Winterzeit: Die Vor- und Nachteile der Umstellung

Alle Jahre wieder wird im Oktober die Uhr um eine Stunde zurückgestellt. Das heißt, eine Stunde länger schlafen und zumindest noch für ein paar Wochen bei Tageslicht erwachen. Hört sich doch gut an, oder? Nicht für Mayer Hillmann. Der Experte des Londoner Policy Studies Institute fordert die Abschaffung der Winterzeit. Er meint, das wäre die billigste Gesundheitsmaßnahme. „Wir sollten die Sommerzeit weiterführen und im Frühling die Uhr zusätzlich um eine Stunde nach vorne stellen“, fordert Hillman, der sich in einer eigens dazu angefertigten Studie vorerst speziell auf Schottland bezieht.

Sommerzeit bringt mehr Licht und Gesundheit

Hillmann erklärt, dass der Vorteil des Beibehaltens der Sommerzeit darin liege, mehr Stunden des Tages mit Licht verbringen zu können. Dadurch würden Menschen auch mehr Zeit im Freien verbringen können, was wiederum zu mehr Bewegung sowie mehr Gesundheit führen würde. „Die meisten Aktivitäten im Freien kann man nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr machen. Viele haben Angst, bei Dunkelheit noch hinauszugehen und auch Kinder dürfen dann nicht mehr draußen spielen“, vertieft Hillmann seine Theorie. Würde der Tag eine Stunde früher beginnen, würden Menschen – vor allem die Jüngsten und

Ältesten – davon profitieren.

Laut Hillmanns Studie würden pro Jahr rund 300 Stunden mehr für Aktivitäten im Freien zur Verfügung stehen, für Kinder 200 Stunden, wenn die Uhren in Schottland nicht auf die Winterzeit umgestellt werden würden. Abgesehen von der körperlichen Gesundheit, die dadurch gefördert werden würde, hätte das auch Vorteile für die Psyche. HIllmann zieht in seiner Studie daraus auch den Schluss, dass Verkehrsunfälle, Kriminalität und der Stromverbrauch gesenkt werden könnten.

Umstellung auf Winterzeit ist zumeist problemlos

Wenig begeistert von der Idee des Londoner Experten zeigt sich Christian Cajochen, Leiter des Zentrums für Chronobiologie der psychiatrischen Universitätsklinik Basel. In einem Interview mit pressetext.at sagt er, dass das Aufstehen mit der Morgensonne biologisch wichtiger sei als Freizeitaktivitäten vor der Dämmerung. Deswegen sei es wenig ratsam, den Tag um eine Stunde vor zu verlegen. „Besonders Schüler stehen schon jetzt viel zu früh auf. Das erkennt man auch daran, dass sie am Wochenende oder in den Ferien automatisch länger schlafen, wozu es gar keinen Diskothekbesuch am Vorabend braucht“, erklärt der Chronobiologe.

Außerdem sei die Umstellung auf die Winterzeit für die meisten Menschen problemlos – im Gegensatz zum Sommerzeit-Beginn. Das wundert wenig, ist doch eine Stunde länger zu schlafen recht bequem. „Und zumindest für einige Wochen gibt es morgens plötzlich wieder Licht. Zudem rotiert der Rhythmus dabei nach vorwärts statt nach hinten, was ungesünder wäre. Nur extreme Frühaufsteher sind schon zu früh wach“, sagt Cajochen. Übrigens: Der eigentliche Hintergrund für die Sommerzeitregelung, nämlich das Einsparen von Strom, hat heute kaum noch eine Bedeutung. Denn die Vorverlegung der Heizzeit kostet mehr Energie als Strom zur Beleuchtung.

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