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Australiens schönste Berge, die Blue Mountains


Die Blue Mountains galten lange Zeit als uninteressant. Dann fand Edward Hammond Hargraves ein riesiges Goldnugget und löste in Australien den ersten Goldrausch aus.


Die Blue Mountains sind eine der eindrucksvollsten Gebirgs- und Tallandschaften an der australischen Ostküste, mit steil aufragenden, vom Wind zernagten Felsen, Schluchten und Steilhängen, überwuchert von Farnen, Koniferen und Eukalyptusbäumen. Weiter südlich befinden sich die Three Sisters, eine bizarre Felsformation, die in Neusüdwales so bekannt sind, wie Großglockner oder Montblanc. Ihren Namen erhielten die Blue Mountains von der merkwürdigen, bläulichen Dunstglocke der ätherischen Öle, welche die Eukalyptusblätter absondern. Bei Lithgow, einer Bergarbeiterstadt, gelangt man in die forest zone, ein dichtes, beinahe undurchdringliches Waldgebiet. Im Dezember sind die Wälder dort so knochentrocken, dass selbst ein achtlos weggeworfenes Stück Stanniolpapier – von der Sonne erhitzt – zu einem verheerenden Waldbrand führen kann, bei denen Tausende von Hektar völlig abbrennen. Grillen ist nur auf den von der Regierung angelegten Picknick-Plätzen gestattet, aber die sind an sonnigen Wochenenden fast immer von Stadtausflüglern belagert.

Blaxland und Wentworth, die Pioniere der Blue Mountains

Die bis zu 1200 Meter hohen Blue Mountains bildeten jahrzehntelang eine natürliche Barriere für die Siedler der Ostküste. Erst 1813 fanden die Pioniere Blaxland und Wentworth einen Weg durch das bis dahin unüberwindbare Gebirge. Der Erfolg dieser Expedition führte zur Besiedlung der ausgedehnten Prärien in der Gegend von Bathurst. Die Stadt, bereits 1816 gegründet, liegt zweihundert Kilometer von Sydney entfernt. Die Region war Schauplatz blutiger Kämpfe mit den Ureinwohnern, die sich verzweifelt und mit aller Macht gegen das Vordringen der verhassten Weißen wehrten. Die Siedler schlugen brutal zurück. Jeder, der einen Eingeborenen-Anführer – tot oder lebendig – ablieferte, erhielt vom Gouverneur in Sydney als Belohnung ein zwei Quadratkilometer großes Stück Land.

Hargraves Riesennugget löst Goldrausch aus

Einige Jahre später erforschte Captain James Sturt, dessen Regiment 1827 in Botany Bay landete, die Gegend westlich von Bathurst und folgte dem Lauf des Lachlan und des Murray River bis hinunter zur südaustralischen Küste. Nach und nach wurden die weiten Ebenen besiedelt. Das änderte sich schlagartig, als der Prospektor Edward Hammond Hargraves 1851 in dem fünfzig Kilometer von Bathurst gelegenen Summer Hill Creek ein Goldnugget mit einem Gewicht von knapp fünfzig Kilogramm fand. Wie ein Lauffeuer breitete sich die Nachricht von diesem sagenhaften Fund über die gesamte Ostküste aus. Ein Goldrausch setzte ein. Zu Tausenden strömten Abenteurer, Vagabunden, Siedler, entlaufene Sträflinge und abgemusterte Seeleute in die umliegenden Berge. Heute ist Bathurst Handels- und Geschäftszentrum für die weit verstreut liegenden Obst-, Gemüse- und Getreidefarmen.

Cowra, ein Makel in Australiens Geschichte

Ein paar Kilometer hinter Bathurst zweigt die Cowra Road vom Highway ab. In engen Serpentinen wickelt sich diese schmale Straße an den bewaldeten Hügeln entlang. Die Luft vibriert und riecht nach Hustenbonbons, Akazien und Fichtennadeln. Cowra ist ein nettes gemütliches Städtchen, doch die Idylle trügt. Während des Zweiten Weltkriegs gab es dort ein Internierungslager für japanische Kriegsgefangene. Nach dem japanischen Bombardement auf Darwin, begannen australische Wachsoldaten ihre asiatischen Gefangenen zu schikanieren Sie reduzierten die ohnehin schon spärlichen Lebensmittelrationen und ließen die Inhaftierten zum Teil verdursten. In der Nacht vom dritten auf den vierten August versuchten die verzweifelten Japaner einen Massenausbruch. Als der Versuch scheiterte, befahlen die fanatischen Offiziere Harakiri. Es war entsetzlich. Über zweihundertdreißig Japaner starben, viele wurden grausam verstümmelt. Eine der schlimmsten Tragödien in der neueren australischen Geschichte. Selbstverständlich fand sie keinen direkten Weg in die Medien. Noch heute wird das Massaker von Cowra gerne tot geschwiegen.

Am Lachlan beginnt das Outback

Weiter in Richtung Osten wird die Vegetation spärlicher, das Land flacher, trockener, beherrscht von Mulga-Gras und Mallee-Büschen. In einiger Distanz fließt der Lachlan River. Seine Ufer sind von mächtigen Eukalyptusbäumen gesäumt. Der Lachlan macht hier einen Knick nach Norden. Im Wasser spiegeln sich die Bäume. Schwärme von Sittichen fliegen kreischend davon, sobald sich ein Fahrzeug dem Flussufer nähert. Sonst ist es still. Der Himmel ist so Blau wie ein Saphir. Bedächtig driftet die Sonne nach Westen, den unendlichen Weiten des Outbacks entgegen. Ein sanfter Wind kräuselt die Wasseroberfläche und lässt die Eukalyptusblätter leicht rascheln. Irgendwo zirpen Grillen. Im Fluss treiben kleine Grasinseln, Borke und aufgeschwemmte braune Äste.

Alextown und sein gigantisches Radioteleskop

Von Forbes verläuft die staubige Straße schnurgerade nach Parkes. Ausgedehnte Weizenfelder umgeben die Stadt wie ein Kragen. Im Winter können starke Regenfälle die Felder in eine Teichlandschaft verwandeln und die gesamte Ernte vernichten. In der Nähe von Parkes, in Alextown, steht das größte Radioteleskop der südlichen Hemisphäre. Es gehört der CSIRO, dem australischen Institut für Weltraumforschung. Die Anlage ist gigantisch. Allein der Parabolspiegel hat einen Durchmesser von vierundsechzig Metern. Die Sockelhöhe entspricht achtzehn Stockwerken. Ohne dieses Radioteleskop hätte die NASA ihr gesamtes Apollo-Programm nicht durchführen können. Die gesamte Kommunikation mit der Weltraumfähre lief seinerzeit über die Riesen-Schüssel in Alextown.