vitamin c

Vitamin C und seine Geschichte


Es war 1912, als der polnische Forscher Casimir Funk den Begriff „Vital – amines“ oder „Vitamine“ prägte. Er benannte damit Substanzen, die der menschliche Körper nicht selbst herstellen kann, die aber lebensnotwendig (vita) sind und Stickstoffe enthalten (amin). Heute wird dieser Begriff nicht mehr so streng genommen. Denn viele uns als „Vitamine“ bekannte Stoffe enthalten keinen Stickstoff.


Eines aber haben sie noch immer gemeinsam: Werden Vitamine nicht zugeführt, entwickeln Menschen wie Tiere Mangelerscheinungen (medizinisch: Avitaminosen). Die bekannteste Mangelerscheinung bei Vitamin C ist die Krankheit Skorbut.

Vitamin C im geschichtlichen Rückblick: Was die Primaten noch konnten…

Egal, ob Hund, Katze oder Maus: die meisten Tiere auf diesem Planeten sind in der Lage, Vitamin C selbst herzustellen. Und das nicht nur im Milligramm-Bereich! Denn bekommt ein Hauskater mit der Nachbarskatze Stress, kann er als enzymatische Reaktion gut und gern ein bis drei Gramm Vitamin C ausschütten!

Leider ist dem Menschen im Laufe der Jahrmillionen diese Fähigkeit abhanden gekommen - ein Schicksal, das er übrigens mit Menschenaffen, Meerschweinchen, Flugfüchsen, Fledermäusen und Insekten teilt. Diese so genannten Defektmutanten sind auf eine Vitamin-C-Zufuhr durch die Nahrung angewiesen.

Mangelerscheinung Skorbut

„Es faulte fort mit scheußlichem Gestank und rings verpestete es die Luft umher…“ so beschreibt der portugiesische Dichter Luis des Camoes (1524-1680) die dramatischen Folgen von Skorbut.

Skorbut (lat: scorbutus), auch Scharbock genannt, ist eine der am längsten bekannten Vitaminmangelerscheinungen. Fehlt Vitamin C kommt es zu einer gestörten Bindegewebssynthese, die Blutgefäße werden brüchig und bluten. Das Zahnfleisch entzündet sich, Zähne fallen aus, Wunden heilen nur noch sehr langsam. Bei Kleinkindern wird das Knochenwachstum gestört. Wird kein Vitamin C zugeführt, endet Skorbut tödlich.

Tödliche Schifffahrt

Unsere primitiven Vorfahren nahmen täglich zwischen 300 und 500 mg Vitamin C zu sich. Diese Menge gilt als ausreichend, um vor Skorbut zu schützen. Doch zu Zeiten, als die Welt per Schiff erkundet wurde, starben viele Seefahrer an Skorbut – manchmal mehr als die halbe Mannschaft. Schließlich konnte schnell verderbliches Obst und Gemüse, die als die besten Vitamin-C-Quellen gelten, auf Schiff nicht länger als ein paar Wochen gelagert werden.

Im Jahre 1498 verlor Vasco da Gama bei seiner Fahrt um Afrika 100 von seinen insgesamt 160 Männern an Skorbut. Jaques Cartier, der 1541/42 bei der Erforschung des St. Lorenz-Stromes mit seinen Schiffen im Eis überwinterte, beschrieb die Situation wie folgt: „Eine unbekannte Krankheit begann sich unter uns auf die härteste Art, die je gehört oder gesehen wurde, auszubreiten. Einige verloren all ihre Kraft und konnten nicht mehr auf den Füßen stehen. Dann schwollen ihre Beine, ihre Muskeln schrumpften ein und wurden schwarz wie Kohle. Andere hatten ihre Haut gefleckt mit blutigen Stellen von purpurner Farbe. Dann stieg es hinauf zu ihren Fußknöcheln, Schenkeln, Schultern, Armen und Nacken. Ihre Münder wurden stinkend. Ihr Zahnfleisch wurde so faul, dass alles Fleisch bis zu den Wurzeln der Zähne abfiel und diese beinahe alle ausfielen. Mit solcher Ansteckungskraft breitete sich die Krankheit über unsere drei Schiffe aus, dass Mitte Februar von den 100 Personen, die wir waren, keine 10 mehr gesund waren.“

Der Hinweis, dass es sich um eine ansteckende Erkrankung handeln könnte, macht deutlich, dass zu dieser Zeit keiner ahnte, dass es sich um eine Mangelerscheinung handeln könnte. Erst 1750 fand der englische Arzt James Lind heraus, dass Limonen nicht nur Skorbut verhindern, sondern auch die Krankheit heilen konnten.

Doch es dauerte noch einmal 50 Jahre, bevor ein Erlass erging, dass Limonen mit auf jedes Schiff zu nehmen seien. Diese verzögerte Umsetzung einer wissenschaftlichen Erkenntnis kostete Tausende von Seefahrern das Leben.

Vitamin C, chemisch betrachtet

Nachdem festgestellt wurde, dass Vitamin C vor Skorbut schützt, wurde es mit dem chemischen Namen Ascorbinsäure belegt. Es hat die chemische Summenformel C6-H8-O6 und ist damit in der chemischen Struktur nahezu identisch mit Glukose. Ascorbinsäure gehört chemisch zur Klasse der Kohlenhydrate, funktional zu den Säuren und physiologisch zu den Vitaminen.

Ascorbinsäure besteht aus weißen bis leicht gelblich erscheinenden, wasserlöslichen Kristallen. Es schmeckt sauer, ist aber geruchlos.