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Südaustralien und die Great Sturt Desert


Auf dem Weg von Arkaroola nach Innamincka, stößt man auf den längsten Zaun der Welt, heiße Quellen, Salzseen und die heiligen Wasserlöcher der australischen Aborigines.


Arkaroo, die weise Riesenschlange, war durstig. Sie verließ ihr unterirdisches Reich hoch oben in den Grammon Ranges und glitt hinunter in die weiten Ebenen. Nach langem Suchen fand sie den Lake Frome, und weil sie durstig war, trank sie den großen See bis auf den letzten Tropfen leer. Als sich die vollgetrunkene, gigantische Schlange mühsam nach Hause schlängelte, grub der aufgequollene Leib eine tiefe, gewundene Schlucht in den Felsen – die Arkaroola Spalte. Überall wo die göttliche Schlange eine Rast einlegte, entstand ein Wasserloch – sieben an der Zahl. Um das weitere Vordringen von Arkaroo zu verhindern, rollten ihr die „Herrscher der Traumzeit“ gewaltige Steinbrocken in den Weg. Die Schlange verfiel in einen tausendjährigen Schlaf und versank langsam in der Erde. Bald war ihr Körper von Staub und Sand bedeckt. Das Wasser aber sickerte aus ihrem Magen, stieg an die Oberfläche und bildete eines der schönsten und schattigsten Wasserlöcher, die es gibt – das Yacki Waterhole bei Nooldoonooldoona. Und manchmal, wenn die Menschen böse sind, erweckt der Große Geist die verborgene Schlange zu neuem Leben. Sie wackelt dann so heftig mit ihrem Schwanz, dass das gesamte Land bebt und heiße, giftige Dämpfe aufsteigen, die das Böse ausrotten sollen.

Flinders Range und Arkaroola Creek

So blumig beschreiben Aborigines die Paralana Hot Springs in der Flinders Range. Diese heißen Quellen, aus denen ständig Karbondioxid, Helium und Spurenelemente von Radon aufsteigen, sind die letzten Überbleibsel einstiger aktiver Vulkane. Die Gegend um das Wasserloch ist extrem rau, überall verwitterte, scharfkantige Felsgrate, das von der Sonne in warmes, ockerfarbenes Licht getaucht wird. Außer Spinifex- und Stachelschweingras und ein paar verkrüppelten Akazien wächst hier nichts. Vom Arkaroola Creek führt eine Piste nach Norden zum Paralana Hill. Steht man von dem Hügel, erkennt man im Osten einen flirrenden weißen Spiegel: Lake Frome, ein dick verkrusteter Salzsee, der wie ein Parabolspiegel die sengenden Sonnenstrahlen reflektiert.

Der Dog Fence, Australiens längster Zaun

Weiter in Richtung Westen stößt man auf den Dog Fence, den längsten Zaun der Welt. Er verläuft von Nullarbor an der Great Australian Bight im Süden hinauf in die Stuart Ranges, knickt dort nach Osten ab und zieht sich weiter bis nach Neusüdwales. Der Drahtzaun hat eine Höhe von fast zwei Metern, steckt dreißig Zentimeter tief im Boden und erstreckt sich über eine Länge von 5531 Kilometern. Auf die komplette Einzäunung der Schafweiden hat die Regierung des australischen Bundesstaates Queensland erst 1982 verzichtet, da der Zaun seinen eigentlichen Zweck, die riesigen Herden vor den blutigen Attacken der Dingos zu schützen, nur zum Teil erfüllt hat. An manchen Stellen ist der „Hundezaun“ inzwischen verrostet, unterspült oder eingebrochen. Die boundary rider – ein berittener Reparaturdienst – versuchen zwar so gut es geht die Schäden zu beseitigen, doch es ist schier unmöglich. Um die Dingo-Plage in den Griff zu bekommen, legen die Farmer mittlerweile vergiftete Köder aus.

Rot dominiert die Great Sturt Desert

Great Sturt Desert, die sich von hier nach Südosten ausbreitet, ist eine der lebensfeindlichsten Wüstengebiete der Erde. Rot ist die dominierende Farbe. Alles ist Rot: die Sonne, wenn sie am Abend endlich im Westen verschwindet; die von Eisenerzadern durchzogenen Felsen und die massigen Wanderdünen, welche der Wind vor sich herschiebt. Ein unwirklicher Ort. Trotzdem kamen Menschen hierher. Rund fünfzig Kilometer östlich von Innamincka wurde 1861 ein Schatten spendender Baum am Ufer des Cooper Creek Zeuge jenes tragischen Endes der Burke-Wills-Expedition.

Innamincka, das Ende der Burke-Wills-Expedition

Vier Monate warteten dort Wilhelm Brake mit einigen Männern auf die Rückkehr der Expeditionsführer Burke, Wills und King, die zum Gulf of Carpentaria aufgebrochen waren. Am 17. April 1861 vergruben die Leute ein paar Lebensmittel und markierten den Baumstamm mit den Zeilen: „DIG – 3 FOOT – NW“, grabt drei Fuß in Richtung Nordwest! Ein letzter Blick nach Norden, dann zog die Gruppe ab, zurück nach Adelaide. Sechs Stunden zu früh, denn Burke, Wills und King waren nur noch fünfzehn Meilen entfernt. Doch das wusste natürlich niemand. Die schicksalhafte Entscheidung, das Camp aufzulösen, war knapp, aber definitiv und kostete Burke und Wills das Leben. King überlebte, dank der Hilfe einiger Aborigines. Er wurde am 15. September 1861 – völlig verwahrlost, krank und ausgemergelt – von einer Rettungs-Expedition gefunden. Die nächsten, die das Schicksal in diese gnadenlose Einöde trieb, waren Goldsucher und Opalgräber. Davon zeugen heute nur noch einige Ruinen in der Nähe von Innamincka.