flavonoide

Flavonoide - Immunstärkende Substanzen aus dem Reich der Pflanzen


Im Pflanzenreich sind die Flavonoide weit verbreitet und stellen deshalb einen wesentlichen Bestandteil unserer Nahrung dar. Besonders in Beeren und Früchten, aber auch in Rotwein und Tee sind diese Polyphenole enthalten.


Flavonoide und das Immunsystem

Über eine immunsuppressive Wirkung im Sinne anti-allergischer und anti-phlogistischer (entzündungshemmender) Eigenschaften berichtete man schon 1989. Die immunmodulatorischen Wirkungen der Flavonoide liegen in der Hemmung des Arachidonsäuremetabolismus (Entzündungsstoffwechsel) und der Histaminfreisetzung. Möglicherweise beeinflussen diese sekundären Pflanzenstoffe das immunologische Gleichgewicht. Einige Untersuchungen belegten eine immunsuppressive Wirkung. Flavonoide können sekretorische (absondernde) Prozesse (zum Beispiel die Bildung von Zytokinen = Eiweißstoffen mit regulierenden Funktionen) und Zell-Zell-Interaktionen (zum Beispiel von Makrophagen und T-Lymphozyten) hemmen. Darüber hinaus sind Flavonoide in der Lage, Zellfunktionen wie die Zytokinausschüttung zu regulieren.

Das Flavonoid Quercetin

Das bisher meistuntersuchte Flavonoid ist das beispielsweise in Zwiebeln und Grünkohl vorkommende Quercetin. Zu seinen wichtigsten Wirkungen zählen die Hemmung des Wachstums von Lymphozyten, die Beeinträchtigung der Verarbeitung und Präsentation von Antigenen durch Makrophagen (Fresszellen) sowie die Verringerung der Interleukin-(IL)-2-Sekretion (Ausschüttung) und der IL-2-Rezeptor-Expression (Umsetzung der genetischen Information in Proteine). Darüber hinaus kann Quercetin die Aktivität der Natürlichen Killerzellen, die Histaminfreisetzung aus Mastzellen und zytotoxische T-Lymphozyten hemmen. Quercetin ist ebenfalls in der Lage, das Enzym Phospholipase A2 zu blockieren. Dieses Enzym ist für die Prostaglandin-Synthese (Zusammensetzung des Gewebshormons Prostaglandin) aus der Arachidonsäure notwendig.

Weitere Eigenschaften von Flavonoiden

Einige die Histaminfreisetzung blockierenden Flavonoide können die Aktivität der Lipoxygenase (Enzym, welches mehrfach ungesättigte Fettsäuren oxidiert) hemmen, welche wiederum für die Produktion von Leukotrien aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren benötigt wird. Für das Flavonoid Apigenin konnte eine Hemmung der Prostaglandin-Synthese sowie der IL-6- und IL-8-Produktion nachgewiesen werden. Vermutlich ist der Wirkmechanismus auf eine Beeinflussung der zellulären Signaltransduktion (Signalübermittlung zwischen den Zellen) zurückzuführen. 1999 wurde eine Interventionsstudie zur Untersuchung des Einflusses polyphenolreicher Fruchtsäfte auf das Immunsystem durchgeführt. Der Konsum der anthocyan-, catechin- und phenolsäurereichen Fruchtsäfte zeigte eine Stimulation des Leukozyten-Wachstums sowie der IL-2-Sekretion. Allerdings hatte der Versuch keine Auswirkungen auf die Aktivität der Natürlichen Killerzellen und auf die IL-4-Sekretion.

Mitte der 1990er Jahre fand man heraus, dass Flavonoide auch in der Lage sind, verschiedene Symptome einer Entzündungsreaktion abzuschwächen. Des weiteren blockieren Flavonoide ab einer bestimmten Konzentration die Freisetzung des Enzyms Lysozym und der Arachidonsäure (Omega-6-Fettsäure). So können sie indirekt Entzündungsprozesse hemmen.

Die bei solchen Entzündungsprozessen entstehenden Stickoxidradikale können zwar pathogene (krankmachende) Mikroorganismen zerstören, wandeln sich aber letztlich in stabile, gewebeschädigende Verbindungen wie Nitrat und Nitrit um. Epigallocatechin, ein in Schwarztee enthaltenes Flavonoid, kann in vitro die Nitritbildung durch die aktivierten Makrophagen verringern. Auf dieselbe Weise können auch Carnosol aus Rosmarin und Curcumin aus der Gelbwurz entzündungshemmend wirken.

In einer neuen Studie wurde nun deutlich, dass das Flavonoid Hesperidin die Blutwerte verbessern kann. Seine blutdrucksenkenden Eigenschaften können genutzt werden, indem man beispielsweise zwei Gläser Orangensaft pro Tag verzehrt.

Tee und Wein als natürliche Flavonoid-Quelle

Grüner und Schwarzer Tee weist eine hohe antioxidative Wirkung auf. Wird dem Tee jedoch Milch zugegeben, hemmt dies die antioxidative Wirkung vollständig. In einem Vergleich des Teekonsums mit und ohne Milch konnten die gleichen Flavonoidgehalte im Plasma nachgewiesen werden.

Das in Weintrauben und Wein enthaltene Flavonoid Resveratrol besitzt antientzündliche Eigenschaften. Dies konnte in einer italienischen Studie, welche die Wirkung von Resveratrol auf immunologische Parameter untersuchte, belegt werden. Aus den Kernen roter Weintrauben wird das so genannte Traubenkernöl gewonnen. Dieses auch als Speiseöl oder diätetisches Nahrungsmittel zu empfehlende Pflanzenöl weist einen 85%igen und damit höchsten Gehalt an ungesättigten Fettsäuren auf. Neben den Fettsäuren enthält es Vitamine, aber auch Flavonoide wie zum Beispiel Procyanidin, Resveratrol, Lezithin und Mineralstoffe. Nach amerikanischen Forschungen zu urteilen ist das Procyanidin das stärkste bisher bekannte Antioxidans. Es kann den Organismus vor umweltbedingten aggressiven Substanzen, den freien Radikalen, schützen und wirkt dabei stärker als Vitamin C und E.