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Brooks Falls, Alaska: Braunbären beobachten


Eines der letzten Abenteuer dieser Erde bietet die Wildnis Alaskas: An den Brooks Falls im Katmai National Park kann man Kodiakbären hautnah beobachten.


Schon die Anreise ist abenteuerlich: Entweder fliegt man mit einem Wasserflugzeug von King Salmon, einem winzigen Dorf auf den Aleuten, das per Jet von Anchorage aus zu erreichen ist, zum Besucherzentrum des Katmai National Parks oder wird mit einem Flachbodenboot hin transportiert - wenn die Wassertiefe des seichten Naknek Lake es zulässt.

Anreise in die Wildnis Alaskas

Je nach Wetterlage und Wassertiefe kann es sein, dass man hier viel Geduld mitbringen muss, bis man das Ziel erreicht. Denn technisch und meteorologisch erschlossen ist diese Region sicher nicht, so dass man nicht auf aktuelle Wassertiefe-Berichte oder Windstärkeangaben und Wetterinformationen zurückgreifen kann. Daher reist man hier immer noch nach dem Prinzip "Ausprobieren und Testen", und wenn die eine Methode nicht funktioniert, probiert man einfach die andere. Dies kann für Besucher, die daran gewöhnt sind, dass alles wie am Schnürchen funktioniert, etwas gewöhnungsbedürftig sein, macht aber auch einen Großteil des Reizes einer solchen Tour aus.

Bärenschulung im Besucherzentrum des Katmai National Parks

Mit etwas Glück tapsen bereits bei der Ankunft am Ufer des Naknek Lake die ersten Bären am Strand entlang. Mit mulmigem Gefühl und misstrauischen Blicken in Richtung der beeindruckend großen Raubtiere macht man sich ungeschützt auf den Weg in das Besucherzentrum des Katmai National Parks, das in einem kleinen Blockhaus am Seeufer untergebracht ist. Dort wird man von den Rangern des National Park Service erst einmal eingewiesen in die richtige Verhaltensweise bei der Bärenbeobachtung und bekommt dazu einen Film gezeigt, der sogar in deutscher Sprache angeboten wird.

Nachdem alle Nahrungsmittel und Duftstoffe, die Bären interessieren könnten, in einem kleinen Holzlager hinter dem Besucherzentrum deponiert worden sind, geht es alleine und ohne Führer auf ins Abenteuer. Hinter jeder Blockhütte der Brooks Lodge, durch deren Gelände der Weg zunächst führt, vermutet man den ersten Bären, und dies kann durchaus zutreffen, denn einen Zaun oder andere Schutzvorrichtungen gegen die Kodiakbären gibt es hier nicht. Hier ist der Mensch zu Gast, und das Tier hat Vorrecht vor menschlichen Bedürfnissen und Ansprüchen.

Kodiakbären hautnah

Erstes Ziel dieses Spaziergangs durch ein kleines Wäldchen aus schwachen Espen, durch das man das nur wenige Meter entfernte Ufer des Sees und daran entlang wandernde Bären erkennen kann, ist eine schwimmende Brücke über den Brooks River. Auf Schildern wird der Besucher darauf hingewiesen, die Türen an beiden Enden der Brücke wieder zu schließen, denn Bären sind neugierig. Mit etwas Glück kann man hier oder von der erhöhten Plattform auf der anderen Seite des Flusses bereits die ersten Braunbären beim Fischen im Fluss beobachten. Auf alle Fälle kann man die Holzplattform dazu nutzen, um neuen Mut für den längeren Weg durch den Wald zu den Brooks Falls zu fassen und um seine Nerven zu beruhigen.

Der zweite Abschnitt des Weges zu den Wasserfällen führt nach einem kurzen Waldstück zunächst über eine offene Wiese und dann durch dichten Wald, hinter dessen Bäumen sich überall Bären aufhalten könnten, die auf dem Weg zu den Wasserfällen sind. Wie im Besucherzentrum gelernt, gehen die Besucher klatschend und laut rufend durch den Wald, wobei sie sich ängstlich umsehen, ob nicht hinter dem nächsten Baum bereits ein Bär lauert. Und dies kommt nicht selten vor: Es wird empfohlen, für den Rückweg lange Zeit einzuplanen, da es geschehen kann, dass ein Bär den Rückweg versperrt. Erst wenn dieser den Weg freimacht, können die Besucher ihren Spaziergang fortsetzen.

An den Brooks Falls

Aber zunächst sind die Wasserfälle das Ziel. Wenn der Besucherandrang zu groß ist, verweisen die Ranger einen zunächst auf eine vorgelagerte Plattform, von der aus man die Tiere dabei beobachten kann, wie sie sich den Wasserfällen nähern. Und dann darf man endlich ans Ziel: Eine Aussichtsplattform, von der aus der Blick frei ist auf die eifrig nach Lachsen fischenden Raubtiere. Wenn sich mehrere Braunbären an den Fällen aufhalten, wird schnell deutlich, dass jeder von ihnen seine eigene Methode beim Lachsfang entwickelt hat. Manche tauchen einfach unter und mit dem begehrten Fisch im Maul wieder auf, andere springen aufgeregt durchs Wasser und scheinen erst noch zu testen, welche Fangtechnik die erfolgreichste ist. Und eine Bärenmutter bringt - nach vorsichtigem Anpirschen an die Wasserfälle - ihren einjährigen Jungen bei, welche Methode sie perfektioniert hat, während die Jungtiere tollpatschig und erfolglos versuchen, ihre Mutter nachzuahmen.

Bären in ihrem eigenen Lebensraum zu beobachten - und vor allem so hautnah, wie dies im Katmai National Park in Alaska möglich ist - ist sicher eines der letzten Abenteuer unserer Erde. Es hat seinen Preis, ist aber jeden Cent wert.