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Mit der Fähre durch Neuseelands Cook Strait


Wer die beiden Hauptinseln Neuseelands bereist, setzt meist von Wellington nach Picton über. Tipps und Tricks zum Ticket-Kauf, für die oft wilden Wasser der Cook-Straße


Neuseeland gibt es zweimal. Ein weiterer Kandidat für eine Wiedervereinigung? Nein, denn die Teilung Neuseelands ist weder menschengemacht und durch eine Stahlbetonmauer manifestiert, noch ideologisch begründet. Vielmehr mythologisch, und zwar nach den Sagen der polynesischen Erstbewohner Neuseelands: Maui-Tikitiki-a-Taranga – halb Mensch, halb göttliches Wesen und damit ein Heroe homerischen Kalibers – fischte einst in den Fluten des Südpazifiks. Sein einzigartiger Fang war Te Ika a Maui, halb Fisch, halb Insel. Jene Landmasse eben, die heute mit 114.800 km² Fläche als Nordinsel Neuseelands bekannt ist. Doch was ist mit der spärlicher besiedelten, aber mit ihren 149.500 km² deutlich größeren Südinsel? Sie soll lediglich aus einem dekorativen Teil von Mauis Kanu hervorgegangen sein! Etwas ungerecht, wie so vieles im Verhältnis von Norden zu Süden. Die Wildheit der Nordinsel und der rauen Küstengewässer sollen im Kampf des Fisches mit dem Angler gründen. Doch die Wahrheit liegt wohl mal wieder irgendwo dazwischen.

Gefahrvoller Grenzgraben Neuseelands: Die Cook Strait

Ohnerachtet wir uns ziemlich dicht an der Küste hielten und daselbst von den hohen Bergen hätten Schutz haben sollen; so rollten die Wellen gleichwohl so lang und stiegen so entsetzlich hoch, daß sie, beym Brechen, durch den Sturm völlig zu Dunst zerstäubt wurden.« Und das ist nur der Anfang der haarsträubenden Beschreibung, die Georg Forster von der ersten folgenreichen Querung Captain Cooks der nach ihm benannten Wasserstraße im Zuge seiner zweiten Weltumsegelung gibt. Denn das Befahren der Gewässer, die die beiden neuseeländischen Hauptinseln trennen und den Südpazifik im Osten mit der Tasmansee im Westen verbinden, war auch für die Entdecker in ihren Hochsee-erprobten Großseglern alles andere als eine Spazierfahrt. Die Cook Strait ist an ihrer engsten Stelle zwischen Cape Terawhiti (NO) und Arapawa Island (SW) nur 22 Kilometer breit und fast durchgehend zwischen 100 und 300 Metern untief, wird aber regelmäßig von heftigen Winden und fast ebenso regelmäßig von Stürmen aufgepeitscht. Nicht umsonst trägt das nahe Wellington den Beinamen »The Windy City«, was weniger auf den Status als Regierungssitz und Hauptstadt zurückzuführen ist als auf die berüchtigt heftigen Böen und regelmäßigen Wetterunregelmäßigkeiten der Roaring Forties, die die gesamte Region routiniert bestreichen.

Cook Straight, verbindende Wasserstraße zwischen Wellington und Picton

Heutzutage ist die Querung der Wasserstraße zwischen Wellington und Picton für die meisten Reisenden weit weniger dramatisch, haben sich doch mehrere moderne Fährverbindungen um die Verkehrsdrehscheibe Cook Straight etabliert – übrigens keineswegs das geografische Zentrum Neuseelands, das auf der Südinsel liegt. Auch die vielen Individualreisenden, die die neuseeländischen Inseln im eigenem Auto oder Campervan erkunden, können die geräumigen Autofähren nutzen, sogar der eigene Privatzug fände unter Deck Platz. Für Kunden der großen Mietwohnmobil-Anbieter steht ein alternativer Service zur Verfügung: Das rollende Feriendomizil in einem Hafen abgeben und nach der Überfahrt am anderen Ufer ein neues in Empfang nehmen. Denn die rund 92 Kilometer lange Seereise an Bord der hochseetüchtigen Fähren kostet je nach Automodell, Auslastung, Reisetermin und Buchungsvorlauf nicht eben wenig. Selbst für eine einfache Überfahrt für zwei Personen in einem Van bis 550 cm Länge, Monate im Voraus übers Internet gebucht, werden mindestens 190 NZ$ fällig – für die preisgünstige Nachtüberfahrt, bei der das unvergessliche Panaroma der Marlborough Sounds hinter dem nächtlichen Vorhang tiefster Dunkelheit vorbeizieht.

Tipps zur Buchung der Fähre, Reisezeit und Ablauf der Überfahrt

Wenn möglich, sollte man die Überfahrt der Cook Strait in Ferienzeiten meiden, da dann neben den täglichen Pendlern, nomadisierenden Saisonarbeitern und ausländischen Touristen auch neuseeländische Urlauber an Bord der Fähren drängen, was die Ticketpreise spürbar in die Höhe treibt. Online-Buchungen sind unkompliziert und über ein elektronisches Ticketsystem jederzeit von überall aus möglich. Von den zwei großen Fährunternehmen Interislander und Bluebridge Ferry ist die letztere die Jüngere, etwas günstiger und flexibler, was Ticketbuchungen betrifft. Dafür bieten die Interislander-Fähren etwas mehr Komfort für die knapp vier Stunden Fahrtzeit von Picton nach Wellington oder umgekehrt. Die eigenen Fahrzeuge müssen an Bord übrigens verlassen werden. Neben Campingausweisen wie der Top 10 Card gibt es mehrere Möglichkeiten, den Fahrpreis zu drücken, wobei die Nachtfähren mit Ablegezeiten um zwei Uhr nachts aus folgenden Gründen nur bedingt empfehlenswert sind: Das Nationalmuseum Te Papa in Wellington schließt um 18 Uhr, so dass die Zeit bis zum Ablegen auch mit Pub-Besuch und Nacht-Shopping im Supermarkt sehr lang werden kann. Man hat wenig bis nichts von der Aussicht, die allerdings auch nur nahe der Häfen sehenswert ist. Und man sollte die Ankunft sowie das Durchschlafen des Nachtrestes durchaus planen, um sich nicht ohne Bleibe oder Stellplatz in einer nachtschlafenden, fremden Stadt wiederzufinden. Wer von Picton nach Wellington übersetzt, sollte also besser tagsüber reisen.

Übrigens, wer überhaupt nicht seefest ist und die an Bord der rund 130 Meter langen Autofähren spürbaren Wellen der Cook Straight meiden will, der kann auch vom Wellington Airport aus mit dem Flugzeug die Insel wechseln – das hat nicht nur seinen Preis, sondern ist auch ein ganz eigenes Erlebnis, da Start- und Landebahn unmittelbar zwischen Lyall Bay und Hügelkette geklemmt wurden. Doch Neuseeland-Urlauber sind ja von Natur aus abenteuerlustig, und sowohl beide Inseln wie auch das Nass drumherum gleichermaßen einen Blick wert.