carotinoide

Carotinoide - bioaktive Substanzen mit Gesundheitswirkung


Carotinoide sind rote oder gelbe Pflanzenfarbstoffe, wie zum Beispiel das β–Carotin in der Karotte, welches der Mensch als Provitamin zum Aufbau des Sehfarbstoffes (Rhodopsin, Sehpurpur) in der Netzhaut benötigt. Chemisch gesehen sind die Carotinoide zu den Terpenoiden zu zählen. Bei den Carotinoiden unterscheidet man grundsätzlich zwischen
- Carotinen (α-Carotin, β-Carotin, Lykopin) und
- Xanthophyllen (Lutein, Zeaxanthin, β-Cryptoxanthin).


Eigenschaften und Wirkungen der Carotinoide

Die Vitamin-A-Wirkung der Provitamin-Carotinoide ist die bisher einzige am Menschen nachgewiesene Funktion der Carotinoide. Zur Zeit konzentrieren sich die Untersuchungen auf die antioxidative Wirkung dieser Stoffe.

Schon 1989 wurde für die Carotinoide (sekundäre Pflanzenstoffe) unter anderem eine antioxidative Wirkung sowie die Stimulation von spezifischen Mechanismen der Immunantwort beschrieben. In einer 1993 durchgeführten Untersuchung stimulierten physiologische Konzentrationen von β-Carotin die Sekretion der Zytokine Tumor-Nekrose-Faktor(TNF)-α und Interleukin(IL)-1α, welche vorwiegend von Monozyten und Makrophagen (Fresszellen) gebildet werden. Im Gegensatz dazu wurde die Sekretion des von den T-Lymphozyten produzierten Interferon(IFN)-γ durch β-Carotin nicht beeinflusst. Weiterhin konnte gezeigt werden, das β-Carotin die IL-1α-Sekretion der T-Helfer-Lymphozyten stimuliert und die zytotoxische (zellschädigende) Aktivität der Natürlichen Killerzellen erhöht.

In einer doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie, in der täglich 15 mg β-Carotin eingenommen wurden, konnte schon nach 26 Tagen eine deutliche Stimulation des Immunsystems nachgewiesen werden. Ex vivo (außerhalb des Körpers) produzierten die Monozyten der Studienteilnehmer signifikant mehr TNF. Auf den Monozyten waren zusätzlich vermehrt MHC-Klasse-II-Moleküle exprimiert. Diese spielen für die Interaktion des Immunsystems eine bedeutende Rolle. Auf der anderen Seite können auch Carotinoide, die keine Provitamin-A-Wirkung besitzen, immunmodulatorische Wirkungen zeigen. So wurde für das Xanthophyll Astaxanthin in vitro (im Körper) eine Steigerung der Antikörperbildung festgestellt. Möglicherweise moduliert Astaxanthin den Prozess zwischen den Antigen-präsentierenden Zellen und den T-Helfer-Lymphozyten. Erste Untersuchungen zur Wirkung carotinoidreicher Gemüsearten weisen auf eine Beeinflussung immunologischer Parameter durch den Verzehr von Tomaten- und Karottensäften sowie Spinatpulver bei Menschen mit niedriger Carotinoidaufnahme hin. Eine derartige Immunmodulation beeinflusste zum Beispiel die Lymphozytenproliferation und die Produktion von IL-2 und IL-4.

Lykopin - ein immunmodulierendes Carotin

Ebenso wie β-Carotin gehört auch Lykopin zu den Carotinen und zählt zu den effizientesten Radikalfängern, kann allerdings nicht in Vitamin A umgewandelt werden. Eine Studie, in welcher der Einfluss von Lykopin und lykopinreichen Lebensmitteln auf das Immunsystem untersucht wurde, lässt erkennen, dass der Versorgungsgrad mit Lykopin für seine immunstimulatorische Wirksamkeit eine entscheidende Rolle spielt. Ein immunstimulatorisches Potenzial wie es bereits für β-Carotin nachgewiesen wurde, konnte für Lykopin jedoch in einer Untersuchung mit lykopinhaltigem Tomatensaft nicht bestätigt werden.

Die hier dargestellten Ergebnisse zeigen eindeutig, dass die Carotinoide eine immunstimulierende Wirkung besitzen. Daraus lässt sich folglich ableiten, dass eine carotinoidreiche Ernährungsweise zur Aktivierung verschiedener Mechanismen des Immunsystems führen kann.