsee dient Spirulina platensis auch als Nahrungsmittel. Als Nahrungsergänzungsmittel dienen dagegen "Alsiroyal Bio-Spirulina Mikroalgen", "Dr. Dünner Bio-Spirulina Mikro-Algen-Tabletten", "greenvalley Spirulina", "Ivarsson's Hawaiian Spirulina" und "Sanatur Spirulina". Alle Spirulina-Algenpräparate sind wegen nebulöser Aussagen zur Gesundheitsförderung nach Stiftung Warentest "wenig geeignet". So ist das in Afa und Spirulina enthaltene Vitamin B 12 für den Mensch kaum verwertbar, es liegt in einer überwiegend für den Menschen nicht verwertbaren Vitamin B 12-Form vor. Die Stiftung Warentest resümiert nach der Untersuchung, dass man solche Algenpräparate nicht benötigt. Wer sich ausgewogen mit Obst und Gemüse sowie tierischen Produkten wie Eier, Fisch, Fleisch und Milch ernährt, hat in Deutschland keinen Mangel. Algenpräparate mit giftigen Algentoxinen brauch sowieso kein Mensch.

"Vom Verzehr abzuraten" – Afa-Algenpräparate können Microcystine enthalten

Voll mentaler Klarheit, Energie und Konzentration muss man im Sommer sein, wenn man aus dem Badesee steigt: Auch die Grüne Spanalge (Aphanizomenon flos-aquae) ist in unseren Seen und Teichen verbreitet, "das vitalstoffreichste Lebensmittel der Welt" treibt es dabei als Uralge oder Cyanobakterium recht bunt – die Cyanobakterien bilden mit Algenaggregaten in der Größe einer Fichtennadel Wasserblüten (flos-aquae) in überdüngten Gewässern und in der Teichwirtschaft. Düngt man seinen Körper mit den Afa-Algenpräparaten "GSE Afa-Alge", "Hannes Pharma Blue Green Alge" und "Wilco Blaugrüne Afa-Algen", sollte man auf eine Überdüngung mit Algengiften achten: Im Labortest fand Stiftung Warentest in allen drei Afa-Algenpräparaten Spuren von in Cyanobakterien vorkommenden Microcystinen, diese Cyanotoxine können die Leber, Niere und Gehirn schädigen. Zusätzlich stufte sie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als vermutlich Krebs erregend ein. Deshalb rät Stiftung Warentest vom Verzehr des blaugrünen Wunders ab.