spirulina

Spirulina - Mikroalgen in der Ernährung


Traditionell wird Spirulina in Afrika, Amerika und Asien als Nahrungszusatz verzehrt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Spirulina als „Health-improving-Agent“ ein. Weiterhin wird derzeit an selen- und jodhaltigen pharmazeutischen Produkten auf Spirulina-Basis geforscht.


Spirulina platensis als Nahrungsergänzungsmitttel

Im Jahre 1981 wurde Spirulina erstmals als natürliche Diätpille mit hohem Proteingehalt (65 %) und appetitzügelnden Eigenschaften propagiert. Außerdem sollte sie nach Werbeaussagen wirksam für die Gewichtskontrolle sein und therapeutische Effekte bei Diabetes, Anämie, Lebererkrankungen und Geschwüren haben. Ein Jahr später wurde der Hersteller unter Zahlung von 225.000 US-Dollar zur Unterlassung der Heilversprechen verurteilt. Dennoch wurde weiter geworben mit Stärkung des Immunsystems, Energiesteigerung und Entgiftung des Körpers. Durch Weiterverbreitung positiver persönlicher Erfahrungsberichte von Anwendern versuchte man die auch in den USA verbotenen nicht wissenschaftlich belegten therapeutischen Wirkungen zu umgehen.

Inhaltsstoffe von Spirulina und ihre Wirkung

In Bezug auf ihre pharmakologischen Eigenschaften konnten bisher positive Wirkungen auf

- Allergien,
- Anämie,
- Krebs,
- Lebervergiftung,
- virale und kardiovaskuläre Erkrankungen,
- Hyperglykämie,
- Hyperlipidämie,
- Immunschwäche und
- Entzündungsprozesse

nachgewiesen werden. Spirulina enthält zudem ungewöhnlich hohe Mengen an γ-Linolensäure.

Hinsichtlich HIV/AIDS-Erkrankungen und der nachgewiesenen HIV-Hemmung durch Algenextrakte, könnte der Algenkonsum möglicherweise für die vergleichsweise niedrige HIV-Erkrankungsrate in Ostasien und einigen afrikanischen Stämmen wie zum Beispiel den Kanemba aus dem Tschad mitverantwortlich sein. Bei Koreanern und Japanern stehen Makroalgen auf dem täglichen Speiseplan, bei Kanemba Spirulina-Mikroal­gen. Ein regelmäßiger Algenkonsum kann demnach möglicherweise HIV-Infektionen vorbeugen und die Virus-Belastung unter den Infizierten verringern.

Kosten versus Nutzen

Einhundert Tabletten mit Spirulina-Inhalt kosten derzeit rund 11,50 €, 100 Gramm entsprechend 23,00 €. Für 100 Gramm Pulver zahlt man 16,50 €. Der Hersteller empfiehlt die Einnahme von 3-6 Tabletten beziehungsweise 1,5-3 Gramm Pulver vor oder mit den Mahlzeiten. Damit würde der Verbraucher täglich etwa 1,5 bis 3 Gramm der Alge aufnehmen und Kosten in Höhe von 0,25 bis 0,69 € pro Tag verursachen.

Alternativen für die Nährstoffzufuhr

Mit der vom Hersteller empfohlenen Tagesdosis kann der Verbraucher etwa zwischen 1,5 und 3 Gramm Spirulina täglich aufnehmen. In Bezug auf die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr würde dies beispielsweise bereits 136 bis 375% des Tagesbedarfs an Betakarotin sowie 15-30 % des täglichen Bedarfs an Vitamin B12 und etwa 10 % des Eisenbedarfs decken.

Im Vergleich zu Spirulina in Tablettenform enthalten beispielsweise auch orangefarbenes Obst und Gemüse, aber auch grünes Gemüse ausreichende Mengen an Betakarotin. Die tägliche Zufuhr an Eisen kann durchaus mit Fleisch, Getreide, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen gedeckt werden.

Spirulina in der Ernährung

Spirulina-Präparate werden zwar als Nahrungsergänzungsmittel stark angepriesen, aber exakte wissenschaftliche Belege zu ihrem Nutzen fehlen. Sie bestehen zu 60 % aus pflanzlichem Eiweiß, jedoch ist die Dosis zu gering, um sich als ergänzende Eiweißzufuhr bemerkbar zu machen. Die darüber hinaus enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe kommen auch in anderen Lebensmitteln vor. In der Werbung für Spirulina wird oftmals auf das darin enthaltene Vitamin B12 hingewiesen, doch neuere Studien haben gezeigt, dass es sich in diesem Fall um eine für den Menschen nicht nutzbare Form des Vitamins handelt.

Sowohl die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) als auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind der Meinung, dass Nahrungsergänzungsmittel für gesunde, sich normal ernährende Personen nicht notwendig sind. Eine einseitige, unausgewogene Ernährungsweise mit Nahrungsergänzungspräparaten auszugleichen, wäre Selbstbetrug, denn viele Lebensmittel enthalten vielfältig die für den Menschen lebensnotwendigen und gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe. Diese können durch Nahrungsergänzungsmittel niemals in den richtigen Mengen aufgenommen werden. Eine abwechslungsreiche Ernährung ist daher sinnvoll.

Als natürliche Nährstoffquelle zum Beispiel bei einer eingeschränkten Lebensmittel-Auswahl durch eine vorliegende Allergie oder Unverträglichkeit stellen Algen jedoch eine möglicherweise empfehlenswerte Alternative dar. Allerdings sind hier die reinen Algen vorzuziehen. Im Gegensatz zu den isolierten, synthetischen Präparaten enthalten diese als natürliches Mittel auch sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe, welche für ihre weitreichenden gesundheitlichen Vorteile bekannt sind.

Neben Spirulina-Algen werden auch Chlorella- und AFA-Algen zur Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln verwendet.